Haus des Jahres 2019

Es knackt, es gluckert und alles scheint deutlich hörbar im Fluss – dennoch kommt in den oberen Stockwerken keine Heizungswärme an. Und während die Mieter im Erdgeschoss den Winter im T-Shirt überstehen, müssen sich die Bewohner der oberen oder entlegeneren Räumlichkeiten trotz hoher Verbrauchskosten warm anziehen.

Das kommt Ihnen bekannt vor? Wenn auch Sie Probleme mit der gleichmäßigen Verteilung der Heizungswärme haben und das einfache Entlüften des Heizkörpers daran nichts ändert, dann wird es Zeit für den sogenannten hydraulischen Abgleich.

Was ist ein hydraulischer Abgleich?

Ziel des hydraulischen Abgleichs ist es, dass alle Heizkörper im Haus gleichermaßen mit dem im Kessel aufgeheizten Wasser versorgt werden. Und zwar in genau der Menge, die für eine konstant erwünschte Raumtemperatur erforderlich ist. Dem eigentlichen Abgleich, der Anpassung der gesamten Heizungsanlage, gehen daher Berechnungen voraus, für die das durchführende Unternehmen exakte Daten benötigt, um die Heizlast pro Raum ermitteln zu können. So fragt der Handwerksbetrieb nach

  • den Raummaßen,
  • durchgeführten Wärmedämmungen,
  • Art der Heizungsanlage,
  • Distanz zwischen Heizungsanlage und Heizkörper,
  • Volumen der Heizungsrohre,
  • dem Vorhandensein voreinstellbarer Thermostate.

TIPP:
Das sollten Sie wissen: Ein hydraulischer Abgleich kann nur sinnvoll an Heizungsanlagen vorgenommen werden, bei denen die Heizkörper mit voreinstellbaren Thermostaten und Doppelrohren ausgestattet sind.

Wie verläuft ein hydraulischer Abgleich?

Der hydraulische Abgleich erfolgt in drei Arbeitsschritten:

1. Analyse des Ist-Zustandes und Aufnahme der benötigten Daten. Hierfür nimmt der Handwerker Ihre Heizungsanlage vom Keller bis zum Dach unter die Lupe. Die Messdaten erhält er entweder aus dem Grundriss des Hauses oder, falls keine Skizzen und Baupläne mehr vorhanden sind, aus eigenen Messungen.

2. Die Auswertung der Daten erfolgt am Computer. Eine Spezialsoftware berechnet, welche Werte in den jeweiligen Räumen am Thermostat einzustellen sind, um eine gleichmäßige Verteilung der Heizwärme zu erreichen. Darüber hinaus ermittelt die Software weitere Werte wie etwa

  • die erforderlichen Voreinstellungen an Differenzdruckreglern und Strangregulierventilen;
  • die Rohrdimensionen und Pumpenförderhöhe.

3. Im dritten Schritt schließlich erfolgt der eigentliche Abgleich. Die einzelnen Maßnahmen sind vom Ist-Zustand und von der Art der installierten Heizungsanlage abhängig. Sie umfassen beispielsweise

  • das Einstellen der Thermostate an den Heizkörpern;
  • die Korrektur der Einstellungen an der Heizungspumpe oder deren Austausch;
  • die optimale Berechnung und Einstellung der Heizkurve, also des Verhältnisses von Außen- und Vorlauftemperatur.
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Bild: © Dreadlock / Fotolia

Kann ich den hydraulischen Abgleich selbst vornehmen?

Wenn Sie mit den genannten Arbeitsschritten vertraut sind, sich also beispielsweise das korrekte Bemessen und Berechnen zutrauen, können Sie den hydraulischen Abgleich selbst vornehmen.

Ein Problem dürfte aber für die meisten Hausbesitzer in der Anschaffung und Bedienung der erforderlichen Software liegen. Zwar stehen online auch kostenlose Programme bereit1, doch erfordert deren Bedienung umfangreiche Kenntnisse. Kostenpflichtige Software ist oft leichter zu bedienen und einige Hersteller bieten Käufern zudem gratis Einführungsseminare an. Allerdings dürften Aufwand und Ergebnis hier für einen Privatnutzer in keinem vernünftigen Verhältnis stehen, da ein hydraulischer Abgleich mit ca. 500 € zu Buche schlägt.

Tipp:
Die Kosten für den vom Fachbetrieb durchgeführten hydraulischen Abgleich senken Sie, indem Sie Fördermittel beim Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) beantragen und dem ausführenden Unternehmen alle erforderlichen Daten bereitstellen, sodass sich die Arbeitszeit erheblich verkürzt.

Ergibt die Voranalyse, dass ein Austausch der Heizungspumpe oder anderer Komponenten sinnvoll ist, kommen natürlich Materialkosten hinzu. Auch hierfür stellen BAFA und die Kreditanstalt für Wiederaufbau Fördermittel, Zuschüsse und günstige Kredite bereit.

Fazit
Vorteil des hydraulischen Abgleichs: Der hydraulische Abgleich ist eine sinnvolle Maßnahme, wenn sich der Einbau einer neuen Anlage (noch) nicht rentiert. Sie profitieren nicht allein von einer gleichmäßigeren Verteilung des erwärmten Wassers, Sie dürfen sich auch über eine Senkung Ihrer Verbrauchskosten freuen. Angenehmer Nebeneffekt: Auch die eingangs erwähnte Geräuschkulisse, die darauf hindeutet, dass es in Ihrer Heizungsanlage kräftig, aber ineffizient rumort, verschwindet nach Abschluss der Maßnahme.

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