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Ein hübscher Anstrich ist nicht nur wichtig für den ersten Eindruck, den Ihre Immobilie nach außen hin macht. Die Fassadenfarbe soll das Haus auch vor Schimmel, Pilzbefall und sonstigem witterungsbedingten Verfall schützen und im Idealfall noch für ein gutes Raumklima sorgen. Bei der Auswahl der Farbe gibt es viele Optionen.

Fassadenfarben stehen unter hohen Anforderungen

Die Fassade ist täglich und zu jeder Jahreszeit Wind- und Wetter ausgesetzt. Im schlimmsten Fall hinterlässt das schnell Spuren. Abblätternde und vergilbende Farbe stören rein ästhetisch, dringt Feuchtigkeit hinein oder kann nicht hinaus, kann das die Struktur schwächen, drohender Schimmelbefall wird zu einer ernstzunehmenden Gesundheitsgefahr für Anwohner. Eine gute Fassadenfarbe muss darum viel leisten: Um Beregnung gut standhalten zu können, muss sie beispielsweise wasserfest sein. Das können typischerweise Innenraumfarben nicht leisten. Um ein angenehmes Raumklima zu gewährleisten und damit sich keine Feuchtigkeit in den Wänden festsetzt, muss die Farbe aber gleichzeitig diffusionsoffen, also atmungsaktiv sein. Weiterhin soll die Farbe vor Erosion schützen und Risse verhindern. Das ist nur möglich, wenn die Farbe intakt bleibt und sich nicht mit der Zeit löst – sobald das passiert, ist keine Schutzwirkung mehr gegeben. Auch, dass die Farbe nicht nur Niederschlag, sondern zusätzlich täglicher UV-Strahlung ausgesetzt ist, muss bedacht werden. Nicht nur Sonneneinstrahlung, sondern auch Verschmutzung führen zu ergrauten oder erblassten Außenwänden. Einmal im Jahr sollte eine Fassade darum mindestens gereinigt werden. Die Reinigung der Fassade im Frühling stellt eine große Herausforderung dar, hier gibt es ebenfalls Unterschiede in der Reinigbarkeit zwischen verschiedenen Farbmischungen. Am besten schneiden hier moderne Anstriche mit Lotus-Effekt ab, die allerdings wegen ihres hohen Preises derzeit noch selten eingesetzt werden.

Arten von Farben

Um all diesen Anforderungen gerecht zu werden, eignen sich verschiedene Arten von Farben unterschiedlich gut. Grundsätzlich im Außenbereich anwendbar sind Dispersionsfarben, Sumpfkalkfarben, Siliconharzfarben und Silikatfarben. Jede hat dabei Vor- und Nachteile.

Dispersionsfarben

Dispersionsfarben sind die beliebteste Wahl für Fassaden und gelten als Allrounder unter den Außenfarben. Sie sind sowohl wasserabweisend als auch eingeschränkt wasserdampfdurchlässig, in so gut wie jedem Farbton erhältlich, vergleichsweise kostengünstig, lassen sich leicht verarbeiten und sind fast immer anwendbar. Das Gemisch besteht aus einer Emulsion von Lösungs- und Bindemitteln, Pigmenten (i.d.R. Titanoxid) sowie Zusatz- und Hilfsstoffen, die die Farbe stabilisieren, verdicken oder haltbarer machen. Bei Kunstharz-Gemischen dient das Kunstharz als Bindemittel. Einziger Nachteil: Wegen des neutralen PH-Werts schützen Dispersionsfarben in der Regel nur eingeschränkt vor Pilzen und Bakterien, hier müssen der Farbe Chemikalien zugegeben werden. Nicht alle Dispersionsfarben sind für Fassaden geeignet.

Sumpfkalkfarben

Weiß gekalkte Wände waren früher die Norm, werden heute aber etwas seltener angewendet. Gerade bei alten Gebäuden, die ihre traditionelle Optik nicht verlieren sollen, wird diese Methode nichtsdestotrotz noch immer gern angewandt. Sumpfkalkfarbe ist hierfür die hochwertigere Alternative zum klassischen Löschkalk. Sie besteht ebenfalls hauptsächlich aus Calciumhydroxid und Wasser, wird aber durch eine längere Lagerung „versumpft“, was die physikalische Struktur verändert und den Anstrich resistenter gegenüber Abrieb und Feuchtigkeit macht. Kalkfarben gehören zu den umweltfreundlichsten Alternativen für Fassadenanstriche. Die Farbe kann umweltfreundlich gewonnen werden, ist biologisch abbaubar und enthält keine Konservierungsstoffe. Die diffusionsoffenen Eigenschaften und der hohe pH-Wert beugen der Verbreitung von Schimmelpilzen vor. Bei Regen verfärben sich Kalk-Fassaden dunkel, da die Beschichtung Wasser aufnimmt. Dieser Effekt verschwindet wieder nach der Trocknung, gelöst wird die Farbe durch die Feuchtigkeit nicht. Tönen lässt sich diese Art von Farbe ausschließlich mit kalkechten Pigmenten, die dem hohen PH-Wert standhalten. Kalkfarbe sollte niemals bei Außentemperaturen von mehr als 20 °C gestrichen werden, da ansonsten der Abbindeprozess stark beschleunigt wird und die Farbe nicht vollständig aushärten kann. Auch bei Temperaturen von unter 8° C ist eine Verarbeitung nicht zu empfehlen. Mit Kalkfarbe lassen sich andere Farben, z.B. Dispersionsfarbe, problemlos überstreichen. Stark saugende Untergründe sollten vorgenässt werden, am besten gelingt der Anstrich bei hoher Luftfeuchtigkeit.

Siliconharzfarben

Siliconharzfarben sind sehr hochwertige Fassadenfarben, die sich zu gleichen Teilen aus Siliconharz und Dispersion zusammensetzen. Sie sind extrem wasserabweisend und gleichzeitig äußerst wasserdampfdurchlässig. Die Farbe verfügt über eine hohe Deckkraft, ist sehr farbstabil und auf fast jedem Untergrund anwendbar. Auch ist der Anstrich nicht thermoplastisch, verformt sich also auch bei starken Temperaturschwankungen nicht. Dank „Lotus-Effekt“ perlt Wasser einfach ab, was nicht nur vor Schimmel und Algen schützt, sondern auch dafür sorgt, dass sich Schmutz nur schwer festsetzt. Graffiti lässt sich auf dieser Beschichtung darum leichter entfernen als auf anderen Oberflächen. Sie ist etwas weniger umweltschonend als Silikat- und Kalkfarben, größter Nachteil ist der hohe Preis.

Silikatfarben

Silikatfarben können weiter unterteilt werden in Rein-Silikatfarben mit Kaliwasserglas als Bindemittel und Dispersionssilikatfarben. Erstere sind sehr atmungsaktiv, nehmen aber bei Beregnung viel Wasser auf. Das erhöht das Risiko von Durchfeuchtung. Dispersionssilikatfarben hingegen weisen Wasser besser ab, haben aber dennoch gute Diffusionseigenschaften. Die Silikatfarbe lässt sich aus ausschließlich umweltfreundlichen Zutaten herstellen und wehrt Pilze dank ihrer alkalischen Eigenschaften auf natürliche Weise ab. Bei normalen Bedingungen ist die Farbe äußerst langlebig und hält sogar schwefelhaltigen Abgasen stand. Silikatfarben benötigen beim Streichen einen mineralischen Untergrund, mit dem sie reagieren können. Nur so härten sie vollständig aus. Aus diesem Grund sollte Silikatfarbe beispielsweise niemals auf Dispersionsfarbe gestrichen werden. Die Farbwahl ist bei dieser Sorte etwas eingeschränkt, da wegen des hohen pH-Werts viele Pigmente nicht für diese Mischung geeignet sind.

Die ideale Fassadenfarbe gibt es nicht

Um sich für eine Farbe entscheiden zu können, muss man die Eigenschaften der Unterlage, das gewünschte Ergebnis und die Umgebung gut kennen. Je nachdem, ob Beton- und Zementflächen, mineralische Putze, verputzte Wärmedämmungen, ein bereits bestehender Anstrich oder eine andere Unterlage vorliegt, sollte die Kompatibilität mit der jeweiligen Fassadenfarbe zuvor überprüft werden. Wer sich eine weiße Fassade wünscht, hat dabei mehr Auswahl, als wenn eine kräftige Außenfarbe geplant ist. Liegt die Wand an einer Verkehrshauptader, sollte die Farbe resistent gegenüber Abgasen sein, ist sie oft Niederschlag ausgesetzt, muss sie besonders wasserabweisend sein. Auch die Umgebung und die Geschichte des Gebäudes kann eine Rolle spielen. Denkmalgeschützte Immobilien werden meist mit Silikatfarben oder Kalkfarben gestrichen, Fassaden mit hohem Verschmutzungsgrad profitieren von der leicht zu reinigenden Silikonharzfarbe. Für Wohngebäude ist ein angenehmes Raumklima oft entscheidend, hier eignen sich Dispersions- und Silikatfarben ausgezeichnet. Nicht selten wird es zudem nötig, die Farbe zu verdünnen. Für besonders raue Untergründe mit Vertiefungen empfehlen sich dünnflüssigere Anstriche.

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