Aktuell Bau GmbH

Die wichtigsten Faustregeln für den sicheren Weg zum Traumhaus erklärt Rainer Huhle. Der diplomierte Ökonom ist der Geschäftsführer des Bauherren-Schutzbunds e.V. (BSB)

Gerade in unsicheren Zeiten stehen die „eigenen vier Wände“ bei den Deutschen hoch im Kurs. Bei den Motiven zur Schaffung von Wohneigentum rangieren das Streben nach Sicherheit und Wertbeständigkeit sowie der Stellenwert der eigenen Immobilie als private Altersorge ganz vorn. Die Entscheidung, ob man baut, muss jeder selbst treffen. Die folgenden Faustregeln sollen allen helfen, den Weg zum eigenen Heim sicherer zu gestalten.

Sich Zeit lassen
Der Bau des eigenen Hauses ist meistens die größte private Investition im Leben. Diese Investition wird umso sicherer, je gründlicher sie vorbereitet wird. Zeitdruck ist der schlechteste Ratgeber. Es lohnt, im Vorfeld selbst „Architekt“ zu spielen und konkrete Vorstellungen zum eigenen Haus zu erarbeiten.

Wie sollen Grundriss und Raumplanung aussehen?
Wie viel Wohnfläche wird benötigt? Welche Bauweise wird bevorzugt?
Welche Ausbaustufe ist geplant? Sollen auch Eigenleistungen erbracht werden?
Werden Sonderleistungen gewünscht? Wie viel darf das Haus maximal kosten?

Clevere Bauherren übergeben ihren potenziellen Baupartnern eine konkrete Beschreibung für das gewünschte Angebot.

Vorsicht Mogelpackung

Gerade für Hausangebote gilt: Billig ist nicht immer preiswert. Häufig zeigt sich, dass aus werbewirksamen „Billigpreisen“ bei gründlicher Prüfung teure Angebote werden, weil die Leistungen unvollständig sind. Die Antwort auf die Frage, was man wirklich für sein Geld bekommt, findet sich in der Bau- und Leistungsbeschreibung.

Je konkreter Leistungsumfang, Art und Qualität der Baustoffe und Materialien sowie der Ausstattungsgrad beschrieben sind, umso geringer sind Vertrags- und Kostenrisiko. Die Bau- und Leistungsbeschreibung ist wichtiger Bestandteil des Vertrages und deshalb ist es ratsam, sie gründlich zu prüfen und auch über Leistungsumfang, Qualitätsstandards und die Kosten zu verhandeln.

Vertragspartner checken

Die Entscheidung, mit dem man baut, liegt allein beim Bauherren. Um den geeigneten Partner auszuwählen, ist es nötig, sich ein konkretes Bild über seinen künftigen Vertragspartner zu verschaffen – über Seriosität, Fachkompetenz und wirtschaftliche Leistungsfähigkeit. Schon die Qualität des Hausangebots und der Beratung sagt viel über die Kompetenz des möglichen Baupartners aus. Der Bauherren-Schutzbund e.V. bietet seinen Vereinsmitgliedern einen Firmen-Check mit Wirtschaftsauskunft an. Bauen ohne Risiko gibt es nicht. Doch das Bauherrenrisiko lässt sich möglichst klein halten.

Der Gesetzgeber verpflichtet alle Unternehmen, Sicherheit für die rechtzeitige Realisierung des Bauvorhabens ohne wesentliche Mängel zu leisten – und zwar in Höhe von fünf Prozent der Bruttovertragssumme bei der ersten Abschlagszahlung. Diese Sicherheit kann der Verbraucher einbehalten oder der Unternehmer stellt alternativ eine Fertigstellungsbürgschaft beziehungsweise eine Fertigstellungsgarantieversicherung. Sich gründlich zu informieren und die Sicherheitsleistung vertraglich zu vereinbaren, hilft, das Risiko von Firmeninsolvenzen zu mindern.

Nicht jedes Preisangebot entspricht dem Gegenwert des angebotenen Leistungsumfangs. Darum empfiehlt sich, mit Hilfe eines unabhängigen Fachmanns zu prüfen, ob die Kalkulation realistisch und marktgerecht ist. Ein Zahlungsplan kann abhängig davon, ob er ausgewogen ist oder nicht, Sicherheit geben, aber auch ein großes finanzielles Risiko verursachen.

Zahlungspläne, bei den Vorauszahlungen verlangt werden, sind nicht akzeptabel. Dagegen bieten Zahlungspläne ein hohes Maß an Sicherheit, bei denen das Prinzip „Zahlung nach Baufortschritt“ und nach tatsächlich erbrachter mängelfreier Leistung gilt.

Vertragsrisiko vermeiden

Mit der Unterzeichnung des Bauvertrages gehen der Bauherr und der Unternehmer gegenseitig Verpflichtungen ein. Es entscheidet sich, wie der Bauherr seine berechtigten Interessen wahrnehmen kann. Die Vertragsgestaltung ist so vielfältig wie die Vorstellungen privater Bauherren. Von Vorteil ist, Vertragsangebote ohne Zeitdruck zu prüfen, sich Rechtsrat bei einem Anwalt seines Vertrauens zu holen und sich gründlich auf Verhandlungen vorzubereiten.

Bei Vertragsverhandlungen sollte jeder Bauherr möglichst dafür sorgen, dass der Vertragsgegenstand eindeutig definiert ist, Vertragspreis und Festpreisgarantie verbindlich vereinbart sowie Baubeginn, Bauzeit und Fertigstellung terminlich fixiert sind. Im Bauvertrag sollten Abschlagszahlungen, Sicherheitsleistungen für Fertigstellung und Gewährleistung ebenso vereinbart sein wie die förmliche Bauabnahme.

Nicht zu vergessen: die Vereinbarung einer Vertragstrafe, wenn der Anbieter die Bauzeit schuldhaft überschreiten sollte. Wer Risiken beim Hausbau vermeiden will, braucht Kostensicherheit. Alles, was Geld kostet und Konsequenzen für die Planung hat, muss vor Vertragsabschluss geklärt werden. Nur so lassen sich Preissicherheit gewährleisten und spätere Mehrkosten verhindern.

Wer die Kosten fest im Griff behalten will, benötigt eine solide Planung: Dabei geht es darum, die Kosten für Grundstück und Erwerb ebenso zu erfassen wie die eigentlichen Baukosten, die Kosten für Außenanlagen, die Baunebenkosten und die Finanzierungskosten. Nur wer bei der Kostenplanung alle Positionen bedenkt, steht bei der Finanzierung auf sicheren Beinen.

Maßgeschneidert

Baugeld ist in Deutschland – bedingt durch sehr niedrige Darlehenszinsen – so günstig wie lange nicht mehr. Doch nach wie vor gilt: Wer ohne ausreichend Eigenkapital baut, baut auf Sand. Kreditraten müssen aus nachhaltigem Einkommen finanzierbar sein und sollten die bisherige Mietbelastung in der Regel nicht übersteigen. Ratsam ist, sich durch eine langfristige Festzinsbindung den niedrigen Zinssatz zu sichern und zugleich durch die Vereinbarung von Sondertilgungen eine ausreichende Flexibilität bei der Finanzierung zu ermöglichen. Genau wie beim Hausbau benötigt man auch vor Unterzeichnung des Kreditvertrages einen Finanzierungsplan und kompetente Beratung. Es lohnt, Darlehensangebote verschiedener Kreditinstitute einzuholen und zu vergleichen.

Qualität kontrollieren

Wer viel Geld investiert, sollte sich darauf verlassen können, dass der Vertrag erfüllt und das Bauwerk mängelfrei in der vereinbarten Zeit zum vereinbarten Festpreis errichtet wird. Um sicher zu sein, dass die Bauausführung fachgerecht gemäß den allgemein anerkannten Regeln der Technik erfolgt, ist deshalb jedem Bauherrn eine baubegleitende Qualitätskontrolle – wie sie der Bauherren – Schutzbund e.V. anbietet – zu empfehlen.

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!

Ich akzeptiere

Please enter your name here