Haus des Jahres 2018

Wenn Ihnen Ihre Küchenfliesen oder Ihre Badezimmerfliesen in Ihrem Eigenheim nicht mehr gefallen, kann der Austausch eine teure und aufwendige Angelegenheit werden. Doch statt die Fliesen abzuschlagen und Bad oder Küche neu zu verfliesen, kann man Fliesen streichen, um sich die teuren und aufwändigen Fliesenarbeiten zu ersparen. Doch wann ist das Streichen von Fliesen empfehlenswert? Worauf muss man achten? Welchen Lack sollte man nehmen und welche Vorarbeiten sind sinnvoll? Und kann man tatsächlich auch Bodenfliesen streichen? Dieser Artikel gibt Auskunft.

Wann Fliesen zu streichen sinnvoll ist

Gerade in alten Häusern sind sie leider noch oft zu finden: Fliesen in dunklen Farben oder mit altmodischen Mustern, die Küche oder Bad einfach gruselig aussehen lassen. Ob hässliche Küchenfliesen mit deprimierendem Muster in Beige und Dunkelbraun aus den 60er Jahren oder die typischen Badezimmerfliesen in Olivgrün oder Knallorange aus den 70er-Jahre– mit etwas handwerklichem Geschick, der richtigen Anleitung und spezieller Fliesenfarbe lassen sich solche Fliesen ganz einfach verschönern. Auch ohne viel Dreck und langwierige Renovierungsarbeiten schenken Sie Bad oder Küche mit überstrichenen Wandfliesen ein frisches, modernes Aussehen. Vor allem bei Wandfliesen ist das Streichen nicht besonders aufwändig und kann selbst von Laien selbständig durchgeführt werden. Solange die Fliesen selbst nicht beschädigt sind und es nur ums Design geht, ist das Lackieren von Fliesen immer dann zu empfehlen, wenn Sie sich Geld, Dreck und/oder Arbeit ersparen wollen.

Kann man auch Bodenfliesen streichen?

Auch alte Bodenfliesen können scheußliche Farben oder Muster haben. Hinzu kommt, dass Bodenfliesen im Laufe der Jahre oft auch sehr abgenutzt werden und alleine deshalb schon nicht mehr schön aussehen. Neue Fliesen kann man sich nicht immer leisten. Wenn man trotzdem mit den alten Bodenfliesen nicht mehr leben möchte, ist Überstreichen eine gute Idee. Auch wenn man es sich kaum vorstellen kann: Ja, selbst Bodenfliesen kann man streichen! Dazu sollten Sie sich jedoch im Fachhandel nach speziellen Produkten zum Streichen von Bodenfliesen umsehen. Denn Bodenfliesen sind mehr mechanischen Belastungen ausgesetzt als Wandfliesen.

!Wichtig ist es beim Streichen von Bodenfliesen, dass man sich von der hintersten Raumecke nach vorne zur Tür vorarbeitet, damit man sich nicht selbst mit der Bodenfarbe einkesselt und dann über die frisch gestrichene Fläche laufen muss.

Welcher Lack eignet sich zum Fliesenstreichen?

Während Küchenfliesen oder Badezimmerfliesen zu streichen vor einigen Jahren noch einem Experiment geglichen hat, hat sich dieses Verfahren heute dank moderner Lacke zu einer echten Alternative zum neuen Verfliesen entwickelt. Um Fliesen zu lackieren, bieten sich spezielle Epoxidharzlacke an. Epoxidharzlacke überzeugen durch eine sehr gute Strapazierfähigkeit, denn sie bestehen aus einem Zweikomponentensystem, das sich aus einem Lack und einem Härter zusammensetzt. Bei manchen Fliesenlacken muss man die beiden Komponenten selbst zusammenmischen und dann umgehend verarbeiten, was oft nur 6 Stunden lang möglich ist. Fliesenlacke gibt es in matt und glänzend ganz nach Geschmack. Bei manchem Hersteller gibt es sogar die Möglichkeit, die Epoxidharzlacke in Ihrer Wunschfarbe mischen zu lassen. Wieder andere Produkte machen eine Grundierung überflüssig. Lassen Sie sich am besten in einem Fachgeschäft beraten, welcher Lack am besten geeignet ist, um Ihre alten Badezimmer- oder Küchenfliesen zu streichen. Dann steht einem frischen Anstrich Ihres alten Fliesenbodens oder der gefliesten Wand nichts mehr im Weg.

In drei Schritten Fliesen streichen

Um Küchenfliesen oder Badezimmerfliesen sauber zu lackieren, ohne dass es hinterher stümperhaft aussieht, sollte man in mehreren Schritten vorgehen. Dabei ist die Vorbereitung mindestens genauso wichtig wie das Überstreichen der Fliesen selbst.

1. Schritt: Vorarbeiten durchführen
Wenn alte Fliesen lackiert werden sollen, müssen sie trocken, sauber fett- und staubfrei sein, damit die Fliesenfarbe richtig hält. Wenn Sie Ihre Fliesen streichen wollen, sollten Sie demnach zunächst alle Silikonfugen restlos entfernen. Silikonreste lassen sich zum Beispiel leicht mir einem Messer abschaben oder man verwendet speziellen Silikonentferner. Danach werden die Fliesen gründlich mit einer Mischung aus Spülmittel, Wasser und Essig gereinigt und die Armaturen sehr gut abgeklebt. Jetzt überprüfen Sie die Fugen, wobei kleinere Löcher und Risse einfach mit Fugenweiß ausgebessert werden. Danach sollten Sie die Fliesen mit Schleifpapier etwas anschleifen und die gesamte Fläche mit Fliesenreiniger saubermachen, damit der Fliesenlack besser hält. Achten Sie unbedingt darauf, dass Sie ein fusselfreies Tuch verwenden. Zum Auftragen der Grundierung sollten Sie ein neues, ebenfalls unbedingt fusselfreies Tuch benutzen. Nachdem die Grundierung rund 12 Stunden getrocknet ist, kommen Sie zum zweiten Schritt.

2. Schritt: Erst die Fugen, dann die Fliesen streichen
Bevor Sie sich um die Fliesenflächen kümmern, sollten Sie die Fugen mit dem speziellen Fliesenlack und einem Pinsel und einer Schaumstoffrolle streichen. Dabei gehen Sie am besten so vor: Wählen Sie sich einen Abschnitt von 4 mal 4 Fliesen, streichen dann die Fliesenfugen und schließlich die Fliesenflächen selbst. Denn nur wenn Sie nass in nass und mit einer sehr dünnen Schicht Lack arbeiten, wird die Fläche schön gleichmäßig lackiert. Damit es nicht zu unschönen Ansätzen kommt, sollten Sie darauf achten, immer von Fuge zu Fuge zu arbeiten und Ihre Arbeit möglichst nicht für längere Zeit zu unterbrechen. Vorzuziehen ist es, die Fliesen einer ganzen Wand direkt nacheinander alle zu streichen und erst dann eine längere Pause zu machen. Ist die erste Lackschickt aufgebracht, lassen Sie den Lack nach Herstellerangabe trocknen. Erst dann wird mit einer frischen Schaumstoffrolle eine zweite Schicht Lack ohne separaten Fugenanstrich dünn und gleichmäßig aufgetragen. Ist die ursprüngliche Fliesenfarbe sehr dunkel oder haben die alten Fliesen ein Muster, muss gegebenenfalls sogar eine dritte Schicht Lack aufgetragen werden, damit man nichts durchscheinen sieht – besonders wenn der frische Lack eine hellere Farbe hat. Die letzte Lackschicht dann mindestens 12 Stunden bzw. nach Anweisung des Hersteller trocknen lassen, bevor Sie die Fugenstreifen bzw. die Fliesenversiegelung aufbringen.

3. Schritt: Fugenstreifen und Versiegelung aufbringen
Damit die überstrichene Fläche wieder nach richtigen Fliesen aussieht, können Sie nach dem Trocknen des Fliesenlacks selbstklebende Fugenstreifen anbringen. Achten Sie dabei auf leichten Zug, aber überdehnen Sie die Fugenstreifen nicht. Verkleben Sie die Streifen zunächst in die waagerechten Fugen und erst dann in die senkrechten Fugen. Drücken Sie dabei besonders die Fugenkreuze stark an und geben Sie den Streifen noch mehr Halt, indem Sie erst sanft und dann fester mit einem weichen Tuch drüberfahren. Um das Ganze zu fixieren, tragen Sie anschließend Fliesenversiegelung als Schutzschicht auf. Dazu benutzen Sie am besten wieder eine neue Schaumstoffrolle. Nach einem Tag kann die Fliesenfläche wieder genutzt werden. Für eine starke Beanspruchung, zum Beispiel um die gestrichenen Fliesen zu reinigen, sollten Sie sieben Tage warten.

Extratipps für ein perfektes Ergebnis

  • Bereiche, die nicht lackiert werden sollen, sorgfältig abkleben und abdecken
  • Für jede Lackschicht eine neue Schaumstoffrolle nehmen
  • Abklebeband nach jedem Lackiervorgang entfernen und vor dem nächsten Durchgang neues Klebeband anbringen
  • Darauf achten, dass kein Wasser aus Wasserhähnen, Rohren oder Heizungen auf die frische Lackschicht tropft
  • Für gute Belüftung der Räume sorgen, in denen Sie die Fliesen streichen
  • Durchzug vermeiden, damit kein Staub aufgewirbelt wird, der sich auf die frisch lackierten Flächen legen kann
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Bild: © Karin & Uwe Annas / Fotolia

Sonderfall: Fliesen verschönern in einer Mietwohnung

Sind Sie der Hauseigentümer, können Sie die Fliesen nach Lust und Laune lackieren. Anders sieht es in einer Mietwohnung aus. Sollten Sie in einer Mietwohnung wohnen, dürfen Sie die Fliesen in Küche oder Bad nicht einfach überstreichen, sondern Sie müssen sich die Erlaubnis des Vermieters einholen. Lassen Sie sich die Erlaubnis schriftlich geben und bestätigen, dass Sie die Fliesen bei Auszug nicht wieder in den Ursprungszustand versetzen müssen.
Sollte der Vermieter Ihnen die Erlaubnis nicht erteilen, können Sie alte, hässliche Fliesen in Ihrer Mietwohnung aber auch anders verschönern. Dazu gibt es im Fachhandel verschiedene Fliesenaufkleber und selbstklebende Fliesenbilder in unterschiedlichen Farben und Dekoren für jeden Geschmack, die einfach auf die vorhandenen Fliesen geklebt werden. Bei Auszug können die Fliesenaufkleber einfach rückstandslos wieder entfernt werden.

Fazit
Wem seine alten Fliesen in Bad oder Küche nicht mehr gefallen, der braucht nicht gleich alle Fliesen rauszureißen und neue zu verlegen. Denn das ist teuer und macht viel Dreck. Einfacher und deutlich günstiger kommt man an ein neues Outfit für alte Fliesen, wenn man sie einfach überstreicht. Dafür gibt es spezielle Fliesenfarbe auf Epoxidharzbasis auf dem Markt, die so strapazierfähig ist, dass man damit sogar Bodenfliesen streichen kann. Ganz nach individuellen Vorlieben sind Fliesenlacke in unterschiedlichen Farben zu haben. Hat man sich für eine Fliesenfarbe entschieden, kann man die alten Fliesen im Handumdrehen verschönern. Dazu sind folgende Schritte notwendig:

  • 1. Vorarbeit: Fliesen gründlich reinigen und anschleifen, Fugen prüfen und ausbessern, Grundierung aufbringen und trocknen lassen
  • 2. Beschichtung: Erst Fugen, dann Fliesen auf einer begrenzten Fläche dünn streichen, dann bei der nächsten begrenzten Fläche wiederholen, bis alle Fliesen gestrichen sind, Lackschicht gut trocknen lassen und Vorgang mit neuer Rolle wiederholen, bis die alten Fliesen nicht mehr durchscheinen
  • 3. Veredlung: Selbstklebenden Fugenstreifen anbringen und Fliesenversiegelung als Schutzschicht auftragen
Aktuell Bau GmbH

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