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Varianten, Voraussetzungen, Kosten

Im Sommer draußen frühstücken oder sich am Nachmittag die wärmende Sonne ins Gesicht scheinen lassen – ein Balkon ist Lebensfreude pur. Schade nur, wenn das Eigenheim oder die Eigentumswohnung keinen Balkon hat. Da kommt schnell die Überlegung auf, ob nicht ein nachträglicher Balkonanbau möglich ist, um sich den Traum vom eigenen Freiluftzimmer zu erfüllen. Doch kann man wirklich an jedes Haus einen Balkon anbauen? Was sind die Voraussetzungen dafür? Welche Balkonvarianten zum Anbauen gibt es überhaupt? Worauf muss man sonst noch achten? Und mit welchen Kosten muss man rechnen? Viele Fragen, auf die Sie hier eine Antwort bekommen.

Welche Balkonvarianten zum Anbauen gibt es?

Wer sich einen Balkon ans Eigenheim anbauen lassen will, kann je nach baulichen Voraussetzungen, Vorlieben und Budget zwischen verschiedenen Varianten wählen, die nachfolgend kurz vorgestellt werden sollen.

  • Vorstellbalkon: Der sogenannte Vorstellbalkon gilt als die einfachste Konstruktion, da sie selbst tragend ist. Dabei wird der Vorstellbalkon von vier Stützen getragen, die vor das Gebäude ins Erdreich auf Punkt- oder Streifenfundamente gestellt und an der Fassade punktuell verankert werden. Da das Gewicht des Vorstellbalkons auf den Stützen lagert, greift solch ein Balkon nicht in die Statik des Hauses ein. Voraussetzung ist allerdings, dass die Stützen auf dem eigenen Grundstück stehen können.
  • Anbaubalkon: Ein sogenannter Anbaubalkon wird auf der einen Seite durch rostfreie Verankerungen direkt mit dem Haus verbunden, auf der anderen Seite steht er auf zwei Stützen, die wiederum auf Punktfundamenten im Erdreich vor dem Gebäude stehen. Wandseitig wird das Gewicht des Balkons vom Gebäude getragen, während der andere Teil des Gewichts auf den zwei Stützen verteilt liegt.
  • Freitragender Balkon: Auch freitragende Balkons können als nachträglicher Anbau konstruiert werden. Diese Form ist dann notwendig, wenn vor dem Gebäude kein Platz für die Stützen eines Anbau- oder Vorstellbalkons ist, weil sich dort zum Beispiel eine Einfahrt befindet, oder weil die Stützen optisch als störend empfunden werden. Für einen freitragenden Balkon werden spezielle Träger an der Hauswand befestigt, an die der Balkon dann gehängt werden kann. Dabei trägt die Hausfassade das komplette Gewicht des Balkons, sodass bei dieser Variante ein besonders stabiles Mauerwerk vonnöten ist.
  • Nischenbalkon: Je nach baulichen Voraussetzungen Ihres Hauses kommt eventuell auch ein sogenannter Nischenbalkon infrage, der in Häuserecken oder Nischen eingepasst werden kann. Solche Nischenbalkons gibt es als Eck- oder als integriertes System. Nischenbalkons können als Vorstell-, Anbau- oder freitragender Balkon realisiert werden.
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Bild © Dirscherl-pixelio

Kann man an jeden Altbau einen Balkon anbauen?

Viele Altbauten haben keinen Balkon. Will man auf die gesteigerte Lebensqualität durch einen Freisitz nicht verzichten und sich nachträglich einen Balkon anbauen lassen, sind zunächst die baulichen Voraussetzungen zu beachten. Denn für einen stabilen Balkonanbau sind die Statik und Tragfähigkeit des Gebäudes entscheidend. Vor allem bei Altbauten, die 30 Jahre oder älter sind, kann es bei der Bausubstanz schon mal Probleme geben, sodass ein freitragender Balkon eventuell nicht infrage kommt. Denn wie bereits erwähnt, lastet das gesamte Gewicht des freitragenden Balkons an der Hauswand, während bei Vorstell- und Anbaubalkons das Gewicht zusätzlich oder ganz auf den Stützen lagert. Zudem setzt die sichere Verankerung bei einem freitragenden Balkon, aber auch bei einem Anbaubalkon einigermaßen stabiles Mauerwerk voraus, um die Statik zu erhalten, was bei Altbauten aus Backsteinen oder mit hölzernen Zwischendecken oft nicht der Fall ist. Häuser mit einem Baujahr ab den 70er Jahren dürften hingegen stabil genug sein, um auch einen freitragenden Balkon anzubauen. Im Zweifelsfall sollten Sie bei der Balkonauswahl einen Statiker oder einen spezialisierten Balkonbauer zu Rate ziehen.

An welcher Stelle sollte man den Balkon anbauen?

Die Ausrichtung eines Balkons spielt für das persönliche Wohlgefühl eine entscheidende Rolle. Fragen Sie sich, wie Sie Ihren Balkon am liebsten nutzen möchten. Dabei ist Folgendes zu beachten:

  • Fürs ausgiebige Sonnenbaden braucht man einen Südbalkon.
  • Für den Sonnenaufgang beim Frühstücken ist ein Balkon gen Osten zu empfehlen.
  • Romantische Sonnenuntergänge lassen sich auf einem Westbalkon am besten genießen.

Zudem sollten Sie darauf achten, dass keine Fenster unterhalb des Balkons beschattet werden. Auch muss für Vorstell- und Anbaubalkons genug Platz für die Stützen vor der ausgewählten Hauswand sein und die Bodenbeschaffenheit muss es ermöglichen, hier entsprechende Punkt- oder Streifenfundamente für die Stützen zu realisieren.

Ist ein Balkonanbau genehmigungspflichtig?

Um nachträglich einen Balkon anbauen zu dürfen, braucht man in Deutschland in der Regel eine Baugenehmigung, die Sie bei der zuständigen Behörde beantragen müssen. Je nach Bundesland müssen dafür verschiedene Voraussetzungen erfüllt sein und auch im Bebauungsplan kann es Vorschriften geben, die einen Balkonbau betreffen. So kann es sein, dass bestimmte Baulinien nicht überbaut werden dürfen oder Ähnliches. Deshalb sollten Sie sich vor der Planung eines nachträglichen Balkons mit der örtlichen Baubehörde in Verbindung setzen, um alle Bedingungen für einen nachträglichen Balkonbau vorab zu klären. In der Regel wird ein Balkon von einem Architekten oder Balkonbauer geplant, der sich mit dem richtigen Vorgehen genau auskennt.

Wichtig
Falls sich Ihre Eigentumswohnung in einem Mehrfamilienhaus befindet und Sie den nachträglichen Anbau eines Balkons planen, müssen alle Eigentümer Ihrem neuen Balkonanbau schriftlich zustimmen.

Was sollte bei der Balkonplanung noch beachtet werden?

Neben den genannten Aspekten sollte bei einem nachträglichen Balkonanbau auch noch folgende Punkte Beachtung finden.

  • Balkonvariante: Sind aufgrund der guten Statik des Hauses mehrere Balkonvarianten möglich, können Sie sich für eine Balkonvariante entscheiden. Dabei gelten der Vorstellbalkon und der Anbaubalkon als die energetisch und häufig auch wirtschaftlich besten Konstruktionen.
  • Größe: Die Grundfläche eines neuen Balkons sollte mindestens 4 Quadratmeter betragen, wobei 6 Quadratmeter und mehr für deutlich mehr Spielraum, aber auch höhere Kosten sorgen. Zudem sollte der Balkon für ausreichend Bewegungsfreiheit mindestens 1,5 m tief sein. Soll die Hausfassade später vielleicht noch gedämmt werden, rechnen Sie am besten noch mal rund 20 cm dazu, damit der Balkon durch die nachträgliche Dämmung nicht zu schmal wird.
  • Brüstung: In den Landesbauordnungen sind Mindesthöhen für Balkonbrüstungen vorgesehen. Je nach Bundesland variieren die Mindesthöhen zwischen 80 bis 90 cm, wobei eine Balkonbrüstungshöhe von 100 cm ein größeres Sicherheitsgefühl gibt. Zu beachten ist auch, dass Passanten oder Nachbarn bei transparenten Brüstungen auf Ihren Balkon schauen und Ihre Privatsphäre verletzen können. Besser sind in dichter bebauten Gegenden deshalb geschlossene oder teiltransparente Brüstungen, bei denen nur der obere Teil durchsichtig ist.
  • Balkontür: Um bequem auf ihren Balkon zu gelangen und gegebenenfalls noch ein Tablett hinauszutragen, sollten Sie eine Balkontürbreite von 80–90 cm wählen. Dabei sollte der Zugang zum Haus möglichst ohne Schwelle konstruiert werden. Empfehlenswert sind Balkontüren der Widerstandsklasse RC2 oder RC3, um sich vor Einbrechern zu schützen.
  • Zeitpunkt für den Anbau: Aus Kostengründen ist der beste Zeitpunkt für einen Balkonanbau genau dann, wenn Sie gerade eine energetische Sanierung mit neuer Dämmung der Außenwände ansteht. Dann können Sie die Anschlüsse Ihres Balkons an die Fassade ideal planen und den Balkonbau mit den anderen Sanierungsmaßnahmen koordinieren.

Wie viel kostet ein nachträglicher Balkonanbau?

Balkone für den nachträglichen Anbau gibt es in unzähligen Varianten, Materialien, Größen usw. Deshalb variieren entsprechend auch die Kosten, wobei aber auf jeden Fall mit mehreren Tausend Euro zu rechnen. Denn Sie müssen nicht nur den Balkon selbst, sondern auch die Balkontür, die Brüstung und die Montage bezahlen. Die Kosten für einen nachträglichen Balkonanbau liegen in der Regel immer höher als für einen geplanten Balkon bei einem Neubau, weil zum Beispiel gegebenenfalls zusätzlich ein Fenster entfernt und eine Balkontür eingebaut werden muss. Dabei sollten sie aber nicht vergessen, dass ein moderner Balkon den Wert Ihrer Immobilie deutlich steigert – und natürlich Ihre persönliche Lebensqualität!
Als Balkonkonstruktionen für einen nachträglichen Anbau gibt es den Vorstellbalkon, den Anbaubalkon oder den freitragenden Balkon. Je nach Tragfähigkeit des Mauerwerks, Landesbauordnung und Bebauungsplan kommen nicht immer alle Varianten infrage. Dabei ist ein nachträglicher Balkonanbau in der Regel immer genehmigungspflichtig.
Wenn Sie einen Balkon anbauen wollen, sollten Sie zudem auf die richtige Himmelsrichtung, eine komfortable Größe, eine breite Balkontür und eine ausreichend hohe Brüstung achten. Empfehlenswert ist der Balkonanbau dann zu planen, wenn sowieso gerade eine Fassadensanierung ansteht. So erstrahlt Ihr Haus hinterher komplett in neuem Glanz.

Fazit
Ein Balkon erhöht die Lebensqualität und damit den Wert eines Hauses. Verschiedene Varianten lassen sich auch an einem Altbau anbringen, wo eine freitragende Konstruktion nicht infrage kommt. Jedoch gilt es, beim nachträglichen Anbau die Bauvorschriften zu beachten.

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