Haus des Jahres 2019

Ist eine Tür „einbruchssicher“, zeigt sie deshalb noch keine „einbruchhemmende“ Wirkung. Material, Schloss, Zargen und Verankerung der Tür müssen bestimmten Kriterien entsprechen, damit sie nach der Deutschen Industrienorm als einbruchhemmend gilt. Im Folgenden erläutern wir Ihnen, welche Kategorien es für einbruchhemmende Türen gibt, mit welchen Anschaffungskosten Sie rechnen müssen und wie die Kreditanstalt für Wiederaufbau Sie für die Investition entschädigt.

Einbruchhemmende Haustür – was versteht man darunter?

Für den Schutz vor Einbrechern kommen sowohl mechanische als auch elektronische Maßnahmen infrage. Zu den mechanischen Maßnahmen gehören die Bauweise und die Ausstattung der Haustür; ein elektronischer Einbruchschutz erfolgt durch die Installation von Alarmanlagen.
Während die Elektronik allenfalls abschreckend wirkt oder zur Aufklärung beitragen kann, hält die mechanische Sicherung der Haustür Einbrecher tatsächlich fern. Denn je länger es dauert, eine Tür mit Einbruchswerkzeugen zu öffnen, desto größer ist die Chance, dass der Einbruchsversuch abgeblasen wird. Die mechanischen Schutzmaßnahmen

  • verhindern ein einfaches Aufhebeln der Tür oder ein Öffnen durch Krafteinwirkung;
  • sorgen für eine vermehrte Geräuschentwicklung beim Versuch, die Tür ohne Schlüssel zu öffnen;
  • tragen dazu bei, dass die Tür nur mit Sachkenntnis und entsprechenden Werkzeugen ohne Schlüssel geöffnet werden kann.

Natürlich gibt es auch professionelle Einbrecher, die eine solche „Sachkenntnis“ und das erforderliche Werkzeug mitbringen. Hundertprozentige Sicherheit bietet also auch eine einbruchhemmende Tür nicht. Sie lässt aber immerhin einen Großteil der Einbrecher, die auf schnelle Beute hoffen, im Regen stehen.

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Bild: © animaflora / Fotolia

Besteht ohne einbruchhemmende Haustür Versicherungsschutz?

Welcher Versicherungsschutz im Falle eines Einbruchs besteht, hängt von den Konditionen ab, die Ihre Versicherungspolice benennt. Generell lässt sich sagen, dass der Einbau einer einbruchhemmenden Tür keine Pflicht darstellt, um im Schadensfall Ersatz zu erhalten.
Umgekehrt dürfen Sie es Einbrechern natürlich nicht erleichtern, ins Haus zu gelangen. Den Schlüssel unter der Matte oder im Briefkasten zu deponieren, ist daher ebenso tabu wie das Anbringen von Schutzbeschlägen, die sich von außen abschrauben lassen. Verlassen Sie Haus oder Wohnung über Stunden oder Tage, sind Sie verpflichtet, die Tür nicht nur zuzuziehen, Sie müssen sie auch abschließen. Leben Sie in einem Mehrfamilienhaus und haben Sie Wertsachen im Keller gelagert, bedarf es zu deren Sicherung weitaus mehr als das übliche Hängeschloss.
Als Faustregel gilt: Je mehr Gewalt ein Einbrecher anwenden muss, um eine Tür zu öffnen, je mehr Schäden also dabei entstehen, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Versicherung den gesamten Schaden ersetzen muss. Ausgenommen sind allerdings Wertgegenstände und Bargeld für die eine Aufbewahrungspflicht in einem fest verankerten Tresor besteht.

Welche Kategorien gibt es für einbruchhemmende Türen und was besagt die Einteilung?

Einbruchhemmende Türen sind der Industrienorm entsprechend in sechs Widerstandsklassen eingeteilt. Die Bezeichnungen für die Widerstandsklassen wurden vormals mit „WK“ und einer Ziffer angegeben. Seit 2011 werden die Widerstandsklassen mit dem Kürzel RC bezeichnet – abgeleitet von der englischen Bezeichnung „Resistance Class“.
Die Einteilung in sechs Widerstandsklassen wurde jedoch beibehalten – den niedrigsten Schutz bieten Türen mit der Kennzeichnung RC1, den höchsten Schutz bieten Türen mit der Bezeichung RC6. Die Einstufung in RC2 – der von der Polizei empfohlenen niedrigsten Stufe für private Haushalte – wurde weiter differenziert. So gibt es nunmehr auch die Gruppe RC2N – das N steht für „Normalglas“ im Gegensatz zu Sicherheitsglas, das auf dieser Stufe ebenfalls Verwendung findet.
Die Klassifizierung der Türen erfolgt nach dem Schutz, den sie bieten. Dabei geht man von verschiedenen Tätergruppen aus. Die Klasse RC1 bietet nur geringen Schutz gegen das – am häufigsten vorkommende – Aufhebeln der Eingangstür. Die Klassen RC2 und RC3 sind geeignet, Gelegenheitstäter abzuhalten, auch wenn sie neben Hebelwerkzeugen einen Schraubenzieher oder weitere Werkzeuge verwenden. Die Klassen RC4 bis RC6 sollen erfahrene Täter abhalten, die zusätzlich zu mechanischen Werkzeugen elektronische Instrumente wie beispielsweise Bohrmaschinen, Sägen oder Winkelschleifer einsetzen.
Einbruchhemmende Türen ab Klasse RC2 weisen folgende Merkmale auf:

  • Mehrfachverriegelung mit Schwenkriegeln,
  • Aufbohrschutz,
  • Griffgarnitur mit Zylinderabdeckung,
  • Profilzylinder,
  • Sicherheitsglas (außer RC2N),
  • durchgehende Schließleiste,
  • Konstruktion verhindert das Aufhebeln, Schwachstellen wie Zargen, Rahmen und Türblätter sind geschützt.

Ab der Klasse RC3 werden generell durchbruchhemmende Verglasungen und Türfüllungen eingesetzt. Planen Sie den Kauf einer einbruchhemmenden Tür, achten Sie zudem auf eine Zertifizierung. Der Hinweis „VdS“-geprüft deutet beispielsweise darauf, dass die Tür vom Verband der Deutschen Versicherungswirtschaft geprüft und zertifiziert wurde.

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Bild: © photographicss / Fotolia

Was kosten einbruchhemmende Türen?

Eine Aluminiumtür mit Dreifachverriegelung erhalten Sie ab etwa 600 €; ein vergleichbares Modell mit Fünffachverriegelung und umlaufender Anschlagdichtung kann mit 2.500 € zu Buche schlagen. Die Preisgestaltungen für Türen der Widerstandsklassen RC3 und RC4 beginnen bei ca. 2.000 bis 3.000 €.
Neben der Haustür selbst sollten Sie auch alle anderen Zugänge wie Keller, Garage oder Terrasse schützen. Auch Fenster und Balkone, die leicht zu erreichen sind, benötigen besonderen Einbruchschutz. Die Kosten können sich da leicht auf einen fünfstelligen Betrag summieren – vor allem, wenn noch eine Alarmanlage oder eine Videoüberwachung hinzukommen.
Tipp: Suchen Sie vor dem Kauf und dem Einbau eine Beratungsstelle auf – die Kriminalpolizei beispielsweise berät Haus- und Wohnungsbesitzer regelmäßig kostenlos zum Thema Einbruchschutz und inspiziert bei Bedarf auch die Situation vor Ort.

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Zuschüsse und Kredite für den Einbruchsschutz durch die KfW

Aufgrund der Zunahme an Einbrüchen in Privathäuser, die in den vergangenen Jahren zu verzeichnen war, kommt die Polizei mit der Aufklärung kaum hinterher. Da erscheint es nur angemessen, wenn die private Investition in den Einbruchschutz vom Staat gefördert wird. Eine solche Förderung erfolgt durch die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW). Diese vergibt Zuschüsse für

  • den Einbau einbruchhemmender Fenster und Türen;
  • die Installation von Alarmanlagen und Bewegungsmeldern;
  • die Montage von Beleuchtungs- und Zugangskontrollsystemen.

Die Zuschüsse und Kredite werden im Rahmen der Programme „altersgerecht umbauen“ und „energieeffizient sanieren“ vergeben. Daher ist es wichtig, dass Sie weitere Aspekte beim Einbau einer neuen, einbruchhemmenden Tür berücksichtigen wie beispielsweise Barrierefreiheit oder Energieeffizienz. Einen ersten Überblick über die Programme und die Anforderungen sowie die Antragsstellung erhalten Sie auf der Website der KfW unter Bestandsimmobilie – Einbruchschutz.

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Bild: © Daniel Jedzura – Fotolia

Sind ferngesteuerte Schließzylinder sicher?

Der Vorteil von Schließzylindern, die per WLAN und Smartphone gesteuert werden, liegt eindeutig darin, dass Sie keinen Schlüssel benötigen und die Haustür auch von fern öffnen können, wenn beispielsweise Ihr Kind früher Schulschluss hat. Dennoch kann nicht oft genug betont werden, dass alle Einrichtungen des sogenannten „Smart Homes“ nur dann wirklich sicher sind, wenn Sie auch Ihr WLAN-Netzwerk ausreichend verschlüsseln und für „Spione“ unsichtbar machen. Planen Sie, ein elektronisch steuerbares Türschloss einzubauen, denken Sie daher daran,

  • das Netzwerk über die optimale Verschlüsselungstechnik zu sichern;
  • ein schwer zu knackendes Passwort zu wählen und Ihre Zugangsdaten zu schützen;
  • eine Sicherheitssoftware zu installieren;
  • eine automatische Verbindung mit dem Internet zu unterbinden.

Bei der Konfiguration Ihres Routers haben Sie zudem die Wahl, ob Ihr Netzwerk öffentlich sichtbar sein soll oder nicht. Sind Sie mit der Konfiguration nicht vertraut, lassen Sie sich von einem Fachmann beraten und unterstützen.

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