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Als „Tageleuchter“ wurden Fenster von barocken Wortschöpfern gern bezeichnet. Damals gehörte es zu den einzigen Funktionen des Fensters, Licht und Luft hereinzulassen. Und ganz nebenbei noch prachtvoll auszusehen, damit der Reichtum des Hausbesitzers auch deutlich sichtbar wurde. Heutige Fensterrahmen und Fensterverglasungen sind daran gemessen deutlich reicher an Funktionen und ihre Schönheit erweist sich in einer gewollt schlichten Gestaltung. Über die Vielfalt an begeisternden Funktionen und Merkmalen, nach denen sich moderne „Tageleuchter“ auswählen lassen, informiert Sie der folgende Überblick.

Fensterverglasung – die Basics der Energieeffizienz

Zu den Standards moderner Fenster gehört, dass sie mindestens mit einer Doppelverglasung ausgestattet sind, die für Wärme- und Lärmschutz sorgen. Planen Sie, alte Fensterverglasungen oder die kompletten Fenster auszutauschen, müssen die neuen Fenster einen bestimmten Uw -Wert aufweisen, den die Energieeinsparverordnung (EnEV) vorgibt.

Der UW-Wert beziffert, wie viel Wärmeenergie unter bestimmten Bedingungen durch das Material entweicht. Es gibt einen U-Wert für den Rahmen (UF-Wert) und einen für die Verglasung (UG-Wert). Der verbindliche Wert wird immer aus beiden Bestandteilen, also für die Kombination aus Rahmen und Verglasung berechnet.

Der UW-Wert muss bei zweifach verglasten Fenstern mindestens 1,3 W/(m2K) betragen, die Verglasung muss einen Wert von 1,1 W/(m2K) aufweisen. i Für einige Fensterarten und Spezialverglasungen können jedoch abweichende Werte zugelassen sein. So liegt beispielsweise die Mindestanforderung für Dachflächenfenster aktuell bei einem UW-Wert von 1,4 W/(m2K). Grundsätzlich gilt: Je geringer der UW-Wert ist, desto besser ist die Dämmeigenschaft eines Materials.

Über den Standard hinaus gehen bereits Dreifachverglasungen und weitere wärmedämmende Maßnahmen wie das Ausfüllen der Fenster mit geeigneten Gasen oder auch die Verwendung von Isolierglas. Derlei Premium-Verglasungen sind zwar etwas teurer als die Zweifachverglasung, mit Blick auf die mögliche Verringerung von Wärmeverlusten um bis zu 80 % lohnt sich die Anschaffung dennoch.

Einbruch- und Wetterschutz

Nicht nur Rahmen und Griffe, auch die Verglasung des Fensters trägt dazu bei, Einbrecher oder widrige Witterungseinflüsse fernzuhalten. So empfiehlt das Netzwerk Zuhause sicher e.V. (eine Initiative der Polizei) bei der Auswahl neuer Fenster an einbruchhemmende Sicherheitsfolien oder an eine einbruchhemmende Verglasung zu denken. Dies gilt besonders für Fenster, die

  • sich im Erdgeschoss befinden;
  • über Balkon oder Terrasse oder eine Aufstiegshilfe leicht zu erreichen sind;
  • außer Sichtweite von Nachbarn oder Passanten liegen.

Aus Sicherheitsgründen vorgeschrieben ist die Verwendung von Verbundsicherheitsglas übrigens für bodentiefe Fenster. Sinnvoll ist es zudem, bei Fenstern, die zur Wetterseite ausgerichtet sind, auf eine höhere Sicherheit zu achten, da die Einbruchshemmung auch vor Schäden durch Hagel schützt.

TIPP: Sicherheitsglas, das seinen Namen verdient, wird nach den Richtlinien der Deutschen Industrie-Norm gefertigt (DIN). Als angriffs- oder einbruchhemmend erweist sich insbesondere Verbundsicherheitsglas (Panzerglas) ab der Kategorie P4A.

Lärmschutzfenster

Verbundglas entsteht aus der Kombination von Glasscheiben und Spezialfolie. Zum Einsatz kommt es nicht nur in punkto Sicherheit, auch im Lärmschutz leistet Verbundglas gute Dienste. Alternativ werden Lärmschutz- oder Schallschutzfenster aus Glasscheiben verschiedener Stärke kombiniert. Die Wahl der Scheiben, die Berechnung der Abstände und die Entscheidung für oder gegen eine zusätzliche Befüllung mit Edelgas beeinflussen, vor welcher Lärmquelle und in welcher Dezibelhöhe die neuen Fenster tatsächlich schützen. Es empfiehlt sich daher, für die Auswahl der Fenster, die in sechs verschiedene Klassen eingeteilt sind, einen Fachmann hinzuzuziehen.

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Bild: © kuchina / Fotolia

Sichtschutz und Sonnenschutzverglasung

Auf ein Fenster im Bad möchte heute wohl niemand mehr verzichten – auf neugierige Blicke von außen schon. Da das Anbringen von Gardinen oder Vorhängen und Jalousien in Räumen, die einer starken Feuchtigkeitsbelastung ausgesetzt sind, wenig ratsam ist, stellen Sichtschutzverglasungen hier eine gute Lösung dar.

War Sichtschutzglas im vergangenen Jahrhundert noch eine Notlösung – als Standard diente hier das sogenannte Milchglas – überzeugt es heute durch ästhetisch anspruchsvolle Varianten von Material und Dekor. Der Sichtschutz wird beispielsweise durch die Kombination von Glasscheiben mit farbenfrohen Folien oder durch die Ornamentierung des Glases erreicht.

Nicht vor Blicken, wohl aber vor zu viel Sonne schirmt Sonnenschutzglas ab, das daher in nördlichen Breitengraden wohl eher selten geordert wird. In einigen Bereichen kann dies aber durchaus Sinn machen – für Dachfenster beispielsweise oder fürs Home-Office, in dem der Schreibtisch direkt am Fenster platziert werden soll. Sonnenschutzglas wird mit einer speziellen Beschichtung versehen und kann selbstverständlich mit weiteren Merkmalen, wie beispielsweise einer effizienten Wärmedämmung, ausgestattet sein.

Bisher wenig bekannt ist eine Verglasungstechnik, mit der sich Sichtschutz und Sonnenschutz kombinieren lassen: die Nutzung von intelligentem Glas, bei dem eine leichte elektrische Spannung oder Erwärmung dazu führt, dass sich die Lichtdurchlässigkeit automatisch ändert. Noch sind die Kosten für das smarte Glas zu hoch, als dass sich eine Massenfertigung erwarten ließe. Für die Zukunft dürfte sich aber noch einiges an spannenden Neuerungen ergeben.

Legende: W/(m2K): W steht für Watt, m2 für Quadratmeter, das K für Kelvin.
Die Buchstaben W, F und G, die beim U-Wert tief gestellt erscheinen, stehen für die englischen Bezeichnungen „Window“, „Frame“ und „Glass“.

Aktuell Bau GmbH

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