Die Bauherrenberater und Vertrauensanwälte des Bauherren-Schutzbunds (BSB) stehen privaten Bauherren, Immobilienerwerbern und Wohneigentümern seit über 20 Jahren zur Seite. Die Fachanwälte, Architekten und Ingenieure beraten und unterstützen die Mitglieder der gemeinnützigen Verbraucherschutzorganisation in Vertragsfragen, in allen Phasen des Hausbaus, der Modernisierung und darüber hinaus.

Der gebürtige Lübecker Florian Becker ist seit anderthalb Jahren als Geschäftsführer für den BSB tätig. Mit ihm sprach Marcel Gäding.

Bauratgeber-Deutschland:
Herr Becker, mit welchen Anliegen wenden sich Bauherren an den Bauherren-Schutzbund?

Florian Becker:
Das hat sich gewandelt. Anfangs hat der Verein vor allem Nothilfe geleistet. Die Leute kamen, wenn meist fast alles zu spät war. Heute wendet sich die überwiegende Mehrzahl der Mitglieder an uns, bevor der Hausbau oder der Hauskauf beginnt. Den Grundstein für einen soliden und möglichst reibungslosen Bauablauf legt man eigentlich schon mit der Angebotsauswahl. Ein Großteil unserer Mitglieder kommt vor Vertragsschluss zu uns, nimmt die Vertragsprüfung in Anspruch und letztendlich auch die Baubegleitung.

Bauratgeber-Deutschland:
Warum macht es Sinn, sich beim Hausbau von Anfang an einen Experten zur Seite zu holen?
Florian Becker: Wenn man sich beispielsweise Verträge anschaut, stellt man fest, dass viele nicht unbedingt verbraucherfreundlich sind. Beispielsweise gibt es Verträge mit fehlerhaften und fehlenden Angaben oder Verträge, die so komplex sind, dass man als Laie schon mal den Überblick verlieren kann. Das private Bauen ist gesetzlich nicht vollständig durchgeregelt. Das Gegenteil ist der Fall. Wenn es dann zum Rechtsstreit kommt, dauert dies oft mehrere Jahre und kostet viel Geld. Kennt man hingegen die Risiken in einem Vertrag und schafft es noch das eine oder andere herausverhandeln, legt man die Basis dafür, solche Risiken zu minimieren.

Bauratgeber-Deutschland:
Da werden Sie doch sicherlich immer wieder mit Hausbaufirmen konfrontiert, die zu den schwarzen Schafen in der Branche zählen…

Florian Becker: Als Verbraucherschutzorganisation
agieren wir marktneutral. Wir raten nicht von speziellen Anbietern und Bauweisen ab. Aber: Der Bauherren-Schutzbund mahnt Unternehmen ab, die Klauseln verwenden, die verbraucherfeindlich sind und gegen gesetzliche Regeln verstoßen. In den vergangenen Jahren haben wir rund 400 Klauseln erfolgreich beanstandet. Die Abmahnungen führen dazu, dass die beanstandeten Klauseln nicht mehr in den Verträgen verwendet werden dürfen.

Bauratgeber-Deutschland:
Auf welche Fallstricke sollten Bauherren achten?

Florian Becker: Unsere Analysen von Bauverträgen zeigen, dass deutlich über 80 Prozent der Verträge keine oder nur unzureichende Sicherheitsleistungen für Bauherren vorsehen. 65 Prozent der Verträge enthalten keine Vertragsstrafen bei Bauzeitüberschreitungen. Und mehr als die Hälfte der Verträge enthalten keine Angaben zu Baubeginn, Bauzeit und Fertigstellung. Das kann den Verbraucher am Ende schwer treffen. Wenn er beispielsweise zum vereinbarten Termin seinen Mietvertrag kündigt und das Haus ist nicht fertig, dann hat er ein großes Problem.

Bauratgeber-Deutschland:
Ab welcher Phase sollte sich ein Bauherr an Sie wenden?

Florian Becker: Ein optimaler Zeitpunkt wäre bereits vor der Angebotsauswahl. Wichtig ist, dass der Bauherr oder der Käufer einer Immobilie sich im Vorfeld darüber klar wird, was er eigentlich will und braucht. Wir erleben es in der Beratung leider häufig, dass Bauherren oder Käufer sich nicht darüber klar sind, welche Anforderungen ihr Haus für sie eigentlich konkret erfüllen soll. Das macht es natürlich schwer, Angebote zu vergleichen.

Bauratgeber-Deutschland:
Lassen Sie uns das mal konkret in einigen Tipps für Bauherren oder Käufer münden.

Florian Becker: Mein erster Tipp: Man sollte sich genug Zeit nehmen. Dann ist es sinnvoll, zu Hause in Ruhe mit Blick auf die nächsten 20, 30 Jahre zu schauen, was ich benötige: Das fängt bei der Größe der Immobilie an und geht bis zur Frage, ob das eigene Heim von vornherein barrierearm gebaut werden soll. Auch die Infrastruktur im Umfeld ist wichtig. Ist dies erledigt, sollte man prüfen, ob die eigenen Vorstellungen auch zum verfügbaren Budget passen. Mit dem reinen Hausbau sollte man sein Budget nicht zu 98 Prozent verplanen, sondern man muss immer berücksichtigen, dass Baunebenkosten, Außenanlagen und Unerwartetes noch einiges an Geld verzehren. Erst dann sollte man sich Angebote anschauen und kritisch vergleichen.

Bauratgeber-Deutschland:
Was bietet der Bauherren-Schutzbund Bauherren oder Käufern?

Florian Becker: Wer im BSB Mitglied wird, zahlt einen geringen Mitgliedsbeitrag und hat Zugriff auf unser bundesweites Beratungsnetz. Bei uns ist sichergestellt, dass unabhängig und fachkompetent beraten wird. Vertrauensanwälte führen die baurechtliche Beratung durch. Sie sind Fachanwälte für Bau- und Architektenrecht. Die bautechnische Beratung erfolgt durch unsere Bauherrenberater, die alle Architekten und Ingenieure sind. Weiter bieten wir unseren Mitgliedern fundierte Verbraucherinformationen sowie ein internes Bauherrenforum, in dem sich Bauherren untereinander austauschen können. Im Rahmen unserer baubegleitenden Qualitätskontrolle kommen die Bauherrenberater zu den zentralen Bauabschnitten auf die Baustelle, überprüfen die Bauausführung und -qualität und weisen auf Mängel hin. Vorher können Mitglieder eine Vertragsprüfung durch unsere Vertrauensanwälte in Anspruch nehmen. Weitere Leistungen sind beispielsweise der Modernisierungscheck vor dem Kauf einer Gebrauchtimmobilie und der Instandhaltungscheck für Eigentümer, die schon einige Jahre in ihrem Haus leben. Auch erstellen unsere Bauherrenberater Gutachten und führen Energieberatungen durch. Bei Rechtstreitigkeiten helfen die Vertrauensanwälte.

Bauratgeber-Deutschland:
Welche Herausforderungen erwarten Sie für den Bauherren-Schutzbund?

Florian Becker: Wir werden in den nächsten Jahren noch stärker gefordert sein, die Interessen von privaten Bauherren in vielen Bereichen zu vertreten. Aktuell stehen beispielsweise erweiterte Verbraucherschutzregelungen im Bauvertragsrecht auf der politischen Agenda. Da wird es darauf ankommen, dass wir die Verbraucherinteressen aktiv vertreten und für eine schnelle Realisierung der neuen gesetzlichen Regelungen werben. Mit Blick auf das Baugeschehen stellen wir fest, dass das Bauen immer komplexer und anspruchsvoller wird und demzufolge die Mängelhäufigkeit steigt. Deshalb müssen wir unsere Bauherrenberater durch Fortbildungen immer auf dem aktuellen Stand der Technik halten und auch frühzeitig neue Trends und Themen erkennen.

Bauratgeber-Deutschland:
Was bedeutet Ihnen die neue Aufgabe beim Bauherren-Schutzbund persönlich?

Florian Becker: Der BSB hat sich über die letzten zwei Jahrzehnte zu einer bundesweit bedeutenden Verbraucherschutzorganisation entwickelt. Da liegt die Messlatte verständlicherweise schon recht hoch. Ich freue mich deshalb umso mehr, dass ich das Vertrauen des Gesamtvorstandes des BSB erhalten habe, die Geschicke des Vereins mit zu gestalten und zu lenken. Mein persönliches Ziel ist es natürlich, den bisher erfolgreichen Weg fortzusetzen und den Verein für die Zukunft zu stärken.

Florian Becker wurde 1977 geboren, studierte Politik, Soziologie und Wirtschaftswissenschaften. Er lebt seit dem Jahr 2000 in Berlin, ist verheiratet und Vater eines Kindes. Seine Freizeit widmet er der Architektur- und Landschaftsfotografie.


Florian Becker, Geschäftsführer
Bauherren-Schutzbund e.V.
Brückenstr. 6
10179 Berlin

Tel.: (030) 400 339 500
Fax: (030) 400 339 512
E-Mail: office(at)bsb-ev.de

Homepage des BSB e.V.

Haus des Jahres 2017

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