Aktuell Bau GmbH

Auf dem Kalender steht 2019. Allein was den Hausbau anbelangt, leben wir in einer Epoche, die von extremen Techniksprüngen gekennzeichnet ist: Mauersteine werden teilweise mit Spezialkleber aus der Kartusche verbunden, statt klassisch mit Mörtel. In Dresden wollen Materialwissenschaftler ab Ende des Jahres beginnen, ein Haus komplett aus mit Kohlefasern armiertem Beton zu bauen, statt klassisch mit Stahl, um so eine unbekannt filigrane Bauweise und enorme Zementeinsparung zu kreieren. Darüber, dass so manche Vordenker bereits daran arbeiten, Häuser künftig per 3D-Drucker hochzuziehen, muss man gar nicht erst nachdenken. Die Bau-Welt wirkt also nicht nur hochmodern, sie ist es auch. Aber warum begegnet einem dann überall, selbst am vollkommen durchdigitalisierten Zukunftshaus, nach wie vor der älteste Baustoff der Menschheit in rauen Mengen? Es hat viele Gründe und sie alle sind im höchsten Maße rational:

Raus aus dem Wald, immer wieder

In diesem Artikel wird Mutter Natur noch mehrfach eine Rolle spielen. Aber für diesen Punkt muss man zunächst einfach verstehen, dass Hausbau ein ganz normales Business ist. Hier zählen die beiden Faktoren Zeit und Geld wie an jedem anderen Punkt der gesamten Geschäftswelt. Vor allem das Credo „Keep it simple, stupid“.

An diesem Punkt mag der geneigte Leser sich einen beliebigen anderen Baustoff vorstellen. Egal ob es nun Beton ist, Ziegelsteine, Bimsblöcke oder Stahl. Ihnen allen gemein ist, dass

  1. sie aus einer Melange verschiedener Rohstoffe bestehen.
  2. diese Rohstoffe nicht überall auf der Welt zu finden sind (etwa Bims, dessen einzige Quelle in Deutschland das nördliche Rheinland-Pfalz ist und der auch global dünn verteilt ist).
  3. diese Rohstoffe zwar in teils enormen Mengen vorhanden sind, aber eben über Jahrmillionen und noch längere Zeiträume entstanden. In menschlichen Maßstäben sind sie daher endlich.
  4. die Endprodukte durch teilweise sehr aufwendige Prozesse zum fertigen Baustoff gemacht werden müssen (um bspw. die beliebten Ziegel- bzw. Klinkersteine zu fertigen, sind fast ein dutzend Arbeitsschritte und Hochofentemperaturen bis 1.800°C vonnöten).
  5. sie durch den Bedarf auf dem Weltmarkt und ihre rohstoffbasierte lokale Verteilung teils großen Preisschwankungen unterliegen (so stieg etwa der globale Betonpreis seit 2008 in schwindelerregende Höhen, weil China davon so viel verbaut).

Vergleicht man dagegen Holz, ist er der mit Abstand einfachste, schnellste, politisch am wenigsten brisanteste Baustoff, den man sich nur wünschen kann und dazu noch unschlagbar günstig. Er wächst auf dem gesamten Planeten. Die Arten mögen sich unterscheiden, auch die Masse. Doch egal ob in Japan, irgendwo in Afrika oder in Alaska: Überall ist Holz in rauen Mengen vorhanden. Alleine in Deutschland sind es rund 90 Milliarden Bäume auf 114.000 Quadratkilometern. Deutschland hat insgesamt eine Fläche von 357.578km². Es wird gefällt, was notfalls sogar manuell geschehen kann. Es wird so zersägt, dass Balken und Bretter entstehen und fertig ist das Endprodukt. Keine Hochöfen, kein Mischen. Nur sägen und etwas hobeln. Gerade was die Bauholzindustrie anbelangt, werden gezielt solche Bäume aufgeforstet, welche bei Bau-tauglicher Qualität binnen weniger Jahrzehnte nachgewachsen sind. Besonders in Deutschland nimmt man es mit dem Wiederaufforsten sehr ernst.

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Forstarbeiten mögen wie ein Vernichtungsfeldzug gegen Mutter Natur aussehen. Doch schon nach wenigen Jahren sprießen neue Bäume. Foto: fotolia.com © Regina

Kreativität ohne Ende

Viele denken beim Thema Holz buchstäblich hölzern. Haben Fachwerk vor dem geistigen Auge oder Blockhäuser. Doch Tatsache ist, dass Holz höchste Kreativität ermöglicht, noch viel mehr als das, was durch die starren Formvorgaben handelsüblicher Mauerwerkssteine möglich ist. Einen Leichtbetonstein in einer Form bekommen, die nicht in Serie hergestellt wird? Unbezahlbar. Das gleiche bei Holz? Eine Sache der Einstellung im Sägewerk oder eines versierten Kettensägenbedieners.

Genau das ist der Grund, warum die Angebotsvielfalt von Holzfertighäusern nahezu unendlich ist: Die Architekten, die dahinterstecken, können sich vollkommen frei „austoben“. Das Holz macht jede noch so kühne Formgebung mit. Wenn nicht als Naturmaterial, dann im Zweifelsfall als Faser oder Spanplatte. Auch hier kommt wieder der erste Punkt ins Spiel: Diese Kreativität ist nirgendwo sonst so einfach, schnell und günstig zu bekommen wie mit Holz.

Das einzige Material, welches dem Holz an diesem Punkt das Wasser reichen könnte, wäre Beton. Wobei selbst der nicht ohne unzählige Holztafeln auskommt, die es zum Verschalen nach wie vor benötigt. Dass Holz und Beton schon seit einiger Zeit als Holzbeton eine Zweckgemeinschaft eingehen und mittlerweile auch die ersten getrennten Verbundstoffe serienreif sind, setzt der Sache noch die Krone auf.

Das einfachste Recycling der Welt

Was passiert eigentlich, wenn irgendetwas aus Beton abgerissen wird? Nun, dann gibt es zwei Möglichkeiten: a) das Bauteil wird geschreddert und die Betonkrümel werden für Recyclingbeton zu einem gewissen Teil anstelle des Kieses verwendet oder b) das Bauteil wird geschreddert und im Straßenbau verwendet. In seine Einzelteile zurückverwandeln? Unmöglich, Beton-Abbindung ist eine Einbahnstraße.

Natürlich ist es möglich, dass auch Holz zu einer Recycling-Einbahnstraße wird. Das ist dann der Fall, wenn das Holz sich mit Schadstoffen, giftigen Schutzlasuren oder ähnlichem Zeug, das früher verwendet wurde, vollgesogen hat. Gehen wir aber mal vom Standpunkt der späten 2010er aus, sieht es so aus: Alles, was an Holz heute an einem Haus verbaut wird, ist so naturbelassen wie möglich. Vielfach kommen gar keine Schutzanstriche zum Einsatz, sondern ein konstruktiver Holzschutz, etwa das Verkapseln, sodass Feuchtigkeit oder Insekten niemals ans Holz gelangen. Das ist beispielsweise bei sämtlichen tragenden Teilen eines Fertighauses der Fall.

Selbst dort, wo lasiert, lackiert oder behandelt wurde, etwa bei sichtbarem Fassadenholz, Zäunen usw., sprechen wir von nach ökologischen Gesichtspunkten entwickelten Stoffen. In ganz Europa, teilweise nicht einmal mehr weltweit, gibt es die Schutzanstriche zu kaufen, die einst aus einem Holzbalken ein Stück Sondermüll machten, sowohl für Profis wie Privatleute. Das wiederum bedeutet, selbst ein lackiertes Stück Holz kann, weil es ungiftig ist, ziemlich leicht recycelt werden.

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Bauholz wird heute durch die Bank weg vollkommen unbehandelt gelassen. Dadurch ist es unglaublich einfach zu recyceln. Foto: fotolia.com © Ingo Bartussek

Einfache Einfachheit

Was muss man tun, um, sagen wir, eine Backsteinmauer hochzuziehen? Man braucht ein absolut waagerechtes Fundament. Dann muss jede Reihe von Steinen so gemauert werden, dass sie normgerecht überlappen. Jeder Stein muss ebenfalls in alle Richtungen in der Waage liegen und darf keinesfalls höher oder tiefer als seine Nachbarn liegen. Es gibt schon einen Grund, warum Mauern eine leider nicht mehr besonders geschätzte Kunst ist.

Doch Kunst ist eben oftmals nicht sonderlich einfach, das gilt im Museum ebenso wie am Bau. Denn da hat das Holz die Nase vorne. Dass es gerade ist, und zwar über seine ganze Dicke und Länge, dafür sorgte das Sägewerk. Es braucht nur ebenfalls ein waagerechtes Fundament. Dann kann man es senkrecht stellen, kann es waagerecht hinlegen, miteinander verschrauben, verzapfen oder verschränken. Allein was die traditionellen Verbindungen anbelangt, ist vieles möglich.

Egal, was man davon nimmt, mit modernen Werkzeugen ist es schnell und im höchsten Maße einfach. Es braucht keine andauernden Kontrollen. Braucht auch nicht andauernd höchste Aufmerksamkeit, damit nichts im wahrsten Wortsinn „schief“ läuft. Es gibt schon einen Grund, warum vor Baumärkten unzählige Gartenhäuschen aus Holz stehen aber keine, die man selbst zusammenmauern muss.

Direkt fertig

Zeit ist Geld. Das galt im ersten Punkt und es gilt auch noch am Ende dieses Artikels. Warum setzen seit Jahren steigende Zahlen an Häuslebauern auf Fertighäuser? Doch auch, weil sie ganz genau wissen, dass, wenn einmal die Bodenplatte getrocknet ist, der Bau fast schon raketengleich vonstattengeht. Drei Tage, mehr braucht es selten, wenn alles in Time angeliefert wird. Drei Tage, die sich ohne schnelles Zeitraffen auf acht Minuten eindampfen lassen.

Hier kommt eine weitere Holz-Einzigartigkeit: Wenn ein Holzbauteil steht oder liegt, dann ist es fertig. Ein hölzerner Dachstuhl kann sofort maximale Schneelasten tragen. Eine hölzerne Wand stemmt sich größten Winden problemlos entgegen. Wo alles, mit dem sonst landläufig gebaut wird, eine teils wochenlange Trocknungs- und Austrocknungsphase hat, ist Holz in dem Moment in seinem Endzustand angelangt, in dem es verbaut wird.

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