Spätestens wenn eine Altbausanierung in die Zielgerade einbiegt, wird es Zeit, sich mit der Einrichtung zu befassen. Doch genau da tun sich viele Alt-Bauherren schwer. Auch, weil der heutige Massenmarkt nicht auf die stilistischen Bedürfnisse eines 50 oder mehr Jahre alten Hauses ausgerichtet ist. Auf den folgenden Zeilen haben wir deshalb einige Leitlinien skizziert, anhand derer man sowohl moderne Ansprüche befriedigen, wie auch stilistisch präzise sein kann.

Keine Verlegenheitslösungen bitte

Es ist kein Geheimnis: Auch wenn man die Fördermöglichkeiten für Altbauten außeracht lässt, kommt selbst eine umfangreiche Sanierung meist günstiger, als ein Neubau. Aber das führt auch zu einer anderen, weniger beachteten Tatsache.

Viele Altbaubesitzer sind eigentlich „Neubaubesitzer im Geiste“. Sie hätten lieber ein brandneues Eigenheim, haben sich nur wegen der Kosten für den Altbau entschieden. Und das spiegelt sich auch in der ultramodernen Einrichtung wider.

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Das kann funktionieren. In den allermeisten Fällen sieht es jedoch nur nach einer Verlegenheitslösung aus, der man sofort ansieht, dass die Besitzer nach der Regel „neuer Wein in alten Schläuchen“ verfuhren. Nein, wer einen Altbau saniert, sollte auch innen versuchen, einen dem Zeitgeist des Hauses entsprechenden Stil zu fahren.

Regional ist gut – wenn es passt

Eine architektonische Grundregel lautet „Räume binden“. Darunter lässt sich grob verstehen, dass der Baustil (und auch die Lage) eines Hauses verpflichten. Unter den aktuell beliebtesten Stilen der Wohnungseinrichtung finden sich gleich mehrere, die vergleichsweise regional sind, so etwa

  • Maritim-Look
  • Mediterraner Stil
  • Ethno-Orientalisch

Sie eint, dass sie das richtige Haus benötigen, um zu wirken.

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Und hier kommt besagte Grundregel ins Spiel: Natürlich könnte man etwa einen 1920er Altbau in Oberbayern mit viel hellem Holz, Leinen, Baumwolle, nautischen Symbolen und Messing-Applikationen auf den Maritim-Look trimmen – doch selbst wenn man dabei vorsichtig vorgeht, wird das immer noch ein wenig fehl am Platz wirken, weil der maritime Stil nun einmal in Norddeutschland heimisch ist. Umgekehrt wäre es bei einem alten Bauernhaus, das genau dort steht, ein ebensolcher Stilbruch, es innen auf „Mallorca Finca“ zu trimmen.

Das Problem daran ist abermals der Altbau selbst: Moderne Häuser sind so designt, dass sie im tiefsten Schwarzwald ebenso gut wirken wie an der Ostseeküste. „Echte“ Altbauten jedoch, also alles, was vor den 1970ern errichtet wurde, haben eine viel regionalere Komponente. Diese bei der Einrichtung komplett zu ignorieren, führt dazu, dass man in einem Haus lebt, das „nicht richtig“ zusammenpasst.

Problemfall Einrichtungshaus

Wer den vorherigen Punkt verstanden hat, der weiß nun, dass er bei der Einrichtung große Sorgfalt walten lassen muss, um der regionalen Identität seines Altbaus zu entsprechen.

Dem entgegen steht aber das nächste Problem:
Fast 10.000 Möbelhäuser gibt es in Deutschland – aber in den allermeisten davon bekommt man nur „Standardware“. Manches ist zwar ein wenig historisierend, oft aber entspricht das Warenspektrum nur dem Massengeschmack. Und der ist in der Regel modern gehalten.

Das bedeutet wiederum, dass man, um seinen Altbau standesgemäß einzurichten, nicht umhin kommen wird, mehr Aufwand in das Finden einer passenden Einrichtung zu investieren. Es geht nicht darum, unverhältnismäßige Summen für (renovierte) Möbelstücke aus der passenden Epoche auszugeben. Das würde den Bau nur extrem verteuern. Nein, das Ziel muss viel mehr sein, stilistisch passende Einrichtungsgegenstände zu finden.

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Das macht die Einrichtung insgesamt zwar schwieriger und langwieriger, dafür steht auf der Haben-Seite jedoch eine besondere Form von Besitzerstolz. Es fühlt sich gänzlich anders an, nach vielleicht wochenlanger Suche endlich einen passenden Wohnzimmerschrank gefunden zu haben, der wirklich passt, anstatt einfach im Möbelhaus „der da“ gesagt zu haben.

Die modernen Tüpfelchen

Eine komplett moderne Einrichtung in einem Altbau wirkt nicht. Das soll aber nicht bedeuten, dass man den Modernismus gänzlich vor der Haustür lassen müsste. Bloß so wie man in einem Neubau altertümliche Stilelemente nur „kleckerweise“ einsetzen sollte, muss man umgekehrt auch in diesem Fall vorgehen. Was beispielsweise sehr gut funktioniert, ist eine wirklich hochmoderne Küchenzeile – sofern der ganze restliche Raum im Oldschool-Look verwirklicht wurde.

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Ebenfalls passend:

  • Moderne Lampen
  • Generell Stahl & Glas
  • Kunstwerke
  • Einzelne Sitzmöbel
  • Schalter & Steckdosen

Im Zweifelsfall hilft es auch, sich in dem gigantischen Feld des Bauhauses umzusehen. Denn obgleich das Bauhaus bereits 1919 gegründet wurde, wirken all seine Elemente durch ihre Gradlinigkeit und Schlichtheit auch heute noch vergleichsweise zeitgenössisch. Auf diese Weise lässt sich ein moderner Touch ins Haus bringen, ohne dass man dabei die genannten Regeln verletzt.

Die großen Sünden

Zugegeben, es gibt im alten Haus eine Menge Dinge, die man falsch machen kann. Doch darunter finden sich leider viele Punkte, die heute in der Einrichtung Gang und Gebe sind und deshalb vielen gar nicht als Fehler auffallen.

Im Folgenden daher ein paar Fehlerquellen, die man definitiv vermeiden sollte:

  • Das Ikea-Accessoire-Syndrom bezeichnet all die Kleinigkeiten, die es in heutigen Einrichtungshäusern zu kaufen gibt. Hauptmerkmal: Extrem günstig, meist aus Plastik und oft quietschbunt. Ein achtteiliges Küchen-Werkzeugset in ebenso vielen Farbtönen mag vielleicht in einem Neubau gut wirken. Hängt es jedoch über der Altbau-Küchenzeile, wirkt die Anmutung einfach nur falsch.
  • Alte Häuser haben oft kleinere Räume. Besitzer, die Modernes gewohnt sind, neigen dann dazu, diese schwer mit Einrichtungsgegenständen zu überladen und werfen vielleicht gar Stile wild durcheinander. Doch gerade weil die Altbau-Einrichtung knifflig und die Räume klein sind, sollte man im Zweifelsfall Mut zur Lücke beweisen.
  • Laminat ist heute der Fußboden der Wahl, hat aber im Altbau gewaltige Nachteile. Es beginnt damit, dass sein versiegelter Aufbau das Klima des Hauses negativ verändern kann und endet damit, dass viele „auf alt“ getrimmte Laminate schon nach wenigen Jahren unansehnlich werden. Im Altbau sollten nur Dielen, Parkett oder alternativ (Stein-)Fliesen als Bodenbelag zum Einsatz kommen, Laminat hat dort ohne Übertreibung nichts verloren.
  • Holz im Altbau ist zwar gut – viele ahnungslose Besitzer sehen das jedoch als Freibrief, um nach dem Motto „Hauptsache Holz“ diverse Sorten in einem Raum wild zu mischen. Das wiederum führt zu optischem Chaos. Besser ist es, zimmerweise nur auf eine Holzsorte zu setzen oder zumindest solche, die sich von Farbton und Maserung her stark ähneln.
  • Hochmoderne „TV-Altare“ passen in Neubauten. Im Altbau haben diese, oft gläsernen und S-förmig geschwungenen Stücke jedoch den Charme protziger Alufelgen auf einem Rolls Royce. Im alten Wohnzimmer sollte der flache Fernseher am besten direkt an der Wand hängen. Und sämtliche Zusatzgeräte kann man in einem darunter stehenden Schränkchen optisch wegzaubern.

Der letzte Punkt kann auch noch etwas erweitert werden. Denn generell machen die modernen und unverzichtbaren Zubehörteile eines zeitgenössischen Lebens im Altbau keine sonderlich gute Figur. Der WLAN-Router aus Plastik mit seinen Antennen ist ein Paradebeispiel dafür. Doch kann man ihn, ohne die Empfangsqualität ernsthaft zu beeinträchtigen, beispielsweise in einem Hardcover-Buch verstecken, aus dem man die Seiten entfernt hat. Und um die ganzen Anschlusskabel zu verstecken, sollte man notfalls sogar schon während der Renovierung/Sanierung auf Flachkabel zurückgreifen, die hinter der Tapete angebracht werden.

Fazit
Ein Altbau will kein „alter Neubau“ sein. Er will ein Haus sein, das auch 50 oder mehr Jahre nach seiner Errichtung noch den damaligen Zeitgeist in seiner Einrichtung versprüht. Das macht es zugegeben etwas schwieriger, stilsicher einzurichten. Aber es belohnt damit, dass man nicht nur ein altes Haus hat, sondern eine wirklich rundum gelungene Immobilie, die für sich so perfekt wirkt, wie ein vor wenigen Monaten neuerrichtetes Gebäude.

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