Haus des Jahres 2018

Wenn wir älter werden, ändern sich auch die Anforderungen an unser Wohnumfeld. Aufgrund der dann oft eingeschränkten Mobilität kann ein barrierefreies Zuhause um einiges mehr Komfort bieten und helfen, sich so lange wie möglich selbständig zurechtzufinden. Viele Umbauten können dabei selbst in die Hand genommen werden.

Seniorengerecht und barrierefrei – was sind die Unterschiede?

In vielen Immobilienanzeigen wird heute mit diesem Begriffen geworben. Nicht immer ist klar, was von einer entsprechend ausgestatteten Wohnung zu erwarten ist. Tatsächlich sind nur zur Bezeichnung „barrierefrei“ ganz eindeutige Vorgaben gesetzlich festgelegt (§ 4, Behindertengleichstellungsgesetz – BGG). Die DIN 18042-2 gibt Auskunft über Normen zur Ausstattung von privaten Wohnungen und Häusern.

Da hier vor allem die Bedürfnisse von Rollstuhlfahrern berücksichtigt werden, gibt es dabei genaue Angaben etwa zum Platzbedarf der zum Rangieren benötigt wird oder bestimmter Einbauhöhen für Installationen. Vom unterfahrbaren Waschbecken, Haltegriffen an Toilette oder in der Dusche sowie Mindesttürbreiten ist alles dabei.

„Alters-″, „seniorengerecht“ oder auch „barrierearm“ sind hingegen Begriffe, hinter denen sich keine eindeutigen Normen verbergen. In der Regel sind damit mehr oder weniger umfangreiche Kriterien gemeint, die das Wohnen im Alter leichter machen.

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Bild: © ake1150 / Fotolia

Kleine Maßnahmen mit großer Wirkung

Oftmals sind es vor allem Kleinigkeiten, die uns später das Leben in den eigenen vier Wänden schwermachen können. Die nur zentimeterhohe Türschwelle wird zur Stolperfalle, Dinge in Hängeschränken werden plötzlich unerreichbar oder eine Treppe gar zum unüberwindbaren Hindernis. Wer sich hier frühzeitig Gedanken um verschiedene Umbaumaßnahmen macht, kann als versierter Heimwerker noch einige Barrieren selbst entschärfen oder ganz beseitigen:

Leichten Zugang ermöglichen:

Zu diesem Punkt zählt, dass Eingänge und Türen gut erreichbar und ausreichend beleuchtet sind. Bauliche Hindernisse oder sperrige Möbel machen möglicherweise den Weg schwerer oder verringern den Türöffnungswinkel. Klinken und andere Bedienelemente sollten leicht erreichbar sein, Scharniere leichtgängig und die Durchgänge sollten ausreichend breit sein. Auch mit einem Rollator ist einiges mehr an Platz notwendig.

Mögliche Maßnahmen:

  • Möbel gegebenenfalls umstellen und Stolperfallen vermeiden
  • barrierefreie Beschläge montieren, passende Höhe berücksichtigen
  • Scharniere schmieren, mechanische Türschließer anpassen
  • eventuell Richtung der Türöffnung ändern oder breitere Türen einbauen (Hier muss die Statik beachtet werden! In manchen Fällen ist ein breiterer Türsturz notwendig.)

Für Bewegungsfreiheit sorgen:

Wer später auf die Hilfe von Krücken oder einen Rollator angewiesen ist, braucht schlicht mehr Platz um sich zuhause fortzubewegen. Auch zum Abstellen muss Platz freigehalten werden. Nicht immer kann mit den bestehenden Grundrissen und den Wünschen zur Raumaufteilung und Möblierung für ausreichend Bewegungsfreiheit gesorgt werden. Dennoch bieten sich verschiedene Möglichkeiten zur Umstrukturierung. Vor allem, wenn die Kinder aus dem Haus ausgezogen sind, kann der Raum sinnvoll anders genutzt werden.

Mögliche Maßnahmen:

  • Möbel umstellen und gegebenenfalls reduzieren
  • mit Hilfe von Trockenbauwänden Wohnfläche neu aufteilen und strukturieren (Vor allem in Mietwohnungen können auf diese Weise Räume neu gegliedert werden. Bei einem Auszug lassen sich die Einbauten mit relativ geringem Aufwand wieder rückbauen.)
  • Laufwege und Abstellflächen freihalten, ausreichend Platz zum Erreichen von Fenstern (Lüften, Rollläden) und Stauflächen vorsehen

Schwellen und Stufen vermeiden:

Wer später schlecht zu Fuß ist, für den stellen bereits wenige Stufen zur Eingangstür oder auch eine Kante beim Wechsel des Fußbodenbelags störende Hindernisse dar. Im Sanitärbereich zählen hohe Ränder von Dusch- oder Badewannen zu den Barrieren. In vielen Fällen erstreckt sich der Wohnraum über mehr als nur eine Etage. Dabei sollte bedacht werden, dass das Treppensteigen später ebenfalls immer schwerer fällt.

Mögliche Maßnahmen:

  • Rampen zur Überwindung kleinerer Stufen vorsehen
  • Bodenbeläge tauschen und ein einheitliches Niveau auf der gesamten Wohnfläche anstreben (In manchen Bereichen kann durch zusätzlichen Estrich oder Verlegeplatten „aufgepolstert“, an anderen Stellen dagegen beispielsweise ein stärkerer Laminat- gegen einen dünneren Kunststoffboden oder Teppich ausgetauscht werden.)
  • die wichtigsten Aufenthaltsräume sollten sich – wenn möglich – auf eine Etage beschränken
  • in den Sanitärräumen eine bodengleiche Dusche einbauen
  • mobile Kabel und Leitungen (z.B. von Leuchten oder dem Telefon) stets so verlegen, dass sie keine Stolperfalle darstellen

Erreichbarkeit wichtiger Dinge gewährleisten:

Mit eingeschränkter Mobilität fällt es im Alter zunehmend schwerer, Dinge in höheren Hängeschränken oder in den oberen Regalfächern zu erreichen. Auch ein kleiner Tritt oder eine Leiter ist dann als Hilfsmittel oft nicht mehr so gut geeignet, da sich viele dazu zu unsicher fühlen. In Altbauten sind viele Bedienelemente elektrischer Einbauten nicht nach den heutigen Standards verbaut worden. Schalter und Steckdosen befinden sich möglicherweise an einer ungünstigen und schwer erreichbaren Position.

Mögliche Maßnahmen:

  • genügend Stauraum in gut erreichbarer Höhe schaffen, wichtige Dinge gut zugänglich unterbringen
  • Bedienelemente, Schalter und Steckdosen gegebenenfalls neu positionieren (Ist der Aufwand einer Neuverlegung unter Putz zu groß, können alternativ Aufputzelemente eingesetzt werden.)
  • in der Küche kann der Ofen statt bodennah etwas höher eingebaut werden; Vollauszüge sorgen auch in den Schränken für eine bessere Erreichbarkeit von Vorräten und Utensilien
  • falls notwendig sollte an passender Stelle ein Notrufknopf installiert werden
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Bild: © VadimGuzhva / Fotolia

Hilfsmittel für mehr Sicherheit anbringen:

Sicherheit spielt im Alter eine zunehmend wichtigere Rolle. Ältere Menschen werden immer wieder Opfer von Trickbetrügern oder Überfällen, vor denen es sich zu schützen gilt. Wer schlechter zu Fuß ist, hat auch ein höheres Sicherheitsbedürfnis um sich im Alltag selbständig fortbewegen zu können. Ausreichend Halt an Stufen oder auf rutschigen Oberflächen helfen dabei, weiterhin mobil zu bleiben. Wenn Senioren im Laufe der Zeit vergesslicher werden, können eingeschaltete Kochflächen oder offene Feuerstellen zu einer ernsthaften Gefahr werden.

Mögliche Maßnahmen:

  • Haltegriffe an den passenden Stellen – im Bad (Dusche, Toilette, Waschbecken) oder auch im Flur neben der Garderobe anbringen
  • in einem Treppenhaus kann ein zweiter Handlauf (Halt auf beiden Seiten der Stufen) sinnvoll sein
  • Fußbodenbeläge auf Rutschsicherheit überprüfen und gegebenenfalls austauschen
  • auf Stufen können spezielle Streifen oder ein schlichter Teppichbelag für mehr Rutschfestigkeit sorgen
  • Antirutschmatten für Läufer und lose Teppiche anschaffen
  • zusätzliche Sitzmöglichkeiten im gesamten Wohnbereich vorsehen
  • Brandmelder und gegebenenfalls CO-Warnmelder anbringen – weitere Maßnahmen zum Thema Brandschutz berücksichtigen
  • die Haus- oder Wohnungstür kann durch verschiedene Eingriffe sicherer gemacht werden – denkbar ist etwa eine Fernsprecheinrichtung mit Kamera

Weitere Tipps zum altersgerechten Umbau

Welche Maßnahmen tatsächlich sinnvoll oder notwendig werden, richtet sich vor allem nach den individuellen Gegebenheiten und der eigenen Mobilität im Alter. Oftmals wird erst dann offensichtlich, an welchen Stellen und in welchen Situationen man sich besonders schwertut.

Auch wer noch relativ gut zu Fuß ist, kann davon profitieren, wenn das Licht im Flur oder Badezimmer selbsttätig angeht und nicht extra ein Schalter betätigt werden muss. Ein Bewegungsmelder ist hier eine universelle und kostengünstige Lösung. Vor allem wenn die Hände gerade nicht frei sind, weil gleichzeitig noch Dinge transportiert werden, bietet dies einfach mehr Komfort oder vermittelt ein Plus an Sicherheit – etwa in einem Eingangsbereich.

Bei Telefon oder Türklingel kann es notwendig sein, zusätzlich zum Klingelton für ein visuelles Signal zu sorgen, das auch mit eingeschränktem Hörvermögen wahrgenommen werden kann. Verschiedene elektrische Bedienelemente sind mit größeren Tasten erhältlich und somit leichter zu handhaben.

FAZIT Viele der hier aufgeführten Maßnahmen klingen aufwändig oder auch kostenintensiv. Einige davon können allerdings durch staatliche Fördergelder unterstützt werden. Sinnvoll ist es zudem, bei jeder geplanten Umbaumaßnahme – auch schon zu früheren Zeiten – Überlegungen zum altersgerechten Wohnen miteinzubeziehen. Wenn ohnehin gearbeitet wird, sind weitere Eingriffe dann oft mit erheblich weniger Investitionsaufwand zu bewerkstelligen.

Viele kleinere Vorkehrungen wie ausreichende Beleuchtung oder eine sinnvolle Einrichtung mit den vorhandenen Möbeln sorgen bereits für ein großes Maß an zusätzlichem Komfort. Wer sich in alltäglichen Situationen bewusst macht, wie diese mit eingeschränkter Mobilität bewältigt werden können, findet die jeweiligen Schwachpunkte in seinem Zuhause am ehesten.

Aktuell Bau GmbH

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