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Um die richtige Heizung für ihren Neubau bzw. ihre Sanierung machen sich viele Bauherrn umfangreiche Gedanken. Soll es nun die moderne Wärmepumpe sein? Oder doch eher klassisch mit Gas, vielleicht sogar Öl? Kann vielleicht Solarthermie ergänzend eingesetzt werden? Über solche Fragen, Tabellen, sowie Vor- und Nachteile kann man tagelang brüten. Weitaus weniger Betrachtung schenken Bauherren jedoch häufig einer unmittelbar damit verbundenen Technik, welche die Heizung erst zu einem Komplettsystem macht, der Heizungssteuerung. Welche Optionen es hierbei gibt, erklärt der folgende Artikel.

  1. Warum Heizungssteuerung?

Was würde passieren, wenn man eine Heizung unreguliert betreiben würde? Sie wäre „binär“, würde nur Ein oder Aus kennen. Das Ergebnis wäre ein Haus, das immer zu warm oder zu kalt wäre. Gleichermaßen wären die Heizkosten alles andere als optimal, wahrscheinlich viel zu hoch – und mit dem zu hohen Energiebedarf ginge natürlich auch eine vollkommen unnötige Umweltbelastung einher. Nein, eine Heizung muss reguliert werden, sodass immer ein optimaler Dreiklang aus:

  • Wohlfühltemperatur
  • Energieverbrauch
  • Umweltschutz

herrscht. Dafür sorgt die Heizungssteuerung – allerdings je nach Variante auf unterschiedliche Weise. Letztendlich bricht hierbei alles auf zwei Philosophien herunter: Die Steuerung der Heizungsanlage selbst oder der jeweiligen Heizkörper.

  1. Raumtemperaturgeführte Regelung der Anlage

Beginnen wollen wir mit der Basis. Sie kann bei praktisch jedem System angewendet werden. Dabei wird ein Raum des Hauses zum Referenzraum gemacht. Dort wird dann ein Sensor installiert. Er misst konstant die dort herrschende Temperatur. Unterschreitet sie einen Schwellwert, der manuell an der Heizungsanlage selbst eingestellt wird, beginnt die Heizung, Wärme nachzuführen. Und zwar so lange, bis Ist- und Sollwert wieder deckungsgleich sind.

Der große Vorteil dieses Systems ist es, dass es relativ einfach aufgebaut ist und man bis auf die Einmal-Einstellung der Soll-Temperatur keine Einstellungen vornehmen muss. Außerdem bezieht sich die Heizung auf die tatsächlichen Temperaturverhältnisse im Haus, egal, welche Temperaturen draußen herrschen. Allerdings bedeutet das auch gewissen Aufwand beim Finden des Referenzraumes. Er muss großen Heizbedarf haben, darf aber auch nicht durch andere Faktoren (etwa Sonneneinstrahlung, Elektrogeräte usw.) anderweitig erwärmt werden. Hinzu kommt, dass hier die von der Bundesregierung empfohlenen, unterschiedlichen Raumtemperaturen nicht möglich sind. In allen Zimmern herrschen die Werte, welche der Referenzraum vorgibt – zuzüglich der Schwankungen durch architektonische Realitäten.

Geeignet für: Alle Heizungs- und Heizkörpervarianten 

  1. Außentemperaturgeführte Regelung der Anlage

Diese Variante funktioniert ähnlich über einen Sensor, der die ganze Anlage gleichermaßen beeinflusst. Bloß ist er in diesem Fall im Außenbereich installiert. Das hat den Vorteil, dass keine Referenzraumsuche notwendig ist und sorgt auch dafür, dass die Heizung schneller auf witterungsbedingte Schwankungen reagieren kann.

Der Nachteil: es können Schwankungen zwischen der Wohlfühl- und Außentemperatur entstehen. Etwa dann, wenn man einen Kaminofen bei Frost betreibt. Die Heizung würde dessen Wärmezugabe nicht bemerken und fleißig weiterheizen. Zudem ist die Standortwahl des Sensors auch hier etwas knifflig. Weder darf er in der Sonne liegen, weil sonst an sonnigen, kalten Tagen mitunter zu wenig geheizt würde, noch im Dauerschatten, weil sonst das umgekehrte Problem bestünde.

Geeignet für: Alle Heizungs- und Heizkörpervarianten

  1. Raumthermostatgesteuerte Regelung der Zimmer

Unabhängig von anderen Faktoren und der Heizungsanlage selbst sind solche Thermostate, die an der Wand installiert werden. Sie ermöglichen die klassische Einstellung auf eine Wohlfühltemperatur in diesem Zimmer – und nur dort. Sie sind vor allem dort die optimale Wahl, wo Fußbodenheizungen installiert wurden. Ferner können sie, dann jedoch mit entsprechenden Stellmotoren, auch zum Regulieren klassischer Wandheizkörper genutzt werden und sind somit sowohl eine Nachrüstlösung als auch überall dort geeignet, wo mehrere Heizkörper installiert wurden. In dem Fall steuert die Eingabe in den Thermostat dann den Stellmotor per Signal an, der dann dem Heizkörper selbst mehr oder weniger Wasser zuströmen lässt.

Der große Vorteil: Eine je nach Modell gradgenaue Regelung auf die Temperatur, die in diesem Raum gewünscht wird – natürlich zum Nachteil, dass man manuell eingreifen muss und dabei mitunter auch einen Raum vergessen kann.

Geeignet für: Alle Heizungsvarianten und besonders Fußbodenheizungen 

  1. Heizkörperthermostatgesteuerte Regelung der Zimmer

Diese Variante ist wohl die klassischste. Aber sie ist deshalb nicht schlechter. Hierbei wird der jeweilige Heizkörper unmittelbar gesteuert. Das ist beispielsweise in Zimmern, in denen nur einer vorhanden ist, die günstigere Lösung als ein Raumthermostat. Und selbst dort, wo mehrere vorhanden sind, ermöglicht es doch ein überaus feines Justieren auf die genau richtige Temperatur – etwa in einem großen Wohnzimmer wärmer dort, wo die Couches stehen und etwas kühler im Bereich der Unterhaltungselektronik.

Der Nachteil besteht freilich darin, dass man gezwungen ist, jeden Heizkörper einzeln zu regulieren. Das ist insbesondere dann, wenn man maximal energiesparendes Heizen wünscht, und somit vielleicht morgens vor dem Verlassen des Hauses herunterregeln möchte, recht unkomfortabel.

Geeignet für: Alle Heizungsvarianten im Verbund mit klassischen Heizkörpern

  1. „Smarte“ Regelung der Anlage/Zimmer

Smart Home macht natürlich auch nicht vor der Heizungsanlage halt. Faktisch ist diese sogar einer der wichtigsten Triebmotoren, welcher diesem gigantischen digitalen Trend am meisten Starthilfe gegeben hat. Grundlage ist dabei immer, die Vorteile der Digitalisierung dafür zu nutzen, die Heizung einerseits möglichst zentral zu steuern, andererseits jedoch eine maximal feine Regulierung zu erlangen. Etwas, um das es auch ganz grundsätzlich und abseits der Heizung bei dieser dritten digitalen Revolution geht.

smart-home-heizung
Foto: pixabay geralt

Faktisch haben deshalb alle wichtigen Smart-Home-Anbieter solche Geräte in ihrem Repertoire, zudem spielen auch noch die Heizungsanlagenhersteller eine sehr große Rolle. Und die Systeme eignen sich, je nach Modell, sowohl für Neuinstallation wie auch nachträglichen Einbau. Prinzipiell gibt es die folgenden Optionen:

  • Die Steuerung der einzelnen Heizkörperthermostate, die gegen Smart-kompatible Stücke getauscht wurden. Dies geschieht meist per App, kann einzelne Heizkörper regulieren oder auch gebündelt erfolgen.
  • Die Steuerung des Wandthermostats. Auch hier ist meist der Austausch gegen ein smartes Teil erforderlich, das Funktionsprinzip ähnelt jedoch dem der Heizkörperthermostate.
  • Die Steuerung der Heizungsanlage selbst. Oft geschieht dies durch eine zentral im Haus installierte Steuerungseinheit, ist aber in den meisten Fällen auch zusätzlich per App angebunden.

Dabei sei allerdings unterstrichen, dass der Markt sehr unübersichtlich ist. Zudem gibt es auch Mischformen, bei denen es sowohl möglich ist, die einzelnen Thermostate smart zu steuern wie auch die Anlage selbst.

Geeignet für: Alle Heizungs- und Heizkörpervarianten, teils auch nur bei Neuinstallation sinnvoll

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