Haus des Jahres 2018

Bodenplatte und Fundament – alles was man wissen muss

Die Bodenplatte stellt den Übergang zwischen Boden und Gebäude dar. Dabei kann zwischen nicht tragenden Kellerbodenplatten und Fundamentplatten unterschieden werden, die bei Gebäuden ohne Keller zum Einsatz kommen und deshalb eine tragende Rolle bei der Statik spielen. Wird im allgemeinen Sprachgebrauch von Bodenplatte gesprochen, ist fast immer die Fundamentplatte gemeint – wie auch in diesem Artikel.

Im Gegensatz zur nicht tragenden Kellerplatte muss die tragende Bodenplatte besonders stabil sein, denn sie verteilt das gesamte Gewicht des Bauwerks gleichmäßig auf den Boden, wodurch sie Bodenverformungen vermeidet und dadurch Risse im Gebäude verhindert. Zudem schützt eine stabile Bodenplatte als Fundament das Haus vor Eigenbewegungen des Bodens, die z. B. durch Kälte und Wärme entstehen können. Ohne Fundamentplatte könnte große Hitze etwa dafür sorgen, dass der Boden stark austrocknet und am Gebäude Schrumpfrisse entstehen. Der Bodenplatte kommt also beim Hausbau eine wichtige Bedeutung zu. Umso wichtiger ist es, sich mit dem Thema genau auseinanderzusetzen. Dieser Artikel klärt über die verschiedenen Aspekte von Fundament und Bodenplatte auf.

Gründung und Fundament – was ist das?

Die Grundlage für ein Gebäude ist immer ein Fundament, das auch Gründung genannt wird. Gründungen bzw. Fundamente haben dabei eine wichtige statische Aufgabe. Denn sie müssen die anfallenden Lasten, z. B. das Eigengewicht des Gebäudes oder das Gewicht von Schnee auf dem Dach, optimal auf den Boden übertragen und dort gleichmäßig verteilen.

Allgemein wird in Tiefgründungen und Flachgründungen unterschieden: Bei den sogenannten Tiefgründungen werden die Lasten über Pfähle in den Boden abgeleitet, wobei die Pfähle früher aus Holz bestanden und heute aus Stahlbeton. Für Wohnhäuser finden in der Regel Flachgründungen Verwendung, die wiederum als Streifenfundament, Einzelfundament oder Fundamentplatte realisiert werden können.

Streifenfundament: Ein Streifenfundament ist ein schmales, langgezogenes Fundament, das die Linienlasten in den Untergrund ableitet. Früher wurde es oft aus Ziegeln oder Natursteinen gebaut, heute kommt meistens Beton zum Einsatz. Deshalb gilt das Streifenfundament als besonders einfache und kostengünstige Fundamentlösung. Auf dem Streifenfundament wird dann eine dünne, statisch nicht tragende Kellerbodenplatte aufgebracht oder die Wände werden darauf errichtet, wobei das Fundament dann breiter als die Mauer ausgeführt wird, um die Lasten besser zu verteilen.

Einzelfundamente: Die sogenannten Einzelfundamente werden dann eingesetzt, wenn Stützen die tragenden Bauteile sind und es eher zu punktartigen Belastungen kommt. Das ist meistens bei Hallenbauten der Fall. Dabei ist der Grundriss eines Einzelfundaments in der Regel quadratisch oder rechteckig.

Plattengründung: Jetzt kommen wir zur Bodenplatte. Denn ist die gesamte Grundrissfläche als Fundament vorgesehen, wird von einer Plattengründung gesprochen. Sie gleicht Verformungsunterschiede optimal aus und vermindert damit Setzungen und Risse, wie sie bei Einzelfundamenten durchaus vorkommen können. In der heutigen Zeit entscheiden sich immer mehr Bauherren für eine Plattengründung mit Fundamentplatte, im allgemeinen Sprachgebrauch kurz auch einfach nur Bodenplatte genannt. Sie kommt zum Einsatz, wenn bei einem Fertighaus oder Massivhaus auf eine Unterkellerung verzichtet wird. Die Bodenplatte verteilt die Last des Gebäudes gleichmäßig auf dem Boden und bildet damit die stabile Basis des Hauses.

Wie muss eine Bodenplatte aufgebaut sein?

Wie bereits erwähnt, hat die Fundamentplatte eine wichtige Funktion für die Statik eines Hauses. Dabei kommt es vor allem auf den richtigen Aufbau an, wobei es Mindesttiefen für verschiedene klimatische Bedingungen gibt.

Mindesttiefen für Bodenplatte

  • Mindesttiefe 80 cm bei mildem Klima
  • Mindesttiefe 150 cm bei sehr kalten Wintern

Nach dem Aushub wird direkt auf die Grubensohle die sogenannte Sauberkeitsschicht aufgebracht. Sie besteht in der Regel aus Kies oder Magerbeton und sollte mindestens 5 cm dick sein.

Um ein Eindringen von Nässe zu verhindern, werden zusätzlich oft diffusionsdichte Folien aus Polyethylen (PE) oder Polyvinylchlorid (PVC) eingesetzt. Auf die Sauberkeitsschicht wird dann das Fundament gegossen.

Zu guter Letzt braucht eine Bodenplatte noch eine gute Wärmedämmung. Dabei kann die Wärmedämmung entweder unter oder über der Fundamentplatte angebracht werden. Je nach Lage der Wärmedämmung kommen dabei unterschiedliche Materialien infrage.

Wärmedämmung über der Bodenplatte

  • Schaumglas
  • Polyurethanschaum
  • Polystyrol

Wärmedämmung unter der Bodenplatte

  • Polysterolschaum
  • Mineralfaserdämmung

Thermobodenplatten für Energiesparhäuser

Gerade wenn ein Haus keinen Keller hat, muss das Augenmerk auf eine besonders gute Dämmung der Fundamentplatte gelegt werden – vor allem, wenn man sich ein Energiesparhaus oder gar ein Passivhaus wünscht. In diesem Fall lohnt sich ein Blick auf Thermobodenplatten. Sie verfügen über eine integrierte Flächenheizung, sodass die Fundamentbetonplatte nicht nur wärmegedämmt ist, sondern sogar Wärme abgeben kann.

Für eine Thermobodenplatten wird zunächst eine kapillarbrechende Schotterschicht auf den Grund aufgebracht, damit sich bei Frost- und Tauwechsel unterhalb der Dämmschicht keine Bewegungen im Boden ergeben. Zudem werden häufig zwei Lagen Hartschaum aufgebracht, um das Aufsteigen von Feuchtigkeit und Kälte zu verhindern. Dabei ist darauf zu achten, dass die Wärmedämmung gerade bei einer Thermobodenplatte auch die Seiten gut umschließt, damit es keine Wärmebrücken gibt. Die Flächenheizung der Thermobodenplatte sollte zudem möglichst auf Niedrigtemperaturbasis arbeiten und es sollte für jeden Raum einen eigenen Heizkreis geben, um die Raumtemperaturen individuell regeln zu können.

Insgesamt gibt es viele Punkte, die für eine Thermobodenplatte sprechen:

  • Aufgrund der Flächenheizung ist kein nachträglich aufzubringender Heizestrich nötig.
  • Abwasser- und Frischwasserleitungen sind bereits in der Thermoplatte eingelassen und befinden sich direkt auf der Dämmung und im Beton.
  • Der isolierte Betonkörper wirkt als Energiespeicher und strahlt Wärme ins Haus ab.
  • Für den Fußboden können Oberflächentemperaturen von 18–24 °C erreicht werden.
  • Es sind U-Werte von 0,17 und sogar von 0,10 möglich.

Wie viel kostet eine Bodenplatte?

Wie viel eine Bodenplatte tatsächlich kostet, hängt von vielen verschiedenen Faktoren ab, weshalb sich diese Frage nicht pauschal beantworten lässt. Für einen ersten Anhaltspunkt werden nachfolgend Schätzwerte genannt, die aber nicht auf jedes andere Bauprojekt übertragen werden können.

Geschätzte Durchschnittskosten als Anhaltspunkt:

  • Fundamentplatte (20 cm dick): geschätzt ca. 70–100 € pro qm
  • Thermobodenplatte inklusive Fußbodenheizung: geschätzt ca. 135–150 € pro qm

Für ein kellerloses Massivhaus mit einer Grundfläche von 100 qm kostet eine Fundamentplatte also geschätzt rund 7.000–10.000 € und eine Thermoplatte geschätzt rund 13.500–15.000 €. Kommen bei einer einfachen Bodenplatte der Heizstrich und die Wärmedämmung dazu, fällt die Kostenersparnis gegenüber der Thermobodenplatte schon geringer aus. Eine einfache Unterkellerung eines entsprechenden Hauses würde hingegen geschätzt rund 30.000 € kosten, allerdings ohne Fußbodenheizung in der Kellerdecke. Es ist also ganz wichtig, nicht nur die Kellerkosten mit den Bodenplattenkosten zu vergleichen, sondern beide Bauvarianten bis zum Ende durchzurechnen bzw. sich vom Hausanbieter vorrechnen zu lassen, um einen echten Preisvergleich durchführen zu können.

Vorteile einer Bodenplatte

Ein Haus ohne Keller und nur mit Fundamentbetonplatte zu bauen, hat viele Vorteile. An erster Stelle ist die Kostenersparnis zu nennen, denn selbst eine Thermobodenplatte mit integrierter Fußbodenheizung ist deutlich günstiger als ein Kellerbau. Vor allem bei hohem Grundwasserspiegel ist eine Bodenplatte einem Keller vorzuziehen, weil das Grundwasser gegen die Kellerwände drücken würde, sodass ein Kellerbau mit weißer Wanne nötig wäre, die teurer ist als ein herkömmlicher Keller und trotzdem nicht immer gegen das Grundwasser ausreicht.

Gerade bei Hochwasser hat man dann leicht vollgelaufene Keller, sodass man den Keller gar nicht richtig nutzen kann. Bei einem Haus mit gut gedämmter Bodenplatte und ohne Keller hat man weniger mit Feuchtigkeit und Schimmel zu kämpfen. Ein weiterer Vorteil einer Betonplatte ist, dass sie das Gewicht des Hauses besonders gleichmäßig auf den Baugrund verteilt, sodass es seltener zu Rissbildungen im Gebäude kommt.

Bei einer Thermobodenplatte kommt hinzu, dass die integrierte Fußbodenheizung für angenehme Wärme sorgt und kein zusätzlicher Heizestrich und kein Ein- und Ausschalen der Bodenplatte notwendig sind, wodurch die Kosten im erträglichen Rahmen bleiben.

Vorteile einer Bodenplatte/Fundamentplatte

  • Einfacher Aushub und ebene Baugrubensohle
  • Gerade Arbeitsfläche zum Errichten der Wände
  • Kein Feuchtigkeitseintritt durch das Grundwasser
  • Keine Probleme mit Schimmelpilzen wie bei Kellerbauten
  • Günstiger als eine Unterkellerung
  • Gleichmäßige Verteilung des Gebäudegewichts auf den Boden
  • Verhinderung von Eigenbewegungen des Bodens
  • Kein Heizstrich bei der Thermobodenplatte notwendig
  • Aufwändiges Ein- und Ausschalen der Thermobodenplatte kann entfallen

Nachteile einer Bodenplatte

Auf der anderen Seite hat ein Haus mit einfacher Bodenplatte und ohne Keller aber auch einige Nachteile. Zuerst ist eine bessere Betonqualität notwendig, wenn man sich für eine stabile Fundamentplatte entscheidet. Zudem ist die Dämmung einer Fundamentbetonplatte oft kostspieliger als die Dämmung eines Kellers, was man bei der Budgetplanung nicht vergessen darf. Darüber hinaus bietet ein Keller viel Abstellfläche und Stauraum im Haus, wohingegen ein Eigenheim ohne Keller größer gebaut werden, um die gleiche Nutzfläche zu erhalten, was die Baukosten für ein Haus mit Bodenplatte wiederum in die Höhe treibt.

Zu guter Letzt sollte noch erwähnt werden, dass ein Keller den Marktwert eines Hauses steigert, sodass ein Haus nur mit Bodenplatte in der Regel einen schlechteren Preis auf dem Markt erzielt als ein vergleichbares Eigenheim mit Keller.

Nachteile einer Bodenplatte/Fundamentplatte

  • Bessere Betonqualität notwendig
  • Wärmedämmung der Bodenplatte teurer als Kellerdämmung
  • Für mehr Stauraum muss Haus größer gebaut werden
  • Häuser ohne Keller haben schlechteren Wiederverkaufswert

Fazit:
Ein Haus nur mit Fundamentbetonplatte statt mit Keller zu bauen, hat viele Vorteile, aber auch einige Nachteile, die gegeneinander abgewogen werden müssen.

Wer gerne kostengünstig bauen möchte, sollte über ein Haus mit Bodenplatte nachdenken, wobei die Kostenersparnis am größten ist, wenn es sich um eine einfache Fundamentplatte und nicht um eine komfortable Thermobodenplatte mit integrierter Fußbodenheizung handelt. Dann muss allerdings gut auf die Wärmedämmung der einfachen Bodenplatte geachtet werden, denn sonst ist der Wärmeverlust groß, die Heizkosten steigen an und die eingesparten Kosten ist man durch die höheren Heizkosten schnell wieder aufgebraucht.

Nicht vergessen werden darf hingegen, dass ein Keller viel Abstellfläche bietet und dass ein Haus nur mit Fundamentbetonplatte eventuell größer geplant werden muss, um genug Stauraum und Platz für die Heizungsanlage im Gebäude zu schaffen. Das treibt die Baukosten in die Höhe und es ist die Frage, ob man letztendlich wirklich mit einer Betonplatte sparen kann.

Am besten lässt sich von einer Hausbaufirma beide Varianten einmal durchrechnen, bevor man eine Entscheidung für oder gegen ein Haus mit Bodenplatte trifft.

Liegt allerdings der Grundwasserspiegel auf Ihrem Baugrundstück hoch, spricht das für ein Haus mit Fundamentbetonplatte statt mit Keller. Denn bei hohem Grundwasser werden Keller leicht überschwemmt und es kommt oft zu Schimmelbildung. Sollte man den Grundwasserspiegelstand nicht kennen, kann ein Baugutachten in Auftrag gegeben werden, um den Grundwasserspiegel zu überprüfen, bevor man eine Entscheidung trifft.

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Über den Autor

Unser Autor Martin Kirschner ist Leiter des Ytong Bauherrenberatungszentrums für Berlin und Brandenburg in Berlin Schöneberg.

Der gelernte Baustoffkaufmann ist seit 2002 in der Immobilienbranche tätig und hat weit über 1200 Bauherren rund um Ihre Hausplanung und den Hausbau beraten.

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