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Lange Zeit als Nonplusultra propagiert, ist die Fassadendämmung inzwischen in Kritik geraten. Dabei werden von den Gegnern viele Argumente ins Feld geführt: hohe Kosten, energieintensive Herstellung, Schimmel, Algen, Gifte, Brandgefahr oder Entsorgungsprobleme.
Da die Energieeinsparverordnung 2014 (EnEV 2014) trotz aller Kritik unter bestimmten Voraussetzungen eine Pflicht zur Fassadendämmung beinhaltet, sind Lösungsvorschläge für die wichtigsten Kritikpunkte gefragt.

Lohnt sich eine nachträgliche Fassadendämmung überhaupt finanziell?

Ob sich eine Fassadendämmung rentiert, hängt von vielen Faktoren ab, wie von der eingesparten Energie und den verwendeten Materialien. Soll allerdings ohnehin der Außenputz erneuert werden, lohnt sich eine Fassadendämmung auf jeden Fall – zumindest langfristig gesehen. Das gilt allerdings nur, wenn Sie ein besser gedämmtes Haus nicht dazu verleitet, weniger sparsam zu heizen.
Bei einer geplanten Altbausanierung sollte am besten zusammen mit einem Energieberater ein Gesamtkonzept erarbeitet werden, damit die Sanierungsarbeiten in einer sinnvollen Reihenfolge ausgeführt werden und sich die Investition auch finanziell lohnt. Auf jeden Fall trägt eine energetische Sanierung zur Wertsteigerung der Immobilie bei.

Kostet die Herstellung der Dämmstoffe mehr Energie als die Fassadendämmung einspart?

Für die Fassadendämmung werden häufig XPS- oder EPS-Platten aus Polystyrol (Styropor) verwendet, das aus Erdöl hergestellt wird. Die Energie, die für die Produktion aufgewendet wird, ist in der Regel aber nach wenigen Jahren als Fassadendämmung wieder eingespart. Eine weitere Lösung ist die Verwendung von Dämmstoffen aus Mineralwolle oder aus anderen Rohstoffen.

Hole ich mir mit einer Fassadendämmung den Schimmel ins Haus?

In früheren Zeiten zog es in alten Häusern durch viele Ritzen, sodass ein ständiger Luftaustausch stattfand. Eine moderne Fassadendämmung versiegelt die Wände zwar in gewisser Weise, verhindert aber nicht den Feuchtigkeitsaustausch. Denn Schimmel entsteht dann, wenn feuchte Luft an kalten Oberflächen kondensiert. Regelmäßiges Stoßlüften mehrmals täglich oder eine mechanische Lüftungsanlage sorgt trotz Fassadendämmung für einen ausreichenden Luftaustausch, sodass kein Schimmel wachsen kann.

Lockt eine Fassadendämmung Algen an?

Zwar wachsen Algen auf kalten, nassen und schattigen Fassaden besonders gut, also gerade auf gedämmten Häusern, da die Wärme im Inneren des Hauses bleibt. Doch Algen schaden nicht der Bausubstanz und sind nur ein optisches Problem. Wer sein Haus trotz Fassadendämmung vor Algen weitestgehend bewahren möchte, entscheidet sich am besten für einen mineralisch dickschichtigen Putz, der einen gewissen Schutz vor Algen bieten kann. Auf Algizide sollte aus Umweltschutzgründen lieber verzichtet werden.

Haben Häuser mit Fassadendämmung eine höhere Brandgefahr?

Der für die Fassadendämmung besonders häufig verwendete, besonders günstige Dämmstoff Polysterol ist leicht entflammbar. Modernen Dämmplatten werden allerdings Brandschutzmittel beigefügt, sodass sie nur noch als schwer entflammbar gelten. Möchten Sie das Brandrisiko ohne viel Chemie minimieren, können Sie auch auf Dämmstoffe wie Steinwolle zurückgreifen, die nicht entflammbar sind.

Enthalten Dämmstoffe nicht immer viele Gifte?

Ob zum Brandschutz oder zur Algenabwehr – Dämmplatten für die Fassadendämmung enthalten häufig diverse Chemikalien, die bei einem Brand giftige Stoffe freisetzen können. Doch auch bei anderen Baumaterialien entweichen bei einem Brand oft giftige Gase, bei Holzwerkstoffen sogar mehr als bei Polysterol. Um das Risiko klein zu halten, können Sie auf Algizide im Putz und auf Brandschutzmittel im Dämmmaterial verzichten. So ist beispielsweise Steinwolle auch ohne Zusatz von Brandschutzmittel nicht entflammbar.

Bekomme ich ein Problem, wenn ich die Dämmung später entsorgen will?

Das Problem bei Wärmedämmverbundsystemen (WDVS) vor allem aus Polysterol ist, dass die Platten fest mit dem Bauwerk verbunden werden und tatsächlich nicht mehr so leicht zu trennen sind, wenn sie ihre Haltbarkeitsgrenze eines Tages überschritten haben. Dabei geht man bei modernen WDVS-Platten jedoch heute in der Regel von einer Haltbarkeit von ca. 40 Jahren aus. Doch nicht alle Dämmstoffe müssen erneuert werden, etwa eine Einschüttdämmung mit Perlit oder Zellulose, die deshalb vor allem bei einem Neubau vorgezogen werden sollten.

Fazit:
Ob und welche Fassadendämmung sinnvoll ist, kann nicht pauschal beantwortet werden. Als Hauseigentümer müssen Sie deshalb die Chancen und Risiken abwägen, wenn Sie sich für eine bestimmte Art der Fassadendämmung entscheiden.
Bei der Altbausanierung wird oft auf WDVS-Dämmung zurückgegriffen. Der hierfür zumeist verwendete Dämmstoff Polystyrol ist sehr günstig, bringt aber auch viele Nachteile mit sich, wie etwa die problematische Entsorgung in der Zukunft oder die erhöhte Brandgefahr. Die Alternativen sind oft teurer und komplizierter umzusetzen, bieten aber andererseits Vorteile.
Bei einem Neubau ist die Verwendung von WDVS nicht zu empfehlen. Das Haus sollte lieber grundsätzlich energetisch nachhaltig geplant werden, z. B. mit einer Einschüttdämmung aus natürlichen Materialien, die nicht erneuert und auch nicht irgendwann umweltschädlich entsorgt werden müssen.

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