Haus des Jahres 2018

Was es bei einem Hanghaus zu beachten gilt

Ein Haus in Hanglage zu bauen, ist in der Regel ein anspruchsvolles, aber durchaus machbares Bauprojekt. Dabei sind beim Hanglagenbau aber einige Aspekte zu beachten, damit Ihr Traumhaus an der Schräge ein voller Erfolg wird. Der große Vorteil des Bauens am Hang: die unverbaubare Aussicht und je nach Lage oft auch der günstige Grundstückspreis. Doch worauf muss man bei einem Bau am Hang achten? Welche Bauweisen gibt es für Häuser in Hanglage? Muss man auf einen Keller verzichten? Und birgt ein Hanghaus nicht auch zusätzliche Risiken? In diesem Artikel finden Sie alle wichtigen Informationen über das Bauen in Hanglage – inklusive Vor- und Nachteile.

Untersuchung und Vorbereitung des Baugrunds am Hang

Bevor Sie sich von dem tollen Ausblick bei einem Grundstück in Hanglage verführen lassen, sollten Sie das Bauland genau in Augenschein nehmen: Denn ein felsiger Untergrund zeigt Ihnen, dass die Gründung aufwendig und teuer werden kann. Hingegen kann ein Untergrund aus Lehm oder Mergel bei Regen für Rutschgefahr sorgen, weshalb ein Erdrutsch drohen kann und Maßnahmen zur Rutschhemmung für Haus und Bewohner ergriffen werden müssen.
Hält das Hanggrundstück einer ersten Sichtprüfung stand, sollten Sie es vor dem Kauf im Rahmen eines Bodengutachtens überprüfen lassen. Denn nur durch eine genaue geologische Untersuchung kann festgestellt werden, ob der Untergrund beispielsweise ausreichend tragfähig und stabil genug gegen Abrutschen ist und ob es Probleme mit Wasser im Boden gibt. So lassen sich zusätzliche Kosten für nachträgliche Befestigungsarbeiten sparen oder der Kauf ganz vermeiden, wenn die geschätzten Kosten zu hoch sind.
Folgende Punkte sind bei einem Bodengutachten fürs Bauen in Hanglage zu beachten:

  • Wie sieht die Bodenbeschaffenheit des Baugrunds aus?
  • Ist die Tragfähigkeit des Bodens ausreichend?
  • Bietet der Boden genug Stabilität gegen Abrutschen?
  • Sind wasserführende Schichten vorhanden?
  • Ist mit Problemen durch Hangwasser zu rechnen?

All diesen Punkten kommt beim Bauen in Hanglage eine besondere Bedeutung zu. Denn an der Schräge sind die Vorbereitungsarbeiten deutlich zeitaufwändiger als bei einem ebenen Grundstück, weil mehr Erdreich abgetragen werden muss. Teilweise sind auch Aufschüttungen oder eine Stützmauer notwendig, um dem Haus am Hang mehr Stabilität zu verleihen. Deshalb ist beim Bauen in Hanglage das Hinzuziehen eines Fachmanns anzuraten.

Welche Bauweisen am Hang gibt es?

Fürs Bauen am Hang gibt es verschiedene Hangbauweisen, die nachfolgend beschrieben sind:

Hangbau mit Aushub: Normalerweise ragt die Gründung für ein Hanghaus in den Hang hinein, wenn aufgrund der Bodenbeschaffenheit ein Aushub möglich ist. Dazu werden Teile des Bodens und der Hangseite abgetragen, damit das Haus eine standsichere Gründung bekommen kann. Dabei gilt: Je tiefer der Aushub, desto stabiler steht das Haus am Hang und desto besser ist die Dämmung der entsprechenden Hausseite.
Split-Level-Bau: Beim Split-Level folgen die Wohnräume im Haus dem abfallenden Höhenniveau. Erdgeschoss und oberen Geschosse liegen dann in verschieden hohen Hanglagen. Die Split-Level-Bauweise ist bautechnisch sehr aufwändig, architektonisch aber auch besonders ansprechend.
Stelzenbau: Ist ein Hangbau wegen des hohen Gefälles kaum im normalen Kostenrahmen umsetzbar, bietet sich ein Stelzenbau an. Das Erdgeschoss liegt dabei ein Stockwerk über dem Erdniveau, wobei die Haustür dann an der Rückseite des Hauses platziert wird.

Hangbau-154511
Bild © Seltrecht/pixelio

Auf die Himmelsrichtung achten

Noch mehr als auf einem ebenen Grundstück sollte bei einem Hanghaus die Himmelsrichtung in der Bauplanung berücksichtigt werden:

Bauen am Nordhang: Interessieren Sie sich für ein Baugrundstück an einem Nordhang, sollte die mögliche Bebauung oberhalb des Baulands geprüft werden. Denn Gebäude werfen oft lange Schatten und gerade bei der Hangbebauung kann man mit einer „Verschattung“ von 30 Metern und mehr rechnen. Beim Bauen am Nordhang müsste dem Sonnenmangel zum Beispiel mit großen Fenstern begegnet werden. Wichtig zu wissen: Bei Häusern an einem Nordhang können Sonnenkollektoren nur eingeschränkt genutzt werden.
Bauen am Südhang: Ein Grundstück in Südhanglage ist ideal, denn hier hat man in der Regel Sonne satt und nach Norden ist das Haus vor Wind und Wetter geschützt. Wer an einem Südhang baut, für den bietet sich die Nutzung von Sonnenkollektoren geradezu an.
Bauen am Ost- oder Westhang: Grundstücke an einem Ost- oder Westhang bieten einen Kompromiss zwischen extremer Sonneneinstrahlung und extremer Verschattung. Dabei müssen Sie je nach Ausrichtung des Baulands entweder nur auf die Morgen- oder nur auf die Abendsonne verzichten.

Kann man ein Hanghaus mit Keller bauen?

Häuser in Hanglage werden üblicherweise ohne unterirdischen Keller gebaut. Stattdessen werden die Wohn- und Nutzräume in einem Haus in Hanglage anders aufgeteilt: Häufig genutzte Räume, wie Wohn-, Ess- und Schlafzimmer, werden zur Aussichtsseite hin ausgerichtet, während Abstellräume, Treppenhäuser usw. an der fensterlosen Hangseite platziert werden. Möchten Sie nicht auf Kellerräume verzichten, können Sie bei entsprechender Bodenbeschaffenheit auch Kellerräume bauen, wobei mindestens eine Seite des Kellers aus dem Erdreich herausragen wird. Der Vorteil: Der Keller hat damit einen separaten Eingang nach draußen. Zudem kann der Keller unter gewissen Voraussetzungen auch als Garage genutzt werden.

Ist das Bauen in Hanglage immer teurer?

Das Bauen in Hanglage gilt als besonders kostenintensiv und leider muss man bei einem Hanghaus tatsächlich meistens mit einem baulichen Mehraufwand rechnen, der sich auch finanziell niederschlägt.
Folgende Gründe können das Bauen in Hanglage besonders aufwändig und teuer machen:

  • Aufschütten der Talseite bzw. Einschnitt der Bergseite
  • Maßnahmen zur Baustelleneinrichtung
  • Absicherung des Hanggrundstücks
  • Bauwerksabdichtung bei auftretendem Hangwasser

Dabei kommt es aber immer auf den Baustil, die Planung, die Bodenbeschaffenheit und die Hangneigung an, mit wie viel Mehrkosten zu rechnen ist. Beträgt die Hangneigung beispielsweise mehr als 15°, dann sollte man vom Bauen an diesem Hang Abstand nehmen. Denn die zusätzlichen Absicherungen, die hier nötig wären, wären einfach zu teuer.

Mit welchen Risiken muss man beim Hanghaus rechnen?

Ein Haus am Hang zu bauen, ist nicht nur aufwändiger bei der Erschließung als beim Bauen auf ebener Fläche, sondern birgt auch zusätzliche Risiken:

Schäden durch Hangwasser
Hangwasser ist eine besondere Form des Sickerwassers. Dabei handelt es sich um Schichtenwasser, welches bei Niederschlägen auftreten kann. Hangwasser kann ein Risiko bei einem Hanghaus darstellen. Einmal müssen Sie die Baustelle während der Bauphase vor Regen und Staunässe schützen, damit es nicht zu Schäden oder Verzögerungen kommt. Ist das Hanghaus fertig, kann das Hangwasser ebenfalls zum Problem werden. Denn wie bei einem Staudamm können sich an Hanghäuser hangseitig größere Wassermengen sammeln, was zu hydraulischem Druck und Mauerwerkschäden führen kann. Deshalb müssen bei einem Haus in Hangbauweise je nach Planung des Hauses unbedingt die aktuellen Vorschriften der DIN 18531 bis 18535 eingehalten werden, die verschiedene Regelungen für den Schutz von Bauwerken gegen Feuchtigkeit und Wasser enthalten. Dabei gelten seit Juli 2017 mehrere neue Abdichtungsnormen für unterschiedliche Bereiche:

  • DIN 18531 – Abdichtung von Dächern sowie Balkonen, Loggien und Laubengängen
  • DIN 18532 – Abdichtung von befahrbaren Verkehrsflächen aus Beton
  • DIN 18533 – Abdichtung von erdberührten Bauteilen
  • DIN 18534 – Abdichtung von Innenräumen
  • DIN 18535 – Abdichtung von Behältern und Becken

Gefahren durch Erdrutsche
Wie bereits erwähnt, sollte vorm Baubeginn am Hang unbedingt ein Bodengutachten von einem Fachmann eingeholt werden. Denn die Baugrunduntersuchung kann über mögliche Risiken hinsichtlich des Bodens aufklären. Trotzdem sind nicht alle Veränderungen in der Zukunft auszuschließen. So kann es an einem Hang durch langsame Veränderung der Bodenverhältnisse oder durch unvorhersehbare Naturereignisse trotzdem zu einem kleinen oder großen Erdrutsch kommen, der eine große Gefahr für das das Haus, zum Beispiel durch entstehende Risse, oder gar das Leben der Hausbewohner darstellen kann.

TIPP:
Elementarschadenversicherung abschließen!

Für ein normales Wohnhaus reicht normalerweise eine Gebäudeversicherung, die das Haus gegen Wasser-, Feuer- oder Sturmschäden versichert. Steht das Haus an einem Hang, ist eine zusätzliche Elementarschadenversicherung empfehlenswert. Denn mit dieser Versicherung sind auch Folgeschäden von Erdrutschen, Lawinen usw. abgesichert.

Vor- und Nachteile eines Hanghauses

Wer ein schönes Hanggrundstück gefunden hat, der kann sich zumeist über eine tolle Aussicht und einen unverbaubaren Blick freuen. Handelt es sich darüber hinaus sogar um einen Südhang, wird das neue Heim auch noch wunderbar von Sonnenlicht beschienen.
Allerdings hat das Bauen am Hang auch einige Nachteile. Allgemein gilt: Je steiler der Hang ist, desto mehr Treppen werden in und um das Haus herum benötigt, was gerade im Alter zum Problem werden kann. Beim Bauen am Nordhang kann es im Haus zudem relativ dunkel werden, da wenig Sonne das Grundstück erreicht. Des Weiteren ist das Bauen am Hang meistens aufwendiger und teurer als ein Hausbau auf ebener Fläche. So muss die Baugrube besonders abgesichert werden, die Talseite muss aufgeschüttet bzw. die Bergseite eingeschnitten werden und es ist auf eine ausreichende Bauwerksabdichtung zu achten, der das Gebäude vor auftretendem Hangwasser schützt. Zu guter Letzt sollten auch die Risiken nicht verschwiegen werden: Trotz Bodengutachten kann es durch Naturereignisse o. ä. zu Problemen durch sich stauendes Hangwasser oder durch Erdrutsche kommen.

FAZITEin Haus am Hang bietet die schönste Lage und hat meist unverbaubare Aussicht. Die Gründung für das Haus kann in unterschiedlicher Weise realisiert werden. Der Bau ist durch die besonderen Standortfaktoren jedoch aufwändiger und damit teurer. Auch besteht die Gefahr, dass Hangwasser sich staut oder Verschiebungen im Untergrund Schäden am Bauwerk verursachen.

Hausw%C3%A4rts1-250x250

Über den Autor

Unser Autor Martin Kirschner ist Leiter des Ytong Bauherrenberatungszentrums für Berlin und Brandenburg in Berlin Schöneberg.

Der gelernte Baustoffkaufmann ist seit 2002 in der Immobilienbranche tätig und hat weit über 1200 Bauherren rund um Ihre Hausplanung und den Hausbau beraten.

Für Ihren persönlichen Beratungstermin besuchen Sie www.hauswaerts.de!

 

Aktuell Bau GmbH

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here

* Die Checkbox für die Zustimmung zur Speicherung ist nach DSGVO zwingend.

Ich stimme zu.