Haus des Jahres 2019

Energieeffizienz und ökologische Verträglichkeit bestimmen die moderne Architektur – warum also nicht großformatige Transportbehälter zu Wohnräumen recyceln? Dies geschieht in Bauprojekten, die Mini-Häuser und ganze Wohnkomplexe auf der Basis alter Frachtcontainer errichten. Das Container-Upcycling bietet sich besonders für Menschen mit kleinem Geldbeutel an, erscheint aber auch zum Schaffen bezahlbaren Wohnraumes von kommunaler Seite interessant. Im Folgenden wird beleuchtet, was Containerhäuser ausmacht und was bei ihrem Bau beachtet werden muss:

Was ist ein Containerhaus?

In erster Linie bezeichnet der Begriff Containerhaus den Umbau von einem ehemaligen Seefrachtcontainer zum voll ausgestatteten Wohnraum. Der Trend des Containerrecyclings erreichte Deutschland in der jüngeren Vergangenheit gemeinsam mit dem Tiny-House-Movement. Beeinflusst von der bausteinförmigen Bauweise bieten auch professionelle Bauunternehmen Fertig-Module in Containerbauweise an. Diese Exemplare sind im Preis von 90.000 bis 300.000 Euro etwas günstiger als konventionell errichtete Einfamilienhäuser. Den unverwechselbaren Charme des Recyclinghauses besitzen dagegen nur Gebäude aus gebrauchten Seecontainern. Auch sie können beliebig kombiniert und modular erweitert werden. Wer beim Umbau selbst Hand anlegt und mit einer minimalistischen Ausstattung zufrieden ist, kann sein Mini-Haus bereits für 10.000 Euro bauen.

Containerhäuser: aktuelle Projekte weltweit

Bauprojekte auf der Basis alter Seecontainer verwirklichen private und öffentliche Bauherren weltweit. Dabei variieren die Größen von der 1-Container-Minivariante bis zum mehrstöckigen Baukomplex.

Kopenhagen: Containerarchitektur für Studentenwohnheim

Immer mehr Studenten strömen in die dänische Metropole – in puncto Lebenshaltungskosten übertrifft die schöne Stadt jedoch längst Berlin und München. Um bezahlbaren Wohnraum für die Studierenden zu schaffen, kündigten die Behörden an, das Bauprojekt eines Container-Studentenwohnheimes im Jahr 2018 mit umgerechnet 2,3 Millionen Euro zu fördern.

Dettingen: Häuslebauen mit Containern

Acht 40-Fuß-Container und zwei 20 Fuß-Container kombinieren Bauingenieur Thomas Kramer und Designer Nico Hensel in der Dorfmitte des baden-württembergischen Dettingen zum Doppelhaus. Schlussendlich soll jede Hälfte eine Wohnfläche von 125m² umfassen, die sich auf vier Zimmer, ein Bad und eine Küche verteilt. Die Bauherren, die das Haus primär in Eigenleistung errichten, sind überzeugt vom Bautempo: Den Rohbau ihres Projektes stellten sie in der Rekordzeit von 6 Stunden auf. Einige Erfahrung besitzen die Dettinger bereits – im Jahre 2017 bauten sie einen Schiffscontainer zum Backhaus für ihr Heimatdorf um.

Adams County, Colorado: Container-Luxusvilla

Ihr 350m² umfassendes Luxusdomizil schufen Libby und Regan Foster aus neun ausgemusterten Schiffscontainern. Die ausgeklügelte u-förmige Architektur entwickelte das Paar in Kooperation mit einem Architekten und einem Statiker. Zentrum des Gebäudes ist der Eingangsbereich, dessen Raumhöhe sich über zwei Containergeschosse erstreckt. Im Vergleich zu den 20.000 Dollar für das Baumaterial, die Container, fielen die Gesamtkosten für das Bauprojekt mit 500.000 Dollar vergleichsweise hoch aus.

The Fly House: Container-Penthouse über den Dächern von Palma de Mallorca

Aus drei 20-Fuß-Containern setzt sich dieses charmante Ferienhaus zusammen, das auf dem Dach eines Mehrfamilienhauses seinen Platz hat. Konzipiert hat sein Besitzer den 104m² großen Komplex als ansprechendes Feriendomizil. Neben einem Panorama-Ausblick besitzt das kleine Haus sogar seinen eigenen Pool. Buchen können Interessierte einen Aufenthalt im mallorquinischen Containerhaus direkt über AirBnB.

Vor- und Nachteile der Containerbauweise

Einen gebrauchten Container können angehende Bauherren mit 1500 bis 4500 Euro relativ günstig erwerben. Damit sich sein Interieur in einen Wohnraum verwandelt, braucht es diverse Umbaumaßnahmen. Diese Vor- und Nachteile ergeben sich bei der Metamorphose vom Schiffscontainer zum Wohnhaus:

  • Pluspunkt Mobilität: Ist das Haus nur aus einem einzigen Standardcontainer konzipiert, kann es einfach auf dem passenden LKW umziehen. Selbst ein modular zusammengesetztes Containergebäude ließe sich bei Bedarf theoretisch auseinandernehmen und abtransportieren. Inwieweit sich das Umsiedeln für den Besitzer rechnet, muss im Einzelfall kalkuliert werden.
  • Unsicherheitsfaktor Baugenehmigung: Ganz gleich, ob er vorübergehend oder endgültig als Mini-Haus errichtet wird – der Container braucht in Deutschland eine Genehmigung vom zuständigen Bauamt. Dabei bestimmt die Bauordnung des jeweiligen Bundeslandes, welches Gebäude an welcher Stelle errichtet werden darf. Auf Randgrundstücken und Dauerstellplätzen sehen die Behörden das Aufstellen eines Containers meist lockerer als in reinen Wohngebieten. Dort richtet man sich in erster Linie nach dem bereits bestehenden Bebauungsbild.
  • Logistische Planung erforderlich: Wer nicht gerade in Hafennähe wohnt und keinen LKW sein Eigen nennt, muss den Transport des Containers zum Wunschort in sein Budget mit einkalkulieren. Am praktischsten erweist sich im näheren Umfeld der Straßentransport – er schlägt mit etwa 1,50 Euro pro Kilometer zu Buche. Die anschließende Leerfahrt zum nächsten Beladeort muss dabei ebenfalls übernommen werden.
  • Einfache Fundamentierung: Um ein Containerhaus zu tragen, genügt ein Streifenfundament bzw. ein Punktfundament. Hierbei wird die Grundfläche des geplanten Gebäudes etwa 30 Zentimeter tief ausgestochen, wobei an den vier Ecken Löcher von etwa einem Meter Tiefe entstehen. Es folgt eine Ausschalung mit Schalbrettern, das Aufschütten von Kies, eine isolierende PE-Folie und das Befüllen mit bewehrtem Beton. Zwei Wochen nach Fertigstellung des Fundaments darf der Container darauf Platz nehmen. Da die tonnenschwere Transportbox für Laien nicht zu bewegen ist, empfiehlt es sich, das Fundament bei Anlieferung abgeschlossen zu haben und den Container am Platz abzuladen.
  • Statik beachten: Schiffscontainer zeichnen sich durch ihre hohe Stabilität aus – jedoch nur, wenn die Hauptträger in Takt bleiben. Beim Herausschneiden von diesen müssen Bauherren deshalb die Statik des Gebäudes im Blick behalten und sie gegebenenfalls durch innen liegende Stahlträger unterstützen.
  • Keine Ausnahme von der Energiesparverordnung: Laut EnEV 2014 gelten Containerhäuser als Neubauten und fallen in vielen Fällen in die Klasse der kleinen Gebäude bis zu 50m² Wohnfläche. Damit müssen sie in ihren Eigenschaften den Richtlinien der EnEV 2014 § 8 Anlage 3 Die zugehörigen Tabellen listen den zulässigen Wärmetransmissionswert für Außenwände, Fenster und andere Bauteile auf. Dieser Wert beschreibt, wie viel Watt das Material auf einen Quadratmeter Fläche nach außen hin abstrahlen darf, wenn der Temperaturunterschied von Innenraum und Außenluft 1 Grad Celsius beträgt. Um die Werte im Container einzuhalten und bei jeder Witterung ein wohliges Klima zu gewährleisten, müssen Bauherren ihren Container gut dämmen und ein Lüftungssystem konzipieren.
  • Autarke Energieversorgung möglich: Für kleine Containerhäuser bietet sich eine elektrische Infrarotheizung an, um aufwendige Gas- oder Ölleitungsanschlüsse einzusparen. In Kombination mit einer Luft-Luft-Wärmepumpe und der entsprechenden Isolierung lassen sich selbst für Containerhäuser thermische Passivhausstandards erfüllen. Für die nötige Stromversorgung kann eine Photovoltaikanlage mit PV-Speicher Wasser liefert eine Wasseraufbereitungsanlage für Regenwasser; Abwassersysteme ähnlich denen eines Hausbootes sammeln das verbrauchte Wasser in abgeschlossenen Tanks. Wer das Containerhaus als Erweiterung seines bestehenden Einfamilienhauses plant, kann es allerdings unkompliziert an die bestehenden Versorgungssysteme anschließen.
  • Preisvorteil: Für rund 10.000 Euro können sich Heimwerker ihren Wohncontainer einrichten – vorausgesetzt, sie übernehmen die Umbauten selbst. Fertig ausgestattete Containerhäuser sind dagegen ab 15.000 Euro erhältlich. Nach oben hin sind die Grenzen offen. Hier kommt es auf die Anzahl der kombinierten Container und den Aufwand für die Innenausstattung an.

Insgesamt gilt es bei der Planung eines Containerhauses einige Schwierigkeiten zu überwinden – der Bau vereint jedoch auch starke Vorteile in sich: Ein Containerhaus ist relativ kostengünstig, schnell errichtet und trägt durch Energieeffizienz und Materialrecycling zum ökologischen Bauen bei.

Welche Containertypen existieren?

Um den weltweiten Warenverkehr rational zu gestalten, unterliegen Container in ihren Abmessungen bestimmten Standards. Die gängigsten Modelle sind die 20- und 40-Fuß-ISO-Container, welche rund 6 bzw. 12 Metern lang,  2,43m breit und 2,59m hoch sind. Auf dem amerikanischen Markt werden zusätzlich Container in den Maßen von 43, 48 und 53 Fuß eingesetzt. Der Großteil der Containervarianten ist zusätzlich in der sogenannten High-Cube-Ausführung vorhanden, die eine erweiterte Höhe von knapp 2,90m aufweisen.

Neu oder gebraucht?

Da Containerhäuser nicht den widrigen Bedingungen auf hoher See trotzen müssen, eignen sich für ihren Bau gebrauchte Schiffscontainer. Diese werden in folgende Klassen eingeteilt: A – herausragende Qualität, B – gute Qualität, C – Lagerqualität, D – minderwertige Qualität. Die höheren Qualitätsstufen besitzen keine strukturellen Schäden, sondern lediglich optische Makel. Einige Container werden mit dem Zusatz „wie neu“ verkauft. Dahinter verbirgt sich die Tatsache, dass auch neuwertige Container, die in Asien produziert wurden, bei ihrer Ankunft in Europa mindestens eine Seereise alt sind.

Welcher Container ist am besten zum Hausbau geeignet?

Im Verhältnis zur gebotenen Fläche ist ein gebrauchter 40-Fuß-High-Cube Container für den Käufer am günstigsten. Der „Rohbau“ für ein Haus auf der Basis dieses Exemplars besitzt rund 29m² Wohnfläche und eine Raumhöhe von 2,90m. Einblick in den Gebrauchtmarkt für Fracht- und Wohncontainer sowie aktuelle Angebote erhalten Interessierte auf dem Portal von Containerbasis.de.

Fazit:
Für 10.000 Euro ins Eigenheim? – So verführerisch das Konzept Containerhaus klingt, so detailliert will sein Bau geplant sein. Bauliche Richtlinien sowie Statik und Materialeigenschaften des Rohstoffes „Container“ stellen jeden Bauherrn vor gewisse Herausforderungen. Wer sie meistert und viel Liebe zum Detail investiert, kann sich ein autarkes und mobiles Eigenheim schaffen.

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