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Berechnung, Aussagegehalt und Zuverlässigkeit der europäischen Energielabels

Als 1998 die ersten Elektro-Haushaltsgeräte eine Energiekennzeichnung erhielten, setzte eine neue Ära ein. Dass die Nachfrage unter Verbrauchern und die Möglichkeiten zu technischen Neuerungen groß waren, zeigte sich daran, dass die anfängliche Einteilung in die Klassen A bis G schon bald verfeinert wurden musste. So gilt heute nicht mehr die Klasse A als bestmögliche Wahl mit Blick auf die Energieeffizienz eines Gerätes, sondern ein A+++. Die Klassen F und G dagegen existieren bei einigen Geräten schon nicht mehr, vielfach werden nur noch A-Label vergeben.

Was der Verbraucherwille allein nicht bewirken konnte, wurde und wird durch zahleiche EU-Verordnungen mit mehr oder weniger starkem Druck angeschoben. So besteht heute nicht allein eine Kennzeichnungspflicht; Geräte, die den Mindeststandards der immer wieder neu aufgelegten Verordnungen nicht entsprechen, dürfen innerhalb Europas nicht mehr ausgeliefert werden.

Was aber besagen die Labels, außer dass das eine Gerät mehr und das andere weniger Energie verbraucht? Und was ist der Unterschied zwischen einem Gerät der Klasse A und einem der Klasse A+++? Bezeichnet der Buchstabe A immer ein energieeffizientes Gerät oder gleicht die Etikettierung hier zuweilen einem Etikettenschwindel? Im Folgenden stellen wir Ihnen die wichtigsten Merkmale und Eigenschaften energieeffizienter Haushaltsgeräte vor und erläutern, worauf es beim Lesen der Etiketten ankommt.

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Bild: © Gerhard Seybert / Fotolia

Wie werden die Energieeffizienzklassen berechnet?

Die Energieeffizienzklassen werden innerhalb der Europäischen Union (EU) einheitlich berechnet und vergeben. Zur Berechnung der Klassen wurden Bewertungsskalen erstellt, die den Energiebedarf berücksichtigen, aber auch andere wichtige Merkmale des jeweiligen Elektrogerätes. Die Berechnung erfolgt in Prozentwerten. So geht man von einem (fiktiven) Gerät aus, das dem aktuellen Stand der Technik entspricht. Dessen Energieverbrauch wird mit dem Wert 100 % belegt. Sodann wird jedes geprüfte Gerät an diesem Wert gemessen und in ein Verhältnis dazu gesetzt.

Beispiel:

Der Energieverbrauch der Waschmaschine W1 wird in verschiedenen Waschdurchläufen (40° und 60°) gemessen. Der gemessene Wert gilt als Normalwert 100 %. Anschließend wird das Modell W2 mit dem gleichen Fassungsvermögen unter denselben Bedingungen getestet. Die Werte werden verglichen. Ergibt sich im Vergleich zu W1 ein geringerer oder höherer Energieverbrauch, wird W2 einer besseren oder schlechteren Energieeffizienzklasse zugewiesen. Der berechnete Wert wird als Energieeffizienzindex bezeichnet.

!Den niedrigsten Energieverbrauch und damit die höchste Energieeffizienz weisen im bisherigen System Geräte der A-Klassen auf. Jedes Plus, das einem A-Label hinzugefügt ist, besagt, dass ein Gerät 20 % weniger Energie benötigt als das Gerät der vorangehenden Klasse. Eine Waschmaschine mit dem Label A+++ verbraucht dementsprechend 60 % weniger Energie als eine Waschmaschine mit dem Label A.

Da der Energieverbrauch aber nicht das einzige Merkmal ist, das etwas über die Effizienz und Umweltfreundlichkeit eines Elektrogerätes besagt, werden geräteabhängig weitere Tests vorgenommen. Geprüft wird beispielsweise die Lautstärke bei Inbetriebnahme (Geräuschemission), der Wasserverbrauch, die Trocknungseffizienz oder die Lichtstärke.

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Bild: © massimo_g / Fotolia

Die A-Klasse verdient besondere Beachtung

Als interessierter Käufer gehen Sie vermutlich grundsätzlich davon aus, dass Geräte der Energieklasse A besonders sparsam im Verbrauch sind. Tatsächlich erweist sich das Durcheinander der Labels und der Vergleich mit veralteten Referenzgeräten hier jedoch als irreführend. So finden Sie auf Waschmaschinen beispielsweise noch ein Energielabel, das eine Einteilung in die Gruppen A+++ bis D vornimmt. Tatsächlich dürfen Waschmaschinen seit 2016 aber nur noch in den Klassen A+++ bis A+ ausgeliefert werden. Was bedeutet: die schlechtesten Werte innerhalb der vorhandenen Klassen erreicht die Gruppe A+, denn A bis D sind nur noch auf dem Etikett existent.

In der folgenden Tabelle haben wir Ihnen einen Überblick über Elektro-Haushaltsgeräte zusammengestellt, dem Sie die vorhandenen Energieklassen entnehmen können. Weicht die Kennzeichnung im oben beschriebenen Sinn von den tatsächlich ausgelieferten Klassen ab, finden Sie einen Hinweis darauf in der zweiten Spalte. Bitte beachten Sie aber: Die Energielabels, die auch als EU-Labels bezeichnet werden, bleiben auch in Zukunft nicht konstant gleich. Die Anforderungen an die Gerätehersteller werden beständig erhöht.

So gilt beispielsweise für Dunstabzugshauben:

  • dass sie bis 2018 in die Klassen A+ bis F,
  • von 2018 bis 2020 in die Klassen A++ bis E und
  • ab 2020 in die Klassen A+++ bis D eingeteilt werden sollen.

Auch eine Rückkehr zum alten Buchstabensystem (mit veränderten Referenzwerten) wird diskutiert. Es lohnt sich also, sich direkt vor der Anschaffung neuer Geräte einen Überblick über die aktuell geltenden Einteilungen zu verschaffen.

Denn immerhin ist so ein Label besser als nichts. Und es enthält weitere nützliche Informationen, die für den Vergleich verschiedener Geräte nützlich sind. Einige davon führen wir in der dritten Spalte der folgenden Tabelle an:

Gerät Energieklassen Zusätzliche Angaben auf dem Label
(außer Jahresstromverbrauch)
Backofen A+++ bis D
  • Größe des Garraumes
  • Energieverbrauch bei konven-
    tioneller oder Umluft-Nutzung
Dunstabzugshaube A+ bis F
Kennzeichnung aber
noch als
A bis G
  • Effizienz der Luftabsaugung
  • Fettabscheidegrad (Klasse A= über
    95 %)
  • Geräuschemission
Fernseher A++ bis E
  • Bilddiagonale
  • Leistungsaufnahme
  • Ein-/Ausschalter vorhanden?
Geschirrspüler A+++ bis A
Kennzeichnung aber
noch als
A+++ bis D
  • Wasserverbrauch (280 Spülgänge)
  • Trocknungseffizienz (A bis G)
  • Geräuschemission
Kühl- und Gefriergerät A+++ bis A
Kennzeichnung aber
noch als
A+++ bis D
  • Volumen von Kühl- und
    Gefrierbereich
  • Geräuschemission
Lampen und Leuchten, die ab dem 01.09.2013 in den Handel kamen
Vorherige:
A++ bis E
A bis G
  • Lumen (Helligkeitsmaß)
  • Energieverbrauch: Kilowatt pro 1.000
    Stunden (kWh/1.000)
  • Angaben auf einer Leuchte beziehen
    sich auf die verwendbaren Lampen
    (Leuchtmittel)
Waschmaschine A+++ bis A
Kennzeichnung aber
noch als
A+++ bis D
  • Schleuderwirkungsklasse
  • Geräuschemission
  • Wasserverbrauch
  • Beladungsmenge

TIPP:
Die beste Möglichkeit zum Vergleich der Energieeffizienz von Geräten aus einer Produktreihe gibt Ihnen der Hinweis auf den Jahresverbrauch, der auf jedem Energielabel enthalten ist. Achten Sie darüber hinaus darauf, wie differenziert sich das Elektrogerät an einen wechselnden Bedarf anpasssen lässt. Waschmaschine oder Geschirrspüler sollten eine schnelle kurze Reinigung ebenso ermöglichen wie eine Intensivreinigung oder einen Spardurchlauf.

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