Der Bauherren-Schutzbund e.V. wurde 1995 gegründet, ist eine gemeinnützige Verbraucherschutzorganisation und bietet bundesweit Verbraucherberatung im Bau- und Immobilienbereich an. Der Verein ist Mitglied im Verbraucherzentrale Bundesverband e.V.. Er vertritt bauorientierte Verbraucherinteressen privater Bauherren, Immobilienkäufer und -verkäufer sowie von Wohneigentümern.

www.bauratgeber-deutschland.de: Auch in unsicheren Zeiten stehen die „eigenen vier Wände“ bei den Deutschen hoch im Kurs. Bei den Motiven zur Schaffung von Wohneigentum rangieren das Streben nach Sicherheit und Wertbeständigkeit sowie der Stellenwert der eigenen Immobilie als private Altersvorsorge ganz vorn. Welchen Hinweis geben Sie zukünftigen Bauherren zuallererst?
Rainer Huhle: Nicht unter Zeitdruck entscheiden! Der Bau des eigenen Hauses ist meistens die größte private Investition im Leben. Diese wird umso sicherer, je gründlicher man sie vorbereitet. Zeitdruck ist dabei der schlechteste Ratgeber. Es lohnt sich, selbst „Architekt“ zu spielen und konkrete Vorstellungen zum eigenen Haus zu erarbeiten.
www.bauratgeber-deutschland.de: Clevere Bauherren übergeben also potenziellen Baupartnern eine konkrete Beschreibung für das gewünschte Hausangebot?
Rainer Huhle: Ja, doch Vorsicht vor Mogelpackungen. Gerade für Hausangebote gilt: Billig ist nicht immer preiswert. Häufig zeigt sich, dass aus „Billigpreisen“ aus der Werbung nach gründlicher Prüfung teure Angebote werden, weil die Leistungen unvollständig sind. Was man wirklich für sein Geld bekommt findet man in der Bau- und Leistungsbeschreibung. Je konkreter Leistungsumfang, Art und Qualität der Baustoffe und Materialien sowie der Ausstattungsgrad beschrieben sind, umso geringer sind Vertrags- und Kostenrisiken.
www.bauratgeber-deutschland.de: Also gilt es, die Vertragspartner vor der Unterschrift genau unter die Lupe nehmen?
Rainer Huhle: Die Entscheidung, mit wem man baut, muss jeder Bauherr selbst treffen. Für die Wahl des geeigneten Baupartners ist es notwendig, sich ein konkretes Bild über seinen künftigen Vertragspartner zu verschaffen – über seine Seriosität, seine Fachkompetenz und seine wirtschaftliche Leistungsfähigkeit. Schon die Qualität des Hausangebots und der Beratung sagen viel über die Kompetenz des möglichen Baupartners aus. Der Bauherren-Schutzbund e.V. bietet seinen Vereinsmitgliedern einen Firmen-Check mit Wirtschaftsauskunft an.
www.bauratgeber-deutschland.de: Also gilt, Sicherheit geht vor. Bauen ohne Risiko gibt es nicht. Aber es gibt sicher zahlreiche Möglichkeiten, das Bauherrenrisiko zu mindern?
Rainer Huhle: Der Gesetzgeber verpflichtet alle Unternehmen, eine Sicherheit zu leisten für die rechtzeitige Realisierung des Bauvorhabens ohne wesentliche Mängel – und zwar in Höhe von fünf Prozent der Bruttovertragssumme bei der ersten Abschlagszahlung. Diese Sicherheit kann vom Verbraucher einbehalten werden oder der Unternehmer stellt alternativ eine Fertigstellungsbürgschaft bzw. Fertigstellungsgarantieversicherung aus.
www.bauratgeber-deutschland.de: Mit der Unterzeichnung des Bauvertrages gehen der Bauherr und der Unternehmer gegenseitig Verpflichtungen ein. Die Vertragsgestaltung ist so vielfältig wie die Vorstellungen privater Bauherren zum Hausbau. Woran kann sich der Bauherr orientieren?
Rainer Huhle: Von Vorteil ist, Vertragsangebote ohne Zeitdruck zu prüfen, sich Rechtsrat bei einem Anwalt seines Vertrauens zu holen und sich gründlich auf Vertragsverhandlungen vorzubereiten. Dabei sollte jeder Bauherr möglichst dafür sorgen, dass der Vertragsgegenstand eindeutig definiert ist, Vertragspreis und Festpreisgarantie verbindlich vereinbart sowie Baubeginn, Bauzeit und Fertigstellung terminlich fixiert werden.
Im Bauvertrag sollten die Abschlagszahlungen, die Sicherheitsleistungen für Fertigstellung und Gewährleistung ebenso vereinbart werden wie die förmliche Bauabnahme. Nicht zu vergessen, die Vereinbarung einer Vertragsstrafe bei schuldhafter Überschreitung der Bauzeit. Wir unterstützen ein faires Miteinander von Bauherr und Unternehmen.
www.bauratgeber-deutschland.de: Kosten fest im Griff behalten!
Rainer Huhle: Wer Risiken beim Hausbau vermeiden will braucht Kostensicherheit. Alles, was Geld kostet und Konsequenzen für die Planung hat, muss vor Abschluss des Bauvertrages geklärt werden. Wer die Kosten fest im Griff behalten will, benötigt eine solide Kostenplanung für Grundstück und Erwerb, ebenso wie die eigentlichen Baukosten, die Kosten für Außenanlagen, die Baunebenkosten und die Finanzierungskosten.
www.bauratgeber-deutschland.de: Auch die Finanzierung muss maßgeschneidert sein. Welches Vorgehen empfehlen Sie?
Rainer Huhle: Baugeld ist in Deutschland – bedingt durch niedrige Darlehenszinsen – noch immer günstig. Aber gerade in unsicheren Zeiten gilt: Wer ohne ausreichend Eigenkapital baut, hat auf Sand gebaut. Kreditraten müssen nachhaltigem Einkommen finanzierbar sein und sollten die bisherige Mietbelastung in der Regel nicht übersteigen. Es lohnt sich, Darlehensangebote verschiedener Kreditinstitute einzuholen und zu vergleichen.
www.bauratgeber-deutschland.de: Wer viel Geld investiert, braucht auch die Sicherheit, dass der Bauvertrag erfüllt und das Bauwerk mängelfrei in der vereinbarten Zeit zum vereinbarten Festpreis errichtet wird. Hier empfehlen Sie eine baubegleitende Qualitätskontrolle, die auch der Bauherren-Schutzbund e.V. anbietet.
Rainer Huhle: Der Bauherren-Schutzbund e.V. bietet bundesweit unabhängige Verbraucherberatung auf bautechnischem und baurechtlichem Gebiet an. Das Serviceangebot reicht von der Auswertung von Hausangeboten, der Vertragsprüfung und dem Firmen-Check, bis zur baubegleitenden Qualitätskontrolle und der Begleitung zur Bauabnahme.
www.bauratgeber-deutschland.de: Der Verein ist seit kurzem Mitglied im Verbraucherzentrale Bundesverband e.V.?
Rainer Huhle: Ja und darauf sind wir besonders stolz. Der BSB vertritt bauorientierte Verbraucherinteressen privater Bauherren, Immobilienkäufer und -verkäufer sowie von Wohneigentümern. Er leistet Hilfe beim Bauen, bei der Instandhaltung, Sanierung und Modernisierung von Wohneigentum, beim Haus-, Wohnungs- und Grundstückserwerb sowie bei der Veräußerung von Immobilieneigentum.
www.bauratgeber-deutschland.de: Wie viele Bauvorhaben betreut der Verein?
Rainer Huhle: Seit Gründung des Vereins wurden bereits zehntausend Bauvorhaben im Alt- und Neubau mit einem Bauvolumen von rund 1,60 Mrd. Euro erfolgreich betreut. Der Verein verfügt mit unabhängigen Bauherrenberatern, Vertrauensanwälten, Energieberatern und zahlreichen Spezialisten über das dichteste Beratungsnetz aller Verbraucherverbände. Große Resonanz findet das breite Angebot von Verbraucherinformationen und Ratgebern des BSB.
www.bauratgeber-deutschland.de: Wie kann der zukünftige Bauherr Ihre Leistungen in Anspruch nehmen?
Rainer Huhle: Beratungs- und Serviceleistungen werden im Rahmen einer Vereinsmitgliedschaft erbracht. Aufnahmegebühren und Mitgliedsbeiträge sind steuerlich absetzbar – der Verein stellt eine Spendenquittung aus. Beraterhonorare sind bundesweit einheitlich und preiswert. Die Zeitschrift „Finanztest“ attestiert dem BSB bei vergleichbaren Beratungsangeboten der Vertragsprüfung und der Baubegleitung einen hohen Qualitätsstandard bei einem besonders günstigen Preis-, Leistungsverhältnis.
Vielen Dank für das anregende Gespräch in Ihren Räumen in der Kleinen Alexanderstraße in Berlin!
Interview als Download (PDF)

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