Mit steigenden Energiekosten und fortschreitendem Klimawandel bekommen alternative Energieformen immer mehr Aufmerksamkeit. Holz wird als Brennstoff bereits seit Jahrtausenden eingesetzt und erlebt in den letzten Jahren eine echte Renaissance. Das hat nicht zuletzt mit technischen Neuentwicklungen zu tun, die das Heizen mit Holz heute so sauber und unkompliziert wie nie macht. Noch nicht allzu bekannt sind sogenannte Hackschnitzelheizungen. Doch wie funktioniert eine Hackschnitzelheizung? Für wen ist sie geeignet? Und was ist sonst noch zu beachten, wenn man sich für solch eine Holzheizung interessiert? Lesen Sie in diesem Artikel alle wichtigen Aspekte rund um diese Heizungsart.

Wie funktioniert eine Hackschnitzelheizung?

Bei einer Hackschnitzelheizung werden unbehandelte, CO2-neutrale Holzabfälle als Brennstoff eingesetzt, kein Holz aus frisch gefällten Bäumen und auch keine gepressten Pellets wie bei einer Pelletheizung. Das macht die Hackschnitzelheizung nicht nur besonders günstig, sondern auch für Umweltfreunde besonders attraktiv.
Die sogenannten Hackschnitzel werden über ein automatisches Transportsystem, die Förderschnecke, aus dem Hackgut-Lager in die Heizungsanlage transportiert und dort verbrannt, um wohlige Wärme zu erzeugen. Anders als bei einem Kamin müssen Sie sich ums „Nachlegen“ also nicht selbst kümmern, sondern die Heizung arbeitet vollautomatisch.
Das Herzstück der Hackschnitzelheizung ist der große Heizkessel, in dem das unbehandelte Hackgut verbrannt wird, das zuvor periodisch über das Transportsystem hineingeleitet wurde. Die durch die Verbrennung erzeugte Wärme wird dann über einen Wärmetauscher in den Heizungskreislauf eingeleitet, wobei nicht genutzte Wärme meistens in einem Pufferspeicher für eine spätere Nutzung gespeichert wird.
Genauso wie das Hackgut automatisch in den Heizkessel transportiert wird, wird auch die Asche automatisch aus dem Heizkessel entfernt und einer speziellen Aschetonne zugeführt. Die Aschetonne muss dann etwa alle drei Monate geleert werden, je nach Heizverhalten, Qualität des Heizguts und Fassungsvermögen der Aschetonne kann der Leerungsintervall aber auch variieren.
ir?t=bauratgeber-21&l=alb&o=3&a=3862630811

Hackschnitzelheizung mit oder ohne Pufferspeicher?

Zwar funktioniert eine Hackschnitzelheizung auch ohne Pufferspeicher, allerdings ist sie dann nicht so energieeffizient und dadurch nicht staatlich förderfähig. Der Pufferspeicher ist dabei in der Regel einfach nur ein extra stark gedämmter Wassertank mit großem Volumen (400–1600 Liter), der die Wärme gut festhalten kann. So ist es möglich, die Hackschnitzelheizung durchgängig bei niedriger Taktung zu beheizen, laufend Wärme zu produzieren und im Pufferspeicher zwischenzulagern. Das ist besonders wichtig, weil die Anfeuerungszeit bei Holzheizungen ineffizient ist.
Wie groß der Pufferspeicher idealerweise sein sollte, hängt davon ab, wie viel Leistung die Heizung hat und wie viel Energie zum Heizen benötigt wird. In der Regel sollte ein Pufferspeicher mindestens 30 Liter Wasser pro Kilowatt (kW) Nennleistung der Hackschnitzelheizung fassen. Zwar ist ein größerer Pufferspeicher besser, aber zu groß darf er auch nicht sein, weil durch das Aufheizen und die große Oberfläche wiederum mehr Wärme und damit Energie verloren geht.
Viele Hackschnitzelheizungen werden bereits inklusive Pufferspeicher verkauft. Normale Pufferspeicher nur für die Heizwärme sind für 1000–3000 € erhältlich. Kombispeicher, die Ihr Haus gleichzeitig auch mit Warmwasser versorgen, kosten etwas mehr.

pixelio418308
Bild: © Maria Lanznaster – pixelio

Großer Platzbedarf: Hackschnitzel optimal lagern

Beachtet werden muss, dass die Hackschnitzel für eine Hackschnitzelheizung irgendwo gelagert werden müssen, wobei ein großes Lagervolumen erforderlich ist. Denn anders als Pellets werden die Hackschnitzel nicht gepresst und haben deshalb ein viel größeres Volumen. Dafür bieten sich zum Beispiel ein Erdbunker, ein Silo, ein abgetrennter Raum oder ein mobiler Container an. Wichtig ist, dass das Hackgut für einen automatischen Transport in direkter Nähe zur Hackschnitzelheizung gelagert wird, und zwar an einem trockenen und gut gelüfteten Ort. Für einen Jahresvorrat Holzhackschnitzel sind etwa 1,5 bis 2 m³ pro kW Heizlast erforderlich. Hackschnitzelheizungen gelten dabei vor allem bei höherem Leistungsbedarf ab 20 kW als wirtschaftlich sinnvoll, was einem Lagerbedarf von ca. 30–40 m³ entsprechen würde, wobei natürlich auch eine häufigere Nachlieferung als einmal im Jahr möglich ist. Für drei Monate sollte der Brennstoffvorrat jedoch ausreichen.
Damit das Hackgut mit der Förderschnecke zum Heizkessel transportiert werden kann, muss das Lager abschüssig angelegt sein oder die Heizung muss über ein System verfügen, das bei der Durchmischung oder Zuführung auf die Förderschnecke hilft.

Für wen sind Hackschnitzelheizungen geeignet?

Wie bereits angedeutet, sind Hackschnitzelheizungen erst ab etwa 20 kW wirtschaftlich sinnvoll. Diese Heizungsart ist deshalb vor allem für große Altbauten, Mehrfamilienhäuser und Gebäudekomplexe zu empfehlen und wird oft in der Landwirtschaft eingesetzt. Aufgrund des hohen Lagerraumbedarfs des Holzhackguts sind Hackschnitzelheizungen vor allem in ländlichen Regionen verbreitet. Für die gleiche Leistung ist für Hackschnitzel im Gegensatz zu Heizöl beispielsweise eine 10fache Lagergröße notwendig.
Zwar sind Hackschnitzelheizungen teurer in der Anschaffung als Pelletheizungen, aber die Brennstoffkosten sind dafür viel niedriger, was sich langfristig bei großen Gebäuden schnell auszahlt. Denn unverarbeitete Hackschnitzel sind deutlich billiger als Pellets und können mit einem Hacker und ausreichend Platz zum Trocknen sogar selbst hergestellt werden.
Wichtig zu wissen: Für den Betrieb von Hackschnitzel-, aber auch Pelletheizungen wird im Gegensatz zu Gas- und Ölheizungen mehr Strom benötigt, unter anderem für das automatische Transportsystem.

Kosten und Fördermöglichkeiten

Wie teuer eine Hackschnitzelheizung ist, hängt von verschiedenen Aspekten ab. Hackschnitzelheizungen mit niedrigem Wirkungsgrad sind bereits ab 6.000 € erhältlich, effiziente Modelle kosten bis zu 15.000 €. Hinzu kommen meistens noch weitere Kosten, z. B. für die Montage, den Pufferspeicher oder die Modernisierung des Heizungskreislaufs, sodass insgesamt mit etwa 15.000 bis 25.000 € gerechnet werden muss.
Jedoch können für Hackschnitzelheizungen unter bestimmten Voraussetzungen verschiedene Fördermittel beantragt werden, z. B. beim Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA). Bei der BAFA muss dafür die bisherige Heizungsanlage älter als zwei Jahre sein und die Hackschnitzelheizung muss bestimmten technischen Anforderungen genügen.

Beispiel Basisförderung BAFA: Die Basisförderung der BAFA von automatisch mit Holzhackschnitzeln beschickten Anlagen (5 bis 100 Kilowatt) beträgt pauschal 3.500 Euro. Voraussetzung ist ein Pufferspeicher mit Mindestspeichervolumen von 30 Litern je Kilowatt.

Aber es gibt auch die Möglichkeit der Förderung durch einen günstigen Kredit der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW). So lassen sich die hohe Investitionskosten wenigstens etwas reduzieren.
Zu beachten ist, dass die laufenden Kosten für Wartung und Betrieb bei einer Hackschnitzelheizung mit ca. 800–900 € jährlich höher sind als beispielsweise bei einer Ölheizung. Die Brennstoffkosten sind hingegen extrem niedrig.

Beispiel Brennstoffkosten: Bei einem Energieverbrauch von ca. 35.000 kWh betragen die Brennstoffkosten geschätzt bei Heizöl rund 3.000 €, bei Erdöl rund 2.500 €, bei Pellets rund 1.900 € und bei Hackschnitzeln rund 1.100 € (alle Angaben ohne Gewähr).

Vor- und Nachteile der Hackschnitzelheizung

Ob sich eine Hackschnitzelheizung für Ihr Objekt auszahlt, hängt von vielen Faktoren ab. Die Investition in die Anlage ist erstmal hoch und auch für Wartung und Betrieb muss mit erhöhten Kosten gerechnet werden, dafür sind die laufenden Kosten für das unbehandelte Heizgut aus Holzabfall extrem niedrig und es können unter gewissen Voraussetzungen Fördermittel beantragt werden. Allgemein gilt eine Hackschnitzelheizung für größere Gebäude ab einem Verbrauch von 20 kW als sinnvoll.
Da die Hackschnitzel nicht gepresst sind und dadurch ein großes Volumen haben, braucht man ausreichend Lagerfläche, was wahrscheinlich eher in ländlichen Regionen der Fall ist. Dafür ist das unbehandelte Heizgut CO2-neutral und kann bei Bedarf sogar selbst hergestellt werden. Da die Hackschnitzelheizung vollautomatisch beschickt wird, ist der Betrieb sehr bequem. Nur der Aschebehälter muss von Zeit zu Zeit geleert werden.

Vorteile einer Hackschnitzelheizung

  • Sehr leistungsstarke Heizungsart
  • Extrem günstiger Brennstoff aus Holzabfall
  • Geringer CO2-Ausstoß
  • Bequemer automatischer Betrieb
  • Hackgut kann mit einem Hacker selbst hergestellt werden
  • Verschiedene Fördermittel können beantragt werden
  • Gut für größere Gebäude in ländlichen Gegenden geeignet

Nachteile einer Hackschnitzelheizung

  • Hohe Anschaffungskosten
  • Erhöhte Kosten für Wartung und Betrieb
  • Großer Platzbedarf für die Hackschnitzelheizung und die Lagerung des Hackguts
  • Gelegentliche Aschebehälterleerung notwendig
  • Für kleinere Gebäude und in Ballungsgebieten nur bedingt geeignet

Fazit:Eine Hackschnitzelheizung als sehr leistungsstarke Heizungsart eignet sich vornehmlich für größere Gebäude in ländlichen Gebieten, da der Platzbedarf sowohl für die Heizung selbst als auch für die Lagerung des Brennstoffs hoch ist. Das Hackgut ist ein extrem günstiger Brennstoff und kann aus Holzabfall selbst hergestellt werden.

Aktuell Bau GmbH

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here

* Die Checkbox für die Zustimmung zur Speicherung ist nach DSGVO zwingend.

Ich akzeptiere