Haus des Jahres 2019

Seit 1999 gibt es sie bereits auf dem Markt: Fassadenfarbe mit sogenanntem Lotuseffekt. Dabei handelt es sich um eine Kunstharzdispersionsfarbe, die mit Nanopartikeln angereichert wurde, um eine raue Oberfläche zu erzeugen. Den Blättern einer Lotuspflanze nachempfunden, soll die mikroraue Oberfläche laut Werbung verhindern, dass Schmutz haften bleibt. Das hört sich für viele Hausbesitzer interessant an. Doch wie gut funktioniert der Lotuseffekt bei Fassadenfarbe wirklich?

So funktioniert der Lotuseffekt in der Theorie

Kommen wir zuerst zur Theorie: Der Lotuseffekt wurde von der Natur abgeschaut und macht sich das Prinzip der Hydrophobie (Wassermeidung) zunutze. Durch die mikroraue, nicht benetzbare Oberfläche der Fassadenfarbe mit Nanopartikeln haben Schmutz und Wasser nur einen minimalen Kontakt zur Wand und bleiben entsprechend nicht so leicht haften wie an einer glatteren Oberfläche. Das Wasser rollt demnach einfach ab und nimmt den Schmutz dabei mit. Der Regen übernimmt also die Reinigung der Fassade und wäscht den Schmutz immer wieder ab.
Neben dem optischen Reinigungseffekt wird auch verhindert, dass Mikroorganismen sich ausbreiten, denn sie finden keinen Nährboden und keine Feuchtigkeit für ihr Wachstum. So soll Fassadenfarbe mit Lotuseffekt Algen und Pilzen die Lebensgrundlage entziehen, auch wenn die Fassadenbarbe keine Biozid-Zusätze enthält. Das wäre auf jeden Fall ein Argument für Fassadenfarbe mit Lotuseffekt, vor allem weil durch den Klimawandel der Befall mit Algen und Pilze in den letzten Jahren noch zugenommen hat. Denn durch heiße Sommer und milde Winter zeigt sich mehr Feuchtigkeit an den Außenwänden, was ein Wachstum der Mikroorganismen begünstigt.

Klappt der Lotuseffekt bei Fassadenfarbe wirklich?

Nach der Theorie stellt sich die Frage: Wie sieht der Lotuseffekt bei Fassadenfarbe in der Praxis aus? In der Natur, also bei der Lotuspflanze, funktioniert das Prinzip, das auf der niedrigen Benetzungsmöglichkeit beruht, sehr gut. Bei Fassadenfarbe ist der Effekt aber ungleich schwerer herzustellen. Zwar kann ein gewisser schmutzabweisender Effekt bei Lotus-Produkten festgestellt werden, allerdings hält er nicht unbedingt lange an. Denn Lotusfarben gelten als fettempfindlich, sodass zum Beispiel Fingerabdrücke oder fetthaltige Rauchgase aus Kaminöfen den Effekt zerstören. Zudem kann ein zu starkes Abperlen sogar für Flecken oder Schmutzläufern führen, was wiederum nicht besonders attraktiv aussieht. Dabei ist zu berücksichtigen, dass es für den Selbstreinigungseffekt unabdingbar ist, dass Regen die entsprechende Fläche auch erreicht. Je nach Architektur des Eigenheims kann es also passieren, dass bestimmte Fassadenbereiche gar nicht von dem Lotuseffekt profitieren können, da sie zu versteckt liegen, von Vordächern vor Regenwasser geschützt sind oder Ähnliches. Zudem sollen Lotusoberflächen eine erhöhte Lichtstreuung erzeugen, sodass sie zum Beispiel für Solaranlagen nicht geeignet sind.
So findet man viele kritische Stimmen, die Lotusfarbe einen ausreichenden Selbstreinigungseffekt absprechen, um den hohen Preis der Farbe zu rechtfertigen. Auf der anderen Seite gibt es aber auch Verbraucher, die trotz des höheren Preises für die Farbe mit ihrer Lotus-Fassade durchaus zufrieden sind.

Lotusfarbe – pro und contra

Die Lotuspflanze gilt aufgrund ihrer selbstreinigenden Blätter in Asien als Symbol der Reinheit. Deshalb wird versucht, den Effekt bei immer mehr Alltagsprodukten nachzuahmen, zum Beispiel bei Fenstern oder Fassadenfarbe. Doch was in der Natur reibungslos funktioniert, lässt sich nicht unbedingt wirkungsvoll auf Alltagsprodukte übertragen. Deshalb hat Lotus-Fassadenfarbe sowohl Vor- als auch Nachteile, die abgewogen werden sollten:

Vorteile

  • Schmutz und Wassertropfen sollen weniger haften bleiben
  • Regen soll Schmutzpartikel mit abspülen
  • Vermehrung von Pilzen und Algen soll reduziert werden

Nachteile

  • bis zu 80 % teurer als normale Fassadenfarbe
  • Selbstreinigungseffekt nicht so gut wie in der Natur und in der Theorie
  • Lotusfarbe ist fettempfindlich und verliert z. B. durch Fingerabdrücke oder ölhaltige Rußpartikel ihre Wirkung
  • zu starkes Abperlen kann zu Flecken oder Schmutzläufern führen
  • Regen muss die entsprechende Fläche auch erreichen können
  • Bei Renovierungsanstrich mit herkömmlicher Farbe geht Lotus-Effekt verloren

FAZIT
Lotus-Fassadenfarbe hat sowohl Vor- als auch Nachteile, die abgewogen werden sollten.

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