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Es gibt in der Immobilienwelt immer wieder ein gewisses Paradoxon: Weit draußen auf dem Land sind diejenigen Häuser am günstigsten, die am weitesten von Verkehrsadern entfernt sind. Eben das klassische, einsame „Haus am Waldrand“.

Je näher man sich jedoch in Richtung „Zivilisation“ begibt, desto mehr dreht sich das Preisgefälle: Am Stadtrand sowie verkehrstechnisch gut angeschlossenen ländlichen Regionen sind es diejenigen Immobilien, die am dichtesten an Bahntrasse und Autobahn stehen, welche die niedrigsten Preise aufrufen. Denn da herrscht das Gegenteil von Ruhe.

Was also tun, wenn man aus irgendwelchen Gründen genau dort, wo es gut angebunden und günstig, aber eben sehr laut ist, ein Haus kaufen oder bauen muss? Ganz einfach: Umfangreiche Schallschutzmaßnahmen treffen. Denn selbst bei Neubauten sind hier die gesetzlichen Vorgaben alles andere als streng. Da kann man viel nachbessern.

1. Glas gegen Lärm

Man kann ein Mauerwerk sehr sorgsam vom Umgebungslärm abkoppeln. Die Fenster jedoch stellen ein Problem dar. Nicht so sehr ob ihrer Größe wie der Tatsache, dass sie zwangsläufig aus einem dünnen, sehr harten Material bestehen.

Normales Fensterglas (selbst das moderner Wärmeschutzfenster) hat weder die Dicke, um Schall effektiv zu bremsen, noch ist es steif genug, um nicht durch die Wellen in Schwingungen versetzt zu werden, die diese nach innen weitergeben.

Nun ist es allerdings nicht nötig, deswegen Fensterdurchbrüche zu Straße oder Schiene zuzumauern. Es genügt, konsequent Schallschutzfenster einzusetzen. Diese erreichen enorme Dämmleistungen von mehr als 50 Dezibel. Dazu trägt mehreres bei:

  • Art und Dicke des Glases
  • Abstand und Füllung der Scheiben
  • Einsatz von weichen (=entkoppelnden) Folien
  • Mehrere Dichtungsebenen zum Rahmen

Auch hier gilt, ein hochwertiges Schallschutzfenster ist automatisch auch in Sachen Wärmedämmung sehr gut.

2. Sorgsam gemauert

Fertighäuser sind in den vergangenen Jahrzehnten in praktisch sämtlichen Belangen mit Massivhäusern gleichauf gezogen – bis auf den Lärmschutz.

Zwar können Fertighäuser ebenfalls sehr still gemacht werden. Aber bei der Übertragung von Schallwellen gibt es neben einer möglichen Entkoppelung nur eine Regel:

Die Masse macht’s

Heißt, je dicker und massiver ein Werkstoff ist, desto mehr Schall schluckt er. Das bedeutet, gemauert ist in diesem Sinne immer die beste Option. Aber auch dabei gibt es Abstufungen: bei ansonsten gleicher Wandstärke dämmen Hohlblocksteine und Leichtbeton signifikant schlechter als Kalksandstein und andere schwere Materialien.

3. Dämmen gegen alles

Sowieso wenn man einen an einer Verkehrsader liegenden Altbau erwirbt, aber auch dann, wenn man ein neues Gebäude errichten lässt, sollte man sich für maximalen Lärmschutz niemals auf das verlassen, was das Mauerwerk allein bietet.

Bei Kalksandstein wird das oft schon ein gesetzliches Gebot sein: Dadurch, dass dieses Material so dicht ist, hat es schlechte Wärmedämmeigenschaften. Man müsste sehr dicke Steine nutzen, um auf akzeptable U-Werte zu kommen.

Etwas günstiger und zudem auch Altbau-tauglich ist es dagegen, auf eine sorgfältige Fassadendämmung zu setzen. Und zwar eine, deren Dicke über das hinausgeht, was man für die reinen gesetzlichen Wärmedämmbestimmungen nutzen würde.

Prinzipiell senkt zwar jede Wärmedämmung die Schallbelastung. Wenn man jedoch das maximal Mögliche anpeilt, sollte es eine Dämmung aus mineralischen Einblaswerkstoffen sein, die zwischen die Fassade und ein außenliegendes Verblendmauerwerk eingebracht wird.

Damit schlägt man zwei Fliegen mit einer Klappe, erreicht eine hohe Wärme- und Schalldämmung.

4. Rollladen als „Schallpanzer“

Je nach Lage (Stichwort Güterzüge) lässt der Verkehrslärm nachts kaum nach – wirkt dann aber umso störender.

Dann ist es wichtig, dem bestehenden Schutz der Fenster noch eine Krone aufzusetzen. Diese besteht darin, auch die Rollläden als wichtigen Part zu begreifen und einzusetzen. Dies beginnt damit, dass man (schon beim Fensterkauf) darauf achtet, dass zwischen Rollladen und äußerer Fensterscheibe ein Abstand von mindestens fünf Zentimetern besteht, damit Schwingungen des Rollladens sich nicht auf die Scheibe übertragen.

Ferner sollten sich in den Führungsschienen Dichtungen befinden. Und natürlich gilt auch hier: Je schwerer der Rollladen, desto besser.

5. Alles „Gute“ von oben

betondachsteine
Betondachsteine sind die leiseste Dacheindeckung. Leider kann der Bebauungsplan ihre Nutzung u.U. untersagen. Foto: fotolia.com © Mylene2401

Man muss nicht in der Einflugschneise eines Flughafens leben, damit Lärm auch von oben ein Problem wird. Dazu reichen auch ungünstige Reflexionsbedingungen vor Ort.

Tatsächlich können dadurch bereits die bislang getätigten Maßnahmen teilweise zunichte gemacht werden. Daher sollte das Dach als vollwertiger Schallschutz-Baustein angesehen werden. Auch hier machen mehrere Maßnahmen zusammen den Goldstandard:

  • Die Deckung sollte aus Betondachsteinen bestehen. Abermals gilt hierbei das Maß von der Dichte, die Schall schluckt. Gegenüber Schiefer können verbesserte Dämmleistungen von fast 10 Dezibel erzielt werden.
  • Es sollte eine Aufsparrendämmung verwendet werden. Sie sorgt dafür, dass der gesamte Dachstuhl von den Schallwellen entkoppelt wird.
  • Falls preislich und statisch möglich, sollte zwischen den Sparren ebenfalls eine (leichte) Mineralwolldämmung eingesetzt werden.
  • Die innere Verkleidung sollte ebenfalls massiv sein. Dazu bieten sich Faserzementplatten an, vor die zur optischen Kaschierung mit Holz oder dergleichen bedeckt werden.

Sorgsam durchgeführt bekommt man auf diese Weise ein Dach, das nicht schlechter schalldämmt als die Fassade.

6. Abgetrennt statt weit offen

Heutige Bauweisen zeichnen sich dadurch aus, dass sie „offen“ sind. Also mit möglichst wenigen Trennwänden auskommen.

Das genau ist jedoch beim Lärmschutz ein Problem: Je weniger „Barrieren“ es im Innenraum für Schallwellen gibt, desto stärker wird das ganze Haus von dem Lärm erfüllt, der es trotz der genannten Maßnahmen hineingeschafft hat.

Dagegen nützen Trennwände. Wer neu baut, sollte also eher auf eine klassische Raumaufteilung achten und den offenen Prinzipien entsagen. Bei bestehenden Gebäuden indes kann man die vorhandenen Wände (falls man nicht zusätzliche einziehen möchte/muss) auch durch entkoppelnde Maßnahmen verbessern.

7. Clevere Zusatzmaßnahmen betreiben

So viel bereits vorweg: Mit diesen sechs Maßnahmen macht man ein Haus auch an starkbefahrenen Verkehrsadern sehr still. Aber durch die folgenden Maßnahmen kann man noch viele zusätzliche Dezibel einsparen:

  1. Schlaf- und Wohnzimmer konsequent auf der von der Lärmquelle abgewandten Seite einplanen. Gleiches gilt auch (falls von der Lage her möglich) für Terrasse, Balkon usw.
  2. Eine Klimaanlage für alle Räume installieren lassen, damit man im Hochsommer nachts bei geschlossenen Fenstern schlafen kann.
  3. Bodenbeläge aus möglichst weichen, dicken Materialien nutzen – etwa Teppichboden.
  4. Bei der Einfriedung in Richtung Lärmquelle konsequent auf Massivität achten. Lieber Gabionen als Holzzaun und besser begrünte Massivmauer als dichte Hecke – und so hoch, wie es die örtliche Baugesetzgebung erlaubt.
  5. Falls möglich das Treppenhaus über Mauern und Türen von den Fluren und abgehenden Räumen entkoppeln.
  6. Rings um die Kellerwände ebenfalls eine Außendämmung anbringen lassen; das entkoppelt vor allem von per Erdreich übertragenen Vibrationen.
  7. Im Zweifelsfall einzelne Räume (Schlafzimmer) innen mit schallisolierendem Schaumstoff auskleiden, der mit Rigips verblendet wird.

Auf diese Weise bekommt man ein Haus, das dem Ideal der „Waldrandlage“ schon ziemlich nahekommt. Obwohl vielleicht in wenigen hundert Metern Entfernung eine Bundesautobahn mit niedriger Nummerierung entlangführt.

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