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1998 war die Gasag das erste Unternehmen, das eine Kooperationsvereinbarung mit dem Land Berlin zum Klima und Umweltschutz für Berlin geschlossen hat. Bis 2010 wurden durch die Aktivitäten der Gasag und ihren Partnern bereits über 1,11 Millionen Tonnen CO2 eingespart. Um diesen Weg erfolgreich weiter zu gehen,
setzt die Gasag bewusst auf die Produktion und den Einsatz erneuerbarer Energien.

Die Redaktion des Bauratgeber-Deutschland.de sprach darüber mit Dr. Bruch, dem Abteilungsleiter Umwelt und Technologie der Gasag:

Bauratgeber Deutschland:
Energie künftig nur noch aus erneuerbaren Quellen zu beziehen ist ein Kernziel der Energiewende. Wie agiert die Gasag auf diesem Gebiet?

Dr. Bruch: Mit dem Einsatz innovativer Techniken für die Strom- und Wärmeversorgung zum  Biomasse, Sonnenkraft oder mit Wärmepumpen bringen wir diese Entwicklung voran. Im Mittelpunkt steht dabei die Kombination von Erdgas mit erneuerbaren Energien. Projekte mit Windkraft sind in der Planung. Wir investieren also in eine umweltschonende dezentrale Energieversorgung mit erneuerbaren Energien. Das ist Bestandteil der Klimaschutzvereinbarung mit dem Land Berlin. Unser Ziel ist es, die CO2-Emissionen bis zum Jahr 2020 um 2 Mio. Tonnen zu senken.

Bauratgeber Deutschland: Bio-Erdgas spielt dabei eine wichtige Rolle?

Dr. Bruch: Bio-Erdgas aus nachwachsenden Rohstoffen hat die gleichen Eigenschaften wie fossiles Erdgas: Es eignet sich hervorragend als Brennstoff für Erdgas-Heizungen, als Kraftstoff für Erdgas-Fahrzeuge oder zur Strom- und Wärmeerzeugung in Erdgaskraftwerken. Es ist eine erneuerbare Energie mit Zukunftsperspektive. Wir sind deshalb in Produktion, Handel und Vertrieb von Bio-Erdgas aktiv – und achten darauf, dass der Anbau und die Verwendung der nachwachsenden Rohstoffe die Kriterien der Nachhaltigkeit erfüllen.

Bauratgeber Deutschland: Das bedeutet, die Gasag ist Produzent von Bio-Erdgas?

Dr. Bruch: In der Bio-Erdgas-Strategie des GASAG-Konzerns haben wir uns zum Ziel gesetzt, gemeinsam mit unseren Tochterunternehmen Anlagen zur Bio-Erdgas-Erzeugung im Raum Berlin/Brandenburg zu errichten. Bereits seit drei Jahren arbeitet die Bio-Erdgas-Anlage im brandenburgischen Rathenow. Seit November 2011 werden in Schwedt rund 60 Mio. kWh/a Bio-Erdgas produziert – ausreichend zur Heizungs- und Warmwasserversorgung von 3.000 Einfamilienhäusern. Eine weitere Bio-Erdgasanlage ist in Neudorf vor Kurzem in Betrieb gegangen.

Bauratgeber Deutschland: Also erneuerbare Energie aus regionaler Landwirtschaft und nachwachsenden Rohstoffen?

Dr. Bruch: In Rathenow werden jährlich rund 40.000 Tonnen Energiepflanzen, der Vergärungsprozess basiert auf Silagen aus nachwachsenden Rohstoffen wie Mais, Roggen oder Gras – vergoren und zu Bio-Erdgas veredelt. Die Rohstoffe stammen aus der Region. Die Jahresproduktion der Anlage von rund 45 Millionen Kilowattstunden Bio-Erdgas erspart der Umwelt jährlich mehr als 10.000 Tonnen CO2.

Bauratgeber Deutschland: Das entstandenen Bio-Erdgas wird dann dem herkömmlichen Erdgas beigemischt?

Dr. Bruch: Genau, beim GASAG-Bio10 sind dem herkömmlichen Erdgas zehn Prozent reines Bio- Erdgas aus regenerativen Rohstoffen beigemischt. So sparen Sie zum Beispiel bei einem Jahresverbrauch von 20.000 kWh jährlich bis zu 0,5 Tonnen CO2. Und das Beste: Sie brauchen Ihre Heizung für GASAG-Bio10 nicht umzurüsten. Damit kann jeder einen Beitrag zum Klimaschutz leisten. Auch wir setzen auf Bio-Erdgas: In unserem neuen Unternehmenssitz am Hackeschen Markt in Berlin-Mitte zur Erzeugung von Wärme und Kälte.

Bauratgeber Deutschland: Ein Teil des Bioproduktes wird auch für die Mobilität verwendet?

Dr. Bruch: Ja, mehr als die Hälfte des in Rathenow produzierten und ins öffentliche Leitungsnetz eingespeisten Bio-Erdgases wird an Erdgastankstellen der Gasag in der Hauptstadt sowie der EMB in Brandenburg geliefert. Durch die Beimischung von 20 Prozent Bio-Erdgas, wird der CO2-Ausstoß von Erdgas-Fahrzeugen nochmals gesenkt – und Erdgas-Mobilität noch umweltschonender. Das in Rathenow produzierte Bio-Erdgas wird aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellt, die in der Region angebaut werden.

Bauratgeber Deutschland: Wird das Bio-Erdgas der Gasag schon in größeren Berliner Projekten angewendet?

Dr. Bruch: Das in Schwedt aus nachwachsenden Rohstoffen produzierte Bio-Erdgas ist insbesondere für den Berliner Markt bestimmt. Es wird in das öffentliche Gasnetz eingespeist und kann GASAG-Privatkunden und Erdgas-Tankstellen genauso wie die Berliner Wohnungswirtschaft versorgen, z. B. will die Gasag das Bio-Erdgas aus Schwedt in einem gemeinsamen Projekt mit der Berliner Wohnungsbaugesellschaft degewo einsetzen. Eine Anlage mit 2.410 Wohnungen in der Waldsassener Straße im Berliner Stadtteil Marienfelde wird bald mit umweltfreundlicher Wärme und umweltfreundlichem Strom aus einem „GASAG-Klimakraftwerk“ versorgt. Betrieben wird eine Kraft-Wärme-Kopplungs- Anlage mit Bio-Erdgas.

Bauratgeber Deutschland: Warum sollten die Berliner das GASAG Bio-Erdgas nutzen?

Dr. Bruch: Bio-Erdgas kann wesentliche Beiträge zum Klimaschutz leisten, denn bei seiner Verbrennung wird nur so viel cO2 freigesetzt, wie zuvor beim Wachstum der Energiepflanzen gebunden wurde. Wichtig sind aber auch umweltschonende Produktionsbedingungen. In puncto Emissionen ist die neue Bio-Erdgas-Anlage in Schwedt Richtungsweisend. So unterschreitet sie beispielsweise bei den Methangas-Emissionen die gesetzlichen Anforderungen, wie sie in der verschärften Fassung des Erneuerbaren Energiengesetzes 2012 vorgesehen sind.

Bauratgeber Deutschland: Dabei achtet die Gasag auch auf die Nachhaltigkeit?

Dr. Bruch: Die Nachhaltigkeit der Bio-Erdgas-Produktion ist für die Gasag zentral: Konkurrenzen zur Nahrungsproduktion sollen vermieden und Transportwege so kurz wie möglich gehalten werden, Arbeitsplätze und Investitionen sollen der Region zugutekommen. In Schwedt stammen die zur Biogas-Gewinnung verwendeten Stoffe aus der ortsansässigen Landwirtschaft. Verwendet werden Mais-, Gras- und Roggenganzpflanzensilage von Feldern in einem Umkreis von durchschnittlich 20 bis 25 Kilometern. Die Pflanzen werden speziell für die Bio-Erdgas-Produktion angebaut. Die Bio- Erdgas-Produktion ist auch ein Beispiel für eine abfallarme Kreislaufwirtschaft, denn die Reststoffe werden im Frühjahr als wertvoller Dünger wieder auf die Felder gebracht.

Bauratgeber Deutschland: Damit ist ein umweltschonender und wirtschaftsfördernder Kreislauf geschaffen worden, der den Berlinern und der Umwelt zugute kommt. Können Sie die Vorteile der GASAG Bio-Erdgasinitiative bitte noch einmal kurz zusammenfassen!

Dr. Bruch: Sehr gern. In Brandenburg schafft sie Arbeitsplätze und macht Landwirte zu Energiewirten. In Berlin kann die grüne Energie dann hocheffizient verwendet werden – für die Heizung, für warmes Wasser, für umweltschonende Erdgas-Mobilität oder auch zur gleichzeitigen Wärme- und Stromerzeugung in einem „GASAG-Klimakraftwerk“. Das alles macht Bio-Erdgas zu einem nachhaltigen Energieträger mit Perspektive. Wir brauchen auch keine neue Infrastruktur, um Bio-Erdgas flächendeckend verfügbar zu machen – dazu nutzen wir das bestehende Erdgas-Netz. Und besonders in Berlin, mit seinen vielen gasversorgten Mehrfamilienhäusern, hat Bio-Erdgas enorme Potenziale. Klimaschutzmaßnahmen werden viel kostengünstiger, weil Hausbesitzer zum Beispiel nicht in vollem Umfang in eine energetische Sanierung investieren müssen. Wir bieten unseren Kunden mit „GASAG-Bio10“ jetzt einen Tarif an, mit dem jeder auf einfache Weise zum Klimaschützer werden kann.

Bauratgeber Deutschland: Die Gasag bleibt, bei allen Erfolgen, auf dem Weg zu einer besseren CO2 Bilanz nicht stehen. Welche Themen bewegen den Berliner Energieversorger in naher Zukunft?

Dr. Bruch: Vom innovativen Charakter der Gasag zeugen unter anderem drei Themenkomplexe, mit denen wir uns aktuell beschäftigen: zum einen produzieren wir mit unseren Klimakraftwerken auf der Basis von Kraft-Wärme-Kopplung umweltverträglich Strom und Wärme zugleich, und zwar vor Ort bei den Verbrauchern. Ein zweites Thema ist die rasche Weiterentwicklung der Brennstoffzelle. Nicht zuletzt beschäftigt uns natürlich der Bereich Mobilität. Seit Jahren bereits engagiert sich die Gasag für Erdgas als umweltschonende Antriebsenergie. Aber auch hier blicken wir weiter nach vorn: in Richtung Wasserstoff.

Herr Dr. Bruch, wir danken Ihnen für das interessante Gespräch!

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