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Klinkersteine – robust und schön

Klinkersteine sind eine hervorragende Alternative zum Verputzen der Fassade. Dabei sind Klinkersteine einfach Ziegelsteine aus Ton, die bei besonders hohen Temperaturen gebrannt werden, weshalb Klinkersteine früher auch Hartbrandziegel genannt wurden. Die hohen Brenntemperaturen sorgen dafür, dass der Sinterprozess in Gang gesetzt wird und sich die Poren des Ziegelsteins schließen. Dabei versteht man unter Sintern den Schmelzvorgang, wenn bei besonders hohen Temperaturen die kristallinen Bestandteile eines Materials an der Oberfläche zusammenschmelzen. Durch das Verschmelzen schließen sich die Poren der Klinkersteine und sie bekommen einen dichten, glasigen Charakter. Durch die dichte Oberfläche nehmen Klinkersteine kaum Wasser auf und gelten als frostbeständig und besonders widerstandsfähig. Klinkersteine sind zudem sehr druckfest und haben eine gute Wärmespeicherfähigkeit. Aufgrund dieser Eigenschaften werden Klinker bereits seit Jahrhunderten zum Beispiel beim Brückenbau oder beim Wegebau als Pflaster-Klinkersteine eingesetzt und erfreuen sich auch im modernen Wohnungsbau immer noch größter Beliebtheit. Dabei wird das Mauerwerk aus Klinkersteinen nicht verputzt, sondern als schönes Sichtmauerwerk offen zur Schau gestellt.

Wie werden Klinkersteine hergestellt?

Klinkersteine sind das älteste von Menschenhand geschaffene Baumaterial. Bereits im Mittelalter wurden sie häufig zum Bau von Gebäuden eingesetzt und gaben unzähligen bekannten Bauwerken ihr typisches Aussehen. Im 19. Jahrhundert wurde schließlich auch die Verkleidung von Fassaden mit Verblendern oder Blendziegeln bekannt. Bis heute haben Klinkersteine nicht an Beliebtheit verloren, denn das Material bietet einige Vorzüge.

Klinkersteine bestehen wie andere Ziegel aus Schamotten, Feldspäten und Tonmaterialien und werden heutzutage zumeist automatisiert mithilfe von Produktionsmaschinen und industriellen Öfen hergestellt. Beim automatisierten Strangpressverfahren werden die Klinkersteine zunächst in Form gebracht. Danach werden sie getrocknet, wobei sich der Wassergehalt auf ungefähr 3 % reduziert, bei besonders guten Klinkersteinen sogar auf unter 2 %. Nach der Trocknungszeit werden die Klinkersteine bei ca. 1100–1300 °C gebrannt. So liegt die Temperatur deutlich höher als bei normalen Ziegelsteinen, die in der Regel nur bei 800–1000° C in den Ofen kommen.

Handgeformte Klinkersteine, auch Handstrichziegel genannt, gibt es heute nur noch selten. Zur traditionellen Herstellung von Handstrichziegeln wird Lehm in einen Kasten oder einen Formrahmen gepresst und das überstehende Material abgestrichen, sodass typische Quetschfalten entstehen. Handstrichziegel kommen heute eigentlich nur nochbei Restaurierungen und Sanierungen von denkmalgeschützten Gebäuden zum Einsatz.

In Deutschland sind Klinkersteine über die DIN 105 geregelt. Dabei werden unterschiedliche Formen unterschieden:

  • VollKlinkersteine (KMz) mit einer Dichte von ca. 2,1 kg/dm³
  • HochlochKlinkersteine (KHLz) mit einer Dichte von ca. 1,7 kg/dm³

Unterschied Klinker und Keramikklinker

Klinkersteine gibt es als Klinker und als Keramikklinker, für die es unterschiedliche Werte bezüglich der Scherbenrohdichte und der Druckfestigkeitsklasse gibt. Die Scherbenrohdichte gibt die Materialdichte des porösen Scherbens an, wobei der Dichte-Wert auf dem Volumen inklusive Porenräume gründet. Die Druckfestigkeitsklasse zeigt die zulässige Druckspannung von Mauerziegeln an, wobei die Druckfestigkeitsskala von 2 bis 60 geht.

Beim Klinker ist nur die Oberfläche gesintert, das heißt, nur die oberflächlichen Poren sind verschlossen. Klinkersteine nehmen durch die geschlossenporige Oberfläche im Gegensatz zu normalen Ziegeln nur bis zu 6 % Wasser auf, haben eine Scherbenrohdichte von mindestens 1,9 kg/dm3 und mindestens die Druckfestigkeitsklasse 28, wobei es sich um einen mittleren Wert handelt.

Beim Keramikklinker ist der ganze Ziegel gesintert, das heißt, der ganze Ziegel hat verschmolzene Poren. Keramikklinkersteine sind deshalb hochgradig frostbeständige und besonders widerstandsfähige Klinker, die zusätzlich säure-, laugen-, farb- und lichtbeständig sind. Sie dürfen wie normale Klinker ebenfalls nur 6 % Wasser aufnehmen, verfügen aber mindestens über eine Scherbenrohdichte von 2 kg/dm3 und gehören der derzeit höchsten Druckfestigkeitsklasse 60 an. Keramikklinker nehmen durch ihre besonders dichte Oberfläche nur wenig Schmutz auf, wodurch sie auch gut in hellen Farben verwendet werden können.

Vormauerziegel sollen der Vollständigkeit halber an dieser Stelle ebenfalls noch Erwähnung finden. Sie sind einfache gebrannte Ziegelsteine aus Ton oder Lehm, die eine bestimmte Frostbeständigkeit aufweisen müssen und für ein Sichtmauerwerk oder eine Verblendung Verwendung finden. Sie werden bei zweischaligen Wandkonstruktionen wie eine zweite Haut vor die normale Hauswand gemauert.

Für Außenwände, bei denen das Regenwassers bereits an der Wandoberfläche abgewiesen werden soll, sind Klinker oder gar Keramikklinker sehr zu empfehlen, da sie ein besonders niedriges Saugvermögen und deshalb besonders wenig Wasser aufnehmen. Für Außenwände, die diffusionsoffen bleiben sollen, sind offenporige Vormauerziegel besser geeignet.

Moderne Fassadendämmung mit Klinkersteinen

Die Fassade eines Gebäudes ist wie die Visitenkarte ihres Besitzers: Sie springt Besuchern als Erstes ins Auge. Wenn ein Haus in die Jahre gekommen ist und die Fassade durch Umwelteinflüsse und Witterungsbedingungen in Mitleidenschaft gezogen wurde, denkt so mancher Hausbesitzer über eine Fassadensanierung nach. Während früher oft nur die Risse ausgebessert und die Fassade einem neuen Anstrich unterzogen wurde, wird heute im Rahmen einer Fassadensanierung oft auch über eine neue Dämmung nachgedacht. Denn die schwindenden Ressourcen und steigenden Energiepreise haben es nötig gemacht, das eigene Haus besonders energieeffizient zu machen.

Eine gute Alternative zu anderen Fassadendämmungen ist die Verblendung mit Klinkersteinen, wobei eine Klinkerfassade deutlich teurer ist als eine Putzfassade, dafür aber auch langlebiger und pflegeleichter. Da Klinker aus natürlichen Materialien wie Ton, Lehm oder tonhaltigen Massen hergestellt werden, sind sie im Gegensatz zu vielen anderen Dämmmaterialien recycelbar. Durch ihren geringen Luftporenanteil verfügen sie aber nur über eine geringe Dämmwirkung, sodass eine Verblendung mit Klinker in der Regel für die heutigen Ansprüche nicht mehr ausreicht, sondern zunächst muss eine andere Dämmschicht auf die Fassade aufgebracht werden. Neben Verblendern kommen deshalb oft auch Riemchen oder Sparverblender zum Einsatz. Riemchen oder Sparverblender haben eine deutlich geringere Materialstärke als normale Verblender und werden wie Fliesen z. B. auf eine Wärmeverbundsystem-Fassade geklebt. Dadurch entsteht zumindest der optische Eindruck eines Mauerwerks und die Fassade bleibt durch die hochwertigen Klinkersteine lange schön.

Klinkersteine in unterschiedlichen Formaten

Klinkersteine sind in verschiedenen Farben und Größen erhältlich. Dabei sind sie in der Größe genormt und werden in Standardformaten angeboten. Wer mit einer Klinkerfassade liebäugelt, sollte möglichst nur ein Format kaufen, damit die Optik einheitlich bleibt. Um zwei verschiedenen Größen miteinander zu kombinieren, ist viel Geschick oder ein Fachmann nötig. Dann kann solch eine abwechslungsreiche Klinkerfassade ein echter Hingucker werden.

Es gibt unzählige verschiedene Formate für Klinkersteine, wobei sich einige mehr durchgesetzt haben als andere. Traditionelle Formate für Klinkersteine sind:

  • Normalformat (NF): 240 x 115 x 71 mm
  • Dünnformat (DF): 240 x 115 x 52 mm
  • Lang-Dünnformat (LDF): 490 x 115 x 52 mm
  • 2xDünnformat (2DF): 240 x 115 x 113 mm
  • Waalformat (WF): 210 x 100 x 50 mm
  • Waal-Dickformat (WDF): 210 x 100 x 65 mm

Je nach Steinformat werden pro Quadratmeter unterschiedlich viele Ziegel benötigt: Vom Normalformat werden beispielsweise 48 Steine für einen Quadratmeter benötigt, vom Dünnformat 66 Klinkersteine, vom 2xDünnformat nur 33 Steine.

In bestimmten Regionen haben sich andere Formate durchgesetzt, die von den klassischen Maßen abweichen. Einige Beispiele hierfür sind:

  • Hamburger Format (HF): 220 x 105 x 65 mm
  • Oldenburger Format (OF): 220 x 105 x 52 mm
  • Altes Reichsformat (aRF): 250 x 120 x 65 mm
  • Klosterformat (KF): 285 x 140 x 85 mm

Fazit:
Klinkersteine sind eine gute Alternative zum Verputzen der Außenfassade eines Gebäudes. Für ihre Herstellung werden die Ziegelsteine aus Ton oder Lehm bei besonders hohen Temperaturen gebrannt, wodurch sich die Poren an der Oberfläche (Klinker) oder im ganzen Ziegel (Keramikklinker) schließen. Dadurch nehmen Klinkersteine weniger Wasser auf als herkömmliche Ziegel und sind besonders widerstandsfähig gegenüber Umwelt- und Witterungseinflüssen. Klinker sind ideal für eine nachträgliche Fassadensanierung bzw. ‑dämmung. Heute reicht eine reine Dämmung mit Klinkersteinen jedoch kaum noch an moderne Ansprüche heran, weshalb Klinkersteine oder die dünneren Klinker-Riemchen in der Regel nur noch als äußere Schicht einer Wärmeverbundsystem-Fassade verwendet werden sollten. Dabei gibt es Klinkersteine in unterschiedlichen Formaten, die teilweise vor allem regional verbreitet sind.

Vorteile von Klinkersteinen

  • regulieren die Feuchtigkeit
  • wetterbeständig und langlebig
  • pflegeleicht und wartungsfrei
  • in verschiedenen Optiken erhältlich
  • Keramikklinker ist schmutzabweisend
  • recyclebar

Nachteile von Klinkersteinen

  • teurer als eine Putzfassade
  • Dämmeigenschaften für heutige Ansprüche alleine oft nicht ausreichend
  • Einsatz im Wärmedämm-Verbundsystem notwendig
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Über den Autor

Unser Autor Martin Kirschner ist Leiter des Ytong Bauherrenberatungszentrums für Berlin und Brandenburg in Berlin Schöneberg.

Der gelernte Baustoffkaufmann ist seit 2002 in der Immobilienbranche tätig und hat weit über 1200 Bauherren rund um Ihre Hausplanung und den Hausbau beraten.

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