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Bauen gehört nach wie vor zu den großen Abenteuern. Zehntausende investieren allein in Berlin und Umland jedes Jahr in Einfamilienhaus oder Eigentumswohnung. Die eigene Immobilie ist die größte Investition im Leben der meisten Menschen.

Bauratgeber-Deutschland im Gespräch mit Dipl.-Ing. Sandra Queißer, Bausachverständige und Leiterin des Regionalbüros Berlin beim Verband Privater Bauherren (VPB)

Bauratgeber-Deutschland:
Frau Queißer, wer heute baut und das im Freundeskreis erzählt, bekommt oft Horrorgeschichten zu hören von Mehrkosten, Bauzeitüberschreitungen und gerichtlichen Auseinandersetzungen. Ist Bauen tatsächlich so kompliziert geworden?

Sandra Queißer:
Jein… Natürlich ist der Bau eines Hauses eine hochkomplexe Aufgabe. Allein an den Kosten kann ja jeder schon die Bedeutung einschätzen. Aber der Bauprozess an sich ist nicht komplexer geworden. Wir haben nur gerade einen Boom mit entsprechendem Druck, der auf allen lastet. Wichtig ist es hier, den Überblick zu behalten und im Gespräch zu bleiben. Der Gang vor Gericht ist immer das allerletzte Mittel, wenn wirklich alles schief gegangen ist. Zur Lösung der täglichen Probleme ist Streit nicht nötig! Im Gegenteil: Unserer Erfahrung nach lässt sich mit etwas gutem Willen alles zufriedenstellend lösen. Das sehen wir eigentlich bei allen unseren Baustellenbegehungen.

Bauratgeber-Deutschland:
Wie genau unterstützen Sie private Bauherren und Wohnungskäufer? Was können die Bauherren von Ihnen erwarten?

Sandra Queißer:
Wir sind die fachlich geschulten Vermittler am Bau. Wir Sachverständigen sprechen sowohl die Sprache der Bauherren als auch die der Handwerker. Wir wissen, wie Bauherrenwünsche in technische Konstruktionen umgesetzt werden und wir können Laien bautechnische Details verständlich erläutern. Es ist ein regelmäßiges Vermitteln in beide Richtungen, mit dem Ziel, in der vorgesehenen Zeit und zum vereinbarten Preis eine mängelfreie Immobilie fertigzustellen. Das liegt in aller Interesse.

Bauratgeber-Deutschland:
Brauchen Bauherren heute mehr Erklärung?

Sandra Queißer:
Ja, denn neun von zehn Bauherren bauen schlüsselfertig. Das heißt, sie delegieren den Hausbau an eine Firma und verzichten dabei auf den eigenen freien Architekten als Sachwalter an ihrer Seite. Noch die Eltern unserer heutigen Bauherren haben selbstverständlich einen Architekten mit Planung und Bau beauftragt. Der hat sich dann auch von den ersten Skizzen übers Richtfest bis hin zum Einzug um wirklich alles gekümmert und wurde dafür entsprechend honoriert. Heute wählen die Bauherren auf Ausstellungen oder in Katalogen ein Musterhaus und lassen es – an eigene Wünsche angepasst – von einer Firma schlüsselfertig bauen.
Wer so baut, hat natürlich keinen eigenen Ratgeber mehr, keinen Sparringspartner, der einen durch den gesamten komplexen Bauprozess lotst und alle Fragen beantwortet. Außerdem fehlt beim Schlüsselfertigbau auch der Experte, der die Baustelle regelmäßig kontrolliert, damit Mängel rechtzeitig entdeckt und behoben werden. Die Firma kontrolliert sich vielmehr selbst. Das kann nicht wirklich klappen und ist nicht im Sinne der Bauherren.

Bauratgeber-Deutschland:
Und diese Baukontrollen übernehmen dann die VPB-Berater?

Sandra Queißer:
Ja, die laufende Bau- und Qualitätskontrolle auf der Baustelle ist eine unserer Hauptaufgaben. Genauso wichtig ist aber die technische Kontrolle des Bauvertrags. Der Bauvertrag steht ja ganz am Anfang. Im Bauvertrag müssen Bauherren und Baufirmen vereinbaren, was genau gebaut wird. Dort sollten dann auch alle Bauherrenwünsche einfließen. Alle, Wünsche, die später erst geäußert werden, sind schwer oder gar nicht mehr zu erfüllen und kosten in jedem Fall extra.

Bauratgeber-Deutschland:
Seit 1.1.2018 gibt es das neue Bauvertragsrecht. Das sollte doch eigentlich alles regeln, oder?

Sandra Queißer:
Nein. Das neue Bauvertragsrecht, das für alle Verbraucherbauverträge gilt, die seit dem 1.1.2018 geschlossen werden, bringt mehr Transparenz und den Verbrauchern mehr Rechte. Dazu gehört beispielsweise das Recht auf eine umfassende Baubeschreibung im Vorfeld der Vertragsverhandlungen. Dieses Recht bringt Bauherren aber nichts, wenn sie den Inhalt der Baubeschreibung nicht in allen Konsequenzen verstehen. Dann kann es eben passieren, dass sie einen Bauvertrag unterzeichnen, in dem nicht alle ihre Wünsche ausreichend berücksichtigt sind. Auch hier sind wir Mittler und Erklärer. Als Sachverständige können wir den Inhalt der Baubeschreibungen und Bauverträge technisch beurteilen, mit den Vorstellungen unserer Bauherren abgleichen.

Bauratgeber-Deutschland:
Das alles muss ja schon zu einem recht frühen Zeitpunkt geregelt werden. Ab wann können und sollten Bauherren zu Ihnen kommen?

Sandra Queißer:
Je früher desto besser, dann können wir unnötige Irrwege gleich vermeiden. Wir sind von den allerersten Überlegungen an für die Bauherren da und helfen ihnen dabei, ihre Vorstellungen in die richtigen Bahnen zu lenken.

Der Verband Privater Bauherren e.V. (VPB) ist der älteste Verbraucherschutzverband im Bereich des privaten Bauens. Im bundesweiten Netzwerk beraten unabhängige Experten Bauherren und Immobilienkäufer in allen Fragen des Bauens, Kaufens und Sanierens. Dabei vertritt der VPB die Interessen der privaten Bauherren gegenüber Politik, Wirtschaft, Verwaltung und Industrie.

Weitere Informationen:
Verband Privater Bauherren (VPB) e.V. Regionalbüro Berlin
Halberstädter Straße 7
10711 Berlin
Telefon: 0 30 / 7 11 41 35
Telefax: 0 30 / 76 72 23 92
E-Mail: berlin@vpb.de
Homepage VPB-Regionalbüro Berlin

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