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Den Dachausbau richtig anzugehen, entscheidet über Erfolg oder Misserfolg.

Unterm Dach schlummern jede Menge Reserven. Viele Hauseigentümer wollen den reinen Stauraum im Dachgeschoss in einen gemütlichen Wohnbereich verwandeln. Wir befragen Dipl.-Ing. Andreas May, unabhängiger Bauherrenberater des Bauherren-Schutzbunds (BSB), zum Planen und Bauen unter dem Dach.

Herr May, Sie haben als Architekt und Bauherrenberater häufig mit dem Thema Dachausbau zu tun. Wie sollten Eigentümer vorgehen?
Schritt für Schritt! Planerisch und handwerklich betrachtet, ist Dachausbau zwar einfacher als oft angenommen. Doch drauflos werkeln ist keine gute Idee. Einige Fragen sollten unbedingt vor Beginn gestellt werden. Was brauche und was wünsche ich? Was ist erlaubt und notwendig? Und was ist technisch möglich?

Was heißt das im Detail?
Für die Planung ist es wichtig, zunächst die Bedürfnisse der künftigen Bewohner zu ergründen. Wie flexibel sind die neu zu schaffenden Räume an sich verändernde Situationen anpassbar? Welche Wohnträume lassen sich verwirklichen? Sollen „nur“ Familienmitglieder einziehen oder ist geplant zu vermieten? Eine attraktive Dachgeschosswohnung kann eine gute Investition sein, jedoch sollte das Projekt realistisch durchgerechnet werden und die Kostenschätzung Planung, Bau- und Baunebenkosten sowie Gebühren berücksichtigen. Zudem tut gut, wer Unvorhergesehenes einplant. Aufgrund des Eigenkapitals sind Finanzierungen zu prüfen.Vor der detaillierten Planung sind zudem Behörden- und Genehmigungsfragen zu klären. In einigen Bundesländern ist der Ausbau einzelner Dachräume genehmigungsfrei, für eine komplette Wohnung sind jedoch in der Regel Baugenehmigung und der Nachweis eines PKW-Stellplatzes notwendig. Erkundigen sollte man sich beim Bauamt oder auch beim Amt für Denkmalpflege nach Vorschriften, die unter anderem Dachneigungen und Firsthöhen im Bebauungsplan betreffen können. Zu schauen ist auch, ob Nachbarn zustimmen müssen. Ganz wichtig ist es, bei den Behörden nach Fördermitteln zu fragen. Auch einige Städte und Gemeinden fördern den Dachausbau, um ohne weiteren Aufwand für die Infrastruktur zusätzlichen Wohnraum entstehen zu lassen.

Und was ist technisch machbar?
Das klärt eine Bestandsprüfung. Am besten zieht man einen erfahrenen Architekten oder Bauingenieur zu Rate. Dachform und -neigung, die Tragfähigkeit der Konstruktion und ihre Beschaffenheit sind ausschlaggebend dafür, was gebaut werden kann. Flache Dächer unter 20 Grad Neigung eignen sich nicht als Wohnraum. Ist die Neigung dagegen größer als 50 Grad kann sogar eine zweite Wohnebene eingerichtet werden. Sind alle Bauteile trocken und ausreichend tragfähig? Liegen alle Versorgungsleitungen an oder lassen sie sich an die Anlagentechnik des Hauses anbinden? Erst mit dem Ist-Zustand ist das Planen möglich.

Wie wird aus der Idee ein Plan?
Vorhandenes sollte kreativ integriert werden. Für bestehende Dachgeschosse gibt es viele planerische Möglichkeiten. Die Konstruktion des Dachstuhls erlaubt meist großzügige Grundrisse mit freier Raumaufteilung. Abhängig von Dachform und Dachneigung lassen sich unterschiedliche Wohnflächen planen. Sinnvoll ist, weitsichtig und nachhaltig zu planen: Flexible Grundrisse können die Kosten für spätere Umbaumaßnahmen bei veränderten Lebenssituationen reduzieren, Hochwertige Materialien minimieren den Aufwand für die Instandhaltung. Energieeffiziente Maßnahmen schaffen ein behagliches Raumklima und optimieren die Nutzungskosten. Es ist unerlässlich, fachgerecht zu planen, und: dass alle am Ausbau Beteiligten zusammenwirken.

Welche Materialien sind die richtigen?
Mit leichten Konstruktionen, Holz, Leichtmetall oder Gipskarton lassen sich viele Ideen realisieren. Aber auch massive Bauteile aus Ziegel, Kalksandstein, Poren- oder Leichtbeton sind vorteilhaft, sofern es die Tragfähigkeit zulässt. Die Vielfalt ist groß, deshalb sollte man sich umfassend über die Produkteigenschaften informieren. Verwendet werden sollten ausschließlich zugelassene Materialien.

Auf welche Qualitätsschwerpunkte ist besonders zu achten?
Wesentlich sind Regen- und Windabdichtungen, besonders jedoch die Luftdichtheit. Dazu kommen Wärme- und Schalldämmung. Neben der Planung und Auswahl passender Materialien ist die fach- und sachgerechte Ausführung wichtig. Regelmäßige Qualitätskontrollen während des Bauablaufs und messtechnische Untersuchungen reduzieren das Mangelrisiko deutlich. Mit der formellen Abnahme der Handwerksleistungen wird die Schlussrechnung fällig und die Gewährleistung beginnt.Bei allen Kontrollen kann die Unterstützung durch einen Experten – beispielsweise durch die unabhängigen BSB-Bauherrenberater – helfen, Fehler zu vermeiden. Zwar muss aus rechtlicher Sicht ein mangelfreies Werk erstellt werden, das die vertraglich vereinbarten Eigenschaften aufweist. Doch bei den heute recht komplizierten Bauabläufen, bei der Material und Systemvielfalt ist das von Laien schwer zu beurteilen. Auf einen unabhängigen Berater sollte daher kein Bauherr verzichten.

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