Ohne Architekt geht beim Hausbau nichts. Je individueller und anspruchsvoller ein Haus gestaltet werden soll, umso teurer kann ein solches Projekt werden. Doch ein Architektenhaus muss nicht zwangsläufig mehr kosten als ein Typenhaus, sagt der Architekt Peter Henn, Gründer und Geschäftsführer von KOSIMA-Haus in Potsdam.

Marcel Gäding unterhielt sich für den Bauratgeber Deutschland mit Peter Henn.


Bauratgeber Deutschland:
Herr Henn, bitte erläutern Sie uns doch einmal Ihr Konzept der Architektenhäuser zum Festpreis.

Peter Henn:
Wir haben ursprünglich mal mit einem Architektenbüro angefangen und Häuser frei geplant. Wir merkten schnell, dass Kunden einen Festpreis sehr schätzen. Und das war der Gründungsimpuls. Unser Ablauf ist folgender: Der Bauherr schildert uns seine Vorstellungen, wir fertigen den entsprechenden Entwurf und bringen alles in eine kalkulierbare Form mit Baubeschreibung. Auf diese Weise weiß der Kunde genau, was ihn am Ende erwartet.
KOSIMA-Haus unterscheidet sich jedoch zur freien Vergabe dahin gehend, dass wir für die Umsetzung des Bauvorhabens langjährige Partnerfirmen haben, auf die wir uns verlassen können. Der Bauablauf und die Technologien sind eingespielt. Pro Gewerk haben wir ein paar Firmen, die wir einbeziehen. Unser Schwerpunkt ist der Raum Berlin und Brandenburg sowie Hamburg und das Gebiet um Frankfurt am Main.
Der Kunde hat, anders als beim traditionellen Architektenhaus, nur einen Vertragspartner – uns. Wir machen die Verträge mit den Baufirmen und können damit den Festpreis garantieren.

Bauratgeber Deutschland:
Wer kam denn auf den Namen KOSIMA?

Peter Henn:
Einige Bauherren vermuten, der Name bezieht sich auf Cosima Francesca Gaetana Wagner, der zweiten Frau von Richard Wagner. Es ist weniger dramatisch: Beim Strandspaziergang im schönen Vietnam kam meiner Frau und mir die Idee: Da wir komplett, sicher und massiv bauen, war klar, dass die Anfangsbuchstaben KOSIMA ergeben.

Bauratgeber Deutschland:
Ab welcher Phase ist ein Architekt in die Gespräche mit den Kunden einbezogen?

Peter Henn:
In der Regel beim zweiten Gespräch, häufig schon beim ersten. Da ich auch aktiv an den Beratungsgesprächen teilnehme, tragen 60 bis 70 Prozent der KOSIMA-Häuser meine Handschrift. Natürlich bin ich auch Geschäftsführer von KOSIMA-Haus, aber das Planerische liegt mir nun mal mehr. Sagen wir es so: Die Verwaltung ist die Pflicht, das Planen und Entwerfen die Kür. Aber ich bin auch nicht der einzige Architekt im Hause.

Bauratgeber Deutschland:
Was konkret unterscheidet ein Architektenhaus zum Festpreis von einem Typenhaus eines Hausherstellers?

Peter Henn:
Ein Typenhaus bringt eine gewisse Grundausstattung mit. Je mehr Wünsche ein Bauherr hat, umso mehr weicht man dann von dem Preispaket ab. Das kann teurer werden! Bei einem Typenhaus gibt es in Sachen Wünsche jedoch Grenzen. Wenn wir ein Architektenhaus zum Festpreis planen, dann werden die Wünsche von Anfang an kalkuliert und der Bauherr erlebt keine bösen Überraschungen. Und wenn statt des „silbernen“ Wasserhahns dann doch ein „goldener“ Wasserhahn installiert werden soll, dann gibt es ein nachträgliches Angebot, über das sich der Bauherr Gedanken machen kann. Weil ein Bauherr in der Regel nur einmal im Leben baut, wollen wir, dass all seine Wünsche Berücksichtigung finden. Der von uns errechnete Festpreis für das Architektenhaus ist dann der Schlüsselfertigpreis. Kunden erzählen uns oft: Unser Architektenhaus zum Festpreis ist preiswerter als ein Typenhaus mit Sonderausstattungen.

Bauratgeber Deutschland:
Wer zählt denn zu den Kunden von KOSIMA-Haus?

Peter Henn:
Das sind in erster Linie Menschen, die voll berufstätig sind, aus dem Mittelstand stammen. Von der Finanzbeamtin bis zum Arzt. Meist sind es auch Menschen, die keine Zeit oder Lust haben, sich mit dem Hausbau zu beschäftigen, sehr wohl aber konkrete Ansprüche an ihr neues Heim artikulieren. Es sind Menschen, die Wert auf gute Bauqualität legen und lieber ein paar Euro mehr ausgeben, als nach zehn Jahren schon wieder in das Haus zu investieren.

Bauratgeber Deutschland:
Welches Massivhaus ist denn das außergewöhnlichste Wohngebäude, das Sie jemals entworfen haben?

Peter Henn:
Ach wissen Sie, eigentlich ist jedes der inzwischen mehr als 150 gebauten Häuser ein Unikat. In Hessen haben wir gerade ein Haus in einen acht Meter Hang gebaut, bei Leipzig schufen wir ein halbrundes Haus. Schon vor über zehn Jahren gab es das erste KOSIMA-Haus mit einem Flachdach, bei dem das Obergeschoss drei Meter ohne Stützen herausragte. Seit damals haben wir den „Bauhausstil“ in die Planung aufgenommen. Am Anfang wurden wir dafür belächelt. Heute hat fast jeder Hausanbieter zumindest eine Visualisierung von einem Haus im Bauhausstil auf seiner Internetseite.

Bauratgeber Deutschland:
Architekten neigen oft dazu, sich in Bauwerken zu verewigen.

Peter Henn:
Mein Credo ist: Ich bin nicht auf dem Egotrip. Ich möchte eine ordentliche professionelle Arbeit leisten. Wir bauen schließlich für die Bauherren, die sich in ihrem Haus wohlfühlen sollen und nicht für uns Architekten. Darum: Jedes Haus orientiert sich zunächst an den Ansprüchen der Bauherren!

Bauratgeber Deutschland:
Sie sind regelmäßig Aussteller auf der Berliner Hausbaumessen. Sie persönlich wollen wieder dabei sein. Warum?

Peter Henn:
Weil mir der Kontakt zu den Kunden unheimlich Spaß macht. Ich spüre sehr schnell, ob die Chemie zwischen einem Interessenten und uns stimmt und ich sage auch schon mal, dass ein Interessent beim Typenhaus-Hersteller womöglich besser aufgehoben ist. Wir sind auf ein partnerschaftliches Verhältnis mit unseren Kunden aus, das Ehrlichkeit erfordert.

Herr Henn, wir danken Ihnen für das Gespräch.

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