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Keine Branche ist so in Verruf wie Schlüsseldienste. Neun von zehn Abrechnungen gelten als überteuert. Das klappt aber nur, weil die meisten Kunden nicht wissen, wie man sich richtig verhält.

Der Schlüsseldienst lebt vom Notfall – diese Situation wird ausgenutzt

Wer plötzlich seine Tür nicht mehr öffnen kann, steht unter situationsbedingtem Stress. Erst recht, wenn die Tür nur zugefallen ist. Im spärlichen Hausoutfit fühlt sich der Ausgesperrte auch optisch hilflos. Das wissen Betrüger, die ganze Netzwerke von Pseudohandwerkern aufziehen. Über vorgetäuschte Ortsvorwahlen sammeln sie in einer Zentrale deutschlandweit Notfälle ein, und schicken Hilfskräfte los, die nur ein Ziel verfolgen, Situation ausnutzen und einen Wucherpreis abverlangen. Wucherpreis bedeutet, dass eine Leistung die eigentlich für 70 Euro zu erbringen ist, auf bis zu 500 Euro hochgeschraubt wird. Ein Betrug, der den Opfern in Deutschland jedes Jahr Millionen kostet. Vom Ärger einmal ganz abgesehen.
Doch das muss nicht sein. Es gibt klare Indizien, Betrüger bereits im Ansatz zu erkennen, und es gibt Verhaltensregeln, um sich erfolgreich zu wehren.

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(via www.betrugstest.com)

Die echten Kosten einer Türöffnung – an Richtwerten orientieren

Der wichtigste Punkt, Betrüger zu erkennen, ist der Preis. Das Problem: Kaum ein Kunde, der diese Dienstleistung benötigt, hat dazu Erfahrungen. Die meisten werden sozusagen ins kalte Wasser eines Vertragsabschlusses geworfen. Doch die Orientierung ist einfach. Zunächst hat der Preis vier überschaubare Bestandteile. Anfahrtskosten, Türöffnung, Extras und die gesetzliche Mehrwertsteuer. Wer sich als Betroffener ein Angebot am Telefon einholt, sollte sich daher die ersten drei Kostenpunkte getrennt nennen lassen. Als Faustformel gilt, die Anfahrtskosten sollten 15 Prozent der Gesamtsumme nicht überschreiten. Die eigentliche Türöffnung dagegen, darf durchaus einen Anteil von 50 Prozent ausmachen. Aber auch für die Gesamtleistung einer Türöffnung, von schwierigen Einzelfällen abgesehen, lassen sich Richtwerte für die Kosten nennen. Verbraucherschutzzentralen geben als Orientierung zwei Werte an die Hand. In der Stadt sollte die Dienstleistung bei 70 Euro liegen, auf dem Lande bei 60 Euro. Alles was dreistellig wird, ist kritisch zu prüfen. Vom berechtigten Einzelfall abgesehen, besteht Betrugsgefahr.

Tricks der Abzocker – drei typische Maschen sollte man kennen

Wer unvorbereitet in eine Notsituation gerät, kann trotzdem kühlen Kopf bewahren. Nicht jeder Schlüsseldienst will betrügen, die es aber wollen, kann man auch erkennen. Gegen folgende Tricks muss ein Kunde sofort Front machen. Das Vorgehen des Handwerkers in dieser Art ist nicht zu akzeptieren. Die Ablehnung ist, als eigene Position, unmissverständlich dagegen zu stellen.

• Preisänderung
Es wird am Telefon ein günstiger Preis angeboten, vor Ort erfolgt eine wortreiche Erhöhung. Ein Versuch, den Vertragspreis als neu vereinbart darzustellen. Noch dreister, die vereinbarte Arbeit wird ausgeführt, die Rechnung aber viel höher ausgestellt. In beiden Fällen wird Druck gegen den Kunden aufgebaut, um den Betrug vor Ort durchzusetzen, inklusive der sofortigen Bezahlung.

• Absichtliche Beschädigungen
Um mehr Arbeitsleistungen, oder überteuertes Material, in Rechnung stellen zu können, werden Schloss oder Tür, absichtlich beschädigt. Es würde nicht anders gehen. Eine zugefallene Tür beispielsweise, kann aber immer mit Spezialwerkzeug beschädigungsfrei geöffnet werden.

• Druck aufbauen
Der Betroffene wird zu Handlungen oder Unterschriften genötigt. Unseriös! Solide Handwerker machen Vorschläge, sie weisen den Kunden aber nicht an, was er zu dulden hat.

Richtiges Verhalten – eine kleine Checkliste hilft

Vorbereitung

• Etwas Zeit in die Entscheidung zum Dienstleister investieren:
o Kurz bei der Handwerkskammer nachfragen.
o Es gibt entsprechende Hotlines, die helfen.
o Am Wochenende darf das auch die Polizei sein (Aber bitte nicht über die Notrufnummer, sondern die normale Rufnummer der Polizeidienststelle wählen).
o Im Branchenverzeichnis denen aus dem Weg gehen, die sich mit AAA vor dem Namen, hochgeschmuggelt haben, oder unter mehreren Bezeichnungen auftauchen. Gilt auch für Anbieter, die in mehreren Städten gelistet sind.
o Wer keinen Angebotspreis abgeben will, auflegen.

Durchführung

• Vor Ort, vor Beginn der Arbeit, vereinbarten Festpreis noch einmal vom Handwerker bestätigen lassen (Ein Zeuge ist immer gut)
• Beschädigungen ausdrücklich untersagen
• Nicht unter Druck setzen lassen
• Keine überhöhte Rechnung akzeptieren
• Immer selbstbestimmt die Arbeiten begleiten
• Nichts zulassen, was nach Meinung des Handwerkers sein muss und von ihm ungefragt in die Tat umgesetzt wird
• Bei Einschüchterungsversuchen im Zweifel die Polizei rufen.

Fazit:Eine Notfallöffnung der Tür ist in den wenigsten Fällen tatsächlich ein Notfall, der schnelles Handeln verlangt. Ein kühler Kopf und planvolles Vorgehen schützt vor Schaden durch Betrüger. In Ruhe Anbieter nach Seriosität prüfen, Angebotspreis einholen, vor Ort noch einmal bestätigen lassen und dann den Auftrag freigeben. Keine unbegründeten Änderungen akzeptieren, Beschädigungen ausschließen. Ein freundlicher Nachbar, der Auftragserteilung und Durchführung als Zeuge begleitet, ist sehr hilfreich.
Nicht alle Schlüsseldienste sind Gauner, aber Gauner sind auch nicht auszuschließen. Deshalb, trotz erster Panik, es gibt ausreichend Möglichkeiten, den Einen vom Anderen zu unterscheiden. Wer sie beherzigt, bekommt eine angemessene Dienstleistung und erspart sich Ärger.

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