Aktuell Bau GmbH

Gaben sich in den 50er Jahren die Menschen in Deutschland noch mit durchschnittlich 17 Quadratmeter Wohnraum pro Person zufrieden, sind es heute durchschnittlich 41 Quadratmeter pro Person. Die Ansprüche an den Platzbedarf sind demnach stark gestiegen. Kein Wunder also, dass immer mehr Hauseigentümer über eine Aufstockung ihrer Immobilie nachdenken, indem z.B. ein Schrägdach angehoben und das Haus mit einer zusätzlichen Etage versehen wird oder ein Flachdach mit einem Schrägdach aufgestockt wird. Je nach baulichen Gegebenheiten bieten sich für die Aufstockung eines Gebäudes zur Wohnraumgewinnung verschiedene Bauweisen an, die im Folgenden genauer unter die Lupe genommen werden sollen.

Ständerbauweise – Leichtgewicht aus Holz und Stahl

Die Ständerbauweise ist eine Konstruktion aus Holz und Stahl. Der größte Vorteil ist das geringe Gewicht, sodass nur selten statische Probleme auftauchen. So können sich teure Verstärkungen mit Stahlträgern meistens gespart werden und in Kombination mit Trockenbauwänden sind oft nicht mal zusätzliche Stützpfeiler im Erdgeschoss notwendig. Da die Aufstockung in Ständerbauweise sehr schnell vonstattengeht, ist das Haus im Handumdrehen wieder wetterfest und ein Auszug während des Umbaus ist meistens nicht notwendig.

Vorteile der Ständerbauweise:

  • leicht, dadurch selten statische Probleme
  • meistens keine Verstärkungen und zusätzlichen Stützpfeiler nötig
  • relativ schnell montiert, deshalb meistens kein Auszug notwendig
  • vergleichsweise günstig

Nachteile der Ständerbauweise:

  • Innenausbau kann nur bei ausreichend Fachwissen in Eigenregie erfolgen
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Bild: © viennapro / Fotolia

Holztafelbauweise – mit vorgefertigten Elementen

Noch schneller aufgebaut ist die Aufstockung, wenn bereits vorgefertigte Elemente in Holztafelbauweise Verwendung finden. Ein Fachbetrieb benötigt dafür – ohne Innenausbau –in der Regel nur ca. 3–5 Tage. Solche individuell vorgefertigten Elemente haben bereits eine integrierte Installationsebene und sind mit Gipskartonplatten ausgekleidet, sodass der Ausbau später leichter selbst durchzuführen ist, was zusätzlich Kosten spart. Die Holzkonstruktionen sind zudem verwindungssteif und nicht anfällig für Rissbildung, sodass sie die alte und die neue Baukonstruktion leichter aneinander anpassen lassen.

Vorteile der Holztafelbauweise:

  • leicht, dadurch selten statische Probleme
  • Aufbau (ohne Innenausbau) innerhalb von 3–5 Tagen
  • meistens keine Verstärkungen und zusätzlichen Stützpfeiler nötig
  • Elemente mit integrierter Installationsebene und mit Gipskartonplatten beplankt, dadurch Innenausbau in kostengünstiger Eigenregie möglich

Nachteile der Holztafelbauweise:

  • sehr genaue Planung nötig, da Elemente individuell gefertigt werden

Massivbauweise – Aufstockung mit Mauerwerk

Soll ein massives Ziegelhaus mit Mauersteinen aufgestockt werden, muss besonders auf die Statik geachtet werden. Gegebenenfalls sind zusätzliche Baumaßnahmen und Stützpfeiler nötig, um die neue Etage in schwerer Massivbauweise zu tragen. Befindet sich das Dach in einem guten Zustand, kann auch über eine sogenannte Kniestockerhöhung nachgedacht werden. Dabei wird das Dach mit einem Kran angehoben, die bestehenden Wände werden aufgemauert und das Dach wieder aufgesetzt. Bei einer Anhebung um 80 cm kann ca. 30 % mehr Wohnraum im Dachgeschoss geschaffen werden.
Auf jeden Fall sollten dieselben Steine verwendet werden wie beim Ursprungsgebäude. Denn durch unterschiedliches Ausdehnungsverhalten verschiedener Materialien können sonst leicht Risse in der Außenwand entstehen. Auch wenn laut Energieeinsparverordnung dickere Mauersteine als die alten Ziegel vorzuziehen sind, sollten Sie im Zweifelsfalle das neue Stockwerk lieber mit den gleichen dünnen Mauersteinen wie das Ursprungsgebäude aufbauen und dann das gesamte Haus einheitlich mit einem Wärmeverbundsystem neu einkleiden. So entsteht eine einheitliche Optik und die alten und neuen Etagen sind nicht mehr voneinander zu unterscheiden.

Vorteile der Massivbauweise:

  • massiv, dadurch sehr langlebig
  • erhöht den Wert des Hauses
  • verkleidet mit Wärmeverbundsystem lässt sich einheitliche Optik erzeugen
  • ideal für Kniestockerhöhungen

Nachteile der Massivbauweise:

  • sehr genaue statische Planung notwendig
  • oft muss das Fundament verstärkt und extra Stützpfeiler müssen eingesetzt werden
  • insgesamt teuer als die leichten Bauweisen

TIPP:Bevor Sie sich für eine der Bauweisen zur Hausaufstockung entscheiden, sollten Sie einen Architekten und gegebenenfalls einen Statiker zu Rate ziehen. Denn gerade die Massivbauweise stellt hohe statische Anforderungen an das Bestandsgebäude, sodass oft teure Vorarbeiten notwendig sind. Eine genaue Kalkulation durch einen Fachmann kann sie bezüglich der Kosten vor einer bösen Überraschung bewahren.

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