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Auf einen Statiker kann man bei einem Hausbau nicht immer verzichten. Denn er kümmert sich darum, dass ein Neubau oder auch ein Haus nach einem Umbau den baustatischen Anforderungen standhält. Doch was macht ein Statiker im Einzelnen? Wann ist ein Statiker vorgeschrieben bzw. sinnvoll? Und was kostet ein Statiker?

Was macht ein Statiker beim Hausbau?

Der Statiker, oft auch Tragwerksplaner oder Bauingenieur genannt, übernimmt verschiedene Aufgaben bei der Planung eines Hauses. Wichtige Aufgaben des Statikers sind:

Tragfähigkeit ermitteln: Mithilfe verschiedener Berechnungsmethoden berechnet der Statiker die Tragfähigkeit des Gebäudes. Dazu zieht er die Kennwerte bestimmter Konstruktionen und Materialien heran.

Bodentragfähigkeit überprüfen: Der Statiker erstellt ein Bodengutachten, um die Tragfähigkeit des Bodens zu ermitteln.

Bauschäden begutachten: Treten an einem Gebäude Bauschäden auf, begutachtet der Statiker den Schaden, vor allem wenn der Schaden die Tragfähigkeit des Gebäudes beeinflussen könnte.

Ist ein Statiker vorgeschrieben?

Ob ein Statiker für einen Neubau herangezogen werden muss, hängt vom Bundesland ab. So muss laut Gesetz nur in einigen Bundesländern jeder Bauplan zunächst von einem Statiker begutachtet werden. Dabei ist in folgenden Bundesländern ein Statiker vorgeschrieben:

  • Berlin
  • Brandenburg
  • Hessen

Für die baustatische Begutachtung wird zudem meistens zusätzlich ein Bodengutachten mit herangezogen, weil die Bodenbeschaffenheit zur Tragfähigkeit des geplanten Gebäudes beiträgt.

Während in den anderen Bundesländern eine baustatische Begutachtung nicht zwingend erforderlich ist, müssen in den drei genannten Bundesländern die Prüfungen in einem genau vorgeschriebenen Umfang durchgeführt werden, der in den bautechnischen Prüfungsverordnungen festgeschrieben ist.

Folgende Aspekte werden im Rahmen des Statiker-Gutachtens in der Regel überprüft:

  • die allgemeinen Standsicherheit der Planung
  • die Erdgeschossdecke
  • die Dachkonstruktion
  • die Ausführungszeichnungen (z. B. Fundamentplan)
  • die Brandschutzausführungszeichnungen

Wann sollte man freiwillig einen Statiker hinzuziehen?

Auch in Bundesländern, in denen die statische Prüfung nicht vorgeschrieben wird, ist eine Begutachtung in manchen Fällen zu empfehlen. Denn für einen Bauherrn ist es durchaus wichtig, sich der Standsicherheit und Tragfähigkeit des eigenen Hauses zu versichern.

Neubau – Bodengutachten oft ausreichend

Handelt es sich um einen Neubau, den ein Architekt geplant hat, hat er die Statik immer im Blick, sodass eine weitere Statik-Prüfung überflüssig ist. Oft ist zumindest aber ein Bodengutachten sinnvoll, weil die Böden sich nicht nur auf die Tragfähigkeit des Hauses auswirken, sondern auch auf die Entscheidung, ob ein Keller anzuraten ist. Denn ist der Grundwasserspiegel zu hoch, kann von einem Kellerbau eher abgeraten werden.

Altbau – bei Schäden Statiker beauftragen

Geht es um einen Altbau, der sehr stark beschädigt ist, kann dies die Tragfähigkeit des Hauses beeinträchtigen. Dann ist vor dem Kauf oder vor Sanierungsarbeiten das Hinzuziehen eines Statikers dringend zu empfehlen, wobei in diesem Fall nur eine allgemeine Begutachtung erfolgen und kein ganzes baustatisches Gutachten erstellt werden muss. Bei folgenden Gebäudeschäden sollte ein Statiker hinzugezogen werden:

  • sichtbare Risse im Mauerwerk
  • starke Verschiebungen an den Wänden
  • Setzungen an den Wänden

Auch wenn bei einem Umbau Wände entfernt werden sollen o. Ä., sollte ein Statiker für die Planung hinzugezogen werden.

Was kostet ein Statiker?

Wie viel der Statiker für seine Leistungen berechnen darf, ist in der Honorarordnung für Architekten und Ingenieure (HOAI) geregelt. Zwar ermöglicht die Novelle der HOAI dem Statiker oft auch eine freie Honorarvereinbarung, aber es gibt immer noch Mindest- und Maximalhonorare in vielen Bereichen. Die Anwendung ist dabei gesetzlich bindend und eine Unterschreitung der HOAI-Sätze gesetzwidrig. Eine individuelle Honorarvereinbarung unter dem Mindestsatz als Pauschalangebot gilt als nicht zulässig, auch wenn das in der Realität oft genug vorkommt.

Leider ist die HOAI sehr unübersichtlich und für Laien die Abrechnung eines Statikers kaum überprüfbar. Grundlage für die Berechnung des Honorars sind die sogenannten „anrechenbaren Kosten“, die sich aus 55 % der Kosten der Baukonstruktionen und 10 % der Kosten der technischen Anlagen des Bauwerks zusammensetzen.

Unter die Kosten für Baukonstruktionen fallen folgende Kosten:

  • Baugrube
  • Gründung
  • Außenwände
  • Innenwände
  • Decken
  • Dächer
  • Baukonstruktive Einbauten
  • Sonstige Maßnahmen für Baukonstruktionen

Unter die Kosten für die technischen Anlagen fallen folgende Kosten:

  • Abwasser-, Wasser-, Gasanlagen
  • Wärmeversorgungsanlagen
  • Lufttechnische Anlagen
  • Starkstromanlagen
  • Fernmelde- und informationstechnische Anlagen
  • Förderanlagen
  • Nutzungsspezifische Anlagen
  • Gebäudeautomation
  • Sonstige Maßnahmen für Technische Anlagen

Dabei werden die Kosten für die Einzelposten zusammengerechnet und dann 55 % der Gesamtosten für die Baukonstruktionen und 10 % der Gesamtkosten für die technischen Anlagen als „anrechenbare Kosten“ festgelegt. Daraus können dann die Honorarkosten berechnet werden, wobei der Preis für ein baustatisches Gutachten immer zwischen einem festgelegten Mindest- und einem Maximalwert liegen muss. Bei Leistungen im Bestand (Umbauten oder Modernisierungen) wird darüber hinaus noch ein Zuschlag berechnet.

Wichtig bei der Honorarberechnung sind zudem die sogenannten Honorarzonen. Sie richten sich nach dem ungefähren Schwierigkeitsgrad der Planung. So sind die statischen Anforderungen an ein Gebäude mit Balkon größer, als wenn das Haus keinen Balkon hätte. Folgende Honorarzonen legt die HOAI fest:

  • Honorarzone 1: sehr geringe Anforderungen
  • Honorarzone 2: gering Anforderungen
  • Honorarzone 3: durchschnittliche Anforderungen
  • Honorarzone 4: überdurchschnittliche Anforderungen
  • Honorarzone 5: sehr hohe Anforderungen

Kurzum: Die Kosten für den Statiker kann man sich als Laie kaum selbst ausrechnen. Aber aufgrund des Mindest- und des Maximalhonorars als Spielraum ist es immer sinnvoll, sich von mehreren Bauingenieuren bzw. Tragwerkplanern Angebote einzuholen, da die Kosten von Statiker zu Statiker auch im Rahmen der HOAI durchaus um mehrere Hundert Euro variieren können.

Gut zu wissen: Die Kosten für den Statiker sind steuerlich als außergewöhnliche Belastung absetzbar, wenn der Bauherr nachweist, dass die Überprüfung als Vorsorgemaßnahme durchgeführt wurde.

Fazit:
Ein Statiker kümmert sich unter anderem um die Tragfähigkeit eines Gebäudes. Zwar ist das Hinzuziehen eines Statikers nur in Berlin, Brandenburg und Hessen vorgeschrieben, aber auch in den anderen Bundesländern ist es in vielen Fällen empfehlenswert, einen Baustatiker zu beauftragen, z. B. wenn man sich für einen Altbau mit Schäden interessiert oder komplizierte Umbauten plant. Die Kosten für einen Statiker werden nach der Honorarordnung für Architekten und Ingenieure berechnet. Sie werden aufgrund der sogenannten „anrechenbaren Kosten“ ermittelt, die sich aus 55 % der Kosten der Baukonstruktionen und 10 % der Kosten der technischen Anlagen zusammensetzen. Zusätzlich spiel die Honorarzone eine Rolle, die sich nach dem Schwierigkeitsgrad der Planung richtet. Für das Honorar gibt die HOAI dann einen Mindest- und einen Maximalwert für das Honorar. Für Laien ist das Honorar für den Statiker deshalb kaum selbst zu berechnen. Deshalb sollte man sich immer mehrere Angebote einholen, da der Preis aufgrund der Spanne zwischen Mindest- und Maximalhonorar um mehrere Hundert Euro variieren kann.

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Über den Autor

Unser Autor Martin Kirschner ist Leiter des Ytong Bauherrenberatungszentrums für Berlin und Brandenburg in Berlin Schöneberg.

Der gelernte Baustoffkaufmann ist seit 2002 in der Immobilienbranche tätig und hat weit über 1200 Bauherren rund um Ihre Hausplanung und den Hausbau beraten.

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