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Karl-Heinz Weiss ist der Regionalvorsitzende des rund 300 Mitglieder starken Immobilienverbandes Deutschland Mitte-Ost (IVD Mitte-Ost). Im Gespräch mit dem Bauratgeber Deutschland gibt er einen Überblick über die bevorstehende Frühjahrsfachtagung seines Regionalverbandes am 28. März in Leipzig, skizziert die Lage auf dem Immobilienmarkt in Mitteldeutschland und benennt Forderungen an die Politik. Mit Karl-Heinz Weiss sprach unser Redakteur Marcel Gäding.

www.bauratgeber-deutschland.de: Herr Weiss, am 28. März lädt der IVD Mitte-Ost zur Frühjahrsfachtagung ein. Was ist das Ziel der Veranstaltung?

Karl-Heinz Weiss: Ziel der Frühjahrsfachtagung ist es, den IVD-Mitgliedern den aktuellen Status Quo immobilienwirtschaftlicher Entwicklungen näher zu bringen. Neue gesetzliche Regelungen werden genauso eine Rolle spielen wie Veränderungen bei der Immobilienfinanzierung sowie die Dynamik auf den jeweiligen regionalen Märkten. Wir sprechen Probleme der Stadtentwicklung an, beschäftigen uns mit der Mietrechtsnovelle und informieren uns über innovative Methoden der Immobilienakquise. Nach den Einführungsvorträgen bieten wir mit drei Arbeitskreisen eine Fokussierung in spezielle Fachbereiche. Die dort gehaltenen Vorträge richten sich an Makler, an Verwalter und an Sachverständige und werden durch namhafte Referenten wie den früheren sächsischen Innenminister Dr. Albrecht Buttolo, der sich dem Thema Stadtentwicklung widmet, gehalten. Rund 200 Teilnehmer werden erwartet, darunter IVD-Mitglieder, Studenten einschlägiger Fachrichtungen und zahlreiche weitere wichtige Branchenvertreter.

www.bauratgeber-deutschland.de: Ständige Fort- und Weiterbildung gehört zu den Richtlinien des IVD. Warum?

Karl-Heinz Weiss: In der Tat zeichnet sich ein IVD-Mitgliedsunternehmen dadurch aus, dass es stets eine dem aktuellen Wissensstand entsprechende fach- und sachkundige Beratung anbieten kann. Es ist sogar Pflicht für IVD-Mitglieder, sich einmal im Jahr weiterzubilden und darüber einen Nachweis zu erbringen. Unsere Kunden können sich also darauf verlassen, dass unsere Mitglieder über einen realistischen Preisüberblick und eine neutrale Marktkenntnis verfügen. Darüber hinaus garantieren die IVD-Mitgliedsunternehmen eine qualifizierte Rechtsberatung und hochqualifizierte Dienstleistungen rund um die Immobilie.

www.bauratgeber-deutschland.de: Dennoch haben Makler mit Klischees zu kämpfen.

Karl-Heinz Weiss: Das kommt drauf an. Denn eine ausschließliche Betrachtung der Makler-Courtage greift zu kurz. Ein Makler verdient erst dann Geld, wenn ein Immobiliengeschäft tatsächlich zustande kommt. Im Vorfeld übernimmt er aber sämtliche Dienstleistungen rund um die Immobilie – geht also in Vorleistung. Im Prinzip bietet ein Makler beim Erwerb einer Immobilie eine professionelle Begleitung bis zum Notartermin. IVD-Makler sind in einem bundesweiten Verband von 6.000 Maklern tätig, die realistische Markteinschätzungen mit Hilfe eines großen Datenpools vornehmen können. Unser Verband verfügt zudem über eine neutrale Ombudsstelle, die mögliche Differenzen zwischen Makler und Kunde vorgerichtlich klärt. Das spart viel Geld und Ärger.

www.bauratgeber-deutschland.de: Sie sprachen das Thema Stadtentwicklung an. Wie stellt sich die Lage für Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen dar?

Karl-Heinz Weiss: Wir beobachten Migrationsbewegungen – vom Land in die Metropolen. Städte wie Leipzig, Chemnitz, Dresden, Halle oder Magdeburg haben den Vorteil der Infrastruktur und bieten neben einem attraktiven Arbeitsmarkt auch zahlreiche kulturelle Angebote sowie Möglichkeiten der Naherholung. Und das schätzen die Leute. Der Zuzug in die Stadt bedingt aber auch den größer werdenden Wunsch der Menschen, ihre nach der Wende gebauten Einfamilienhäuser zu einem möglichst guten Preis zu verkaufen. Dieser Prozess des Wandels verlangt nach sinnvollen Rahmenbedingungen durch die Politik. Selbiges erwarten wir übrigens auch beim Stadtumbau. Dieser muss auch in Zukunft nachhaltig und sozialverträglich gestaltet werden.

www.bauratgeber-deutschland.de: Sie fordern zudem, auch die Nebenkosten eines Immobilienerwerbs zu senken.

Karl-Heinz Weiss: Und das aus gutem Grund – denn sie machen den Erwerb einer Immobilie schwierig. Hier ist die Politik in der Verantwortung für ordentliche Rahmenbedingungen zu sorgen. Viele Bundesländer erhöhen jedoch nach und nach die Grunderwerbsteuer – in manchen Gegenden auf bis zu sieben Prozent – und konterkarieren so die Bestrebungen der Bürger nach Schaffung von wertstabilem Eigentum. Zudem steht dieser Zahlung absolut keine Leistung gegenüber.

www.bauratgeber-deutschland.de: Der demographische Wandel ist in vollem Gange. Wie reagieren Sie darauf?

Karl-Heinz Weiss: Die Immobilienwirtschaft hat zahlreiche Herausforderungen im Zusammenhang mit dem demographischen Wandel zu meistern. Neben seniorengerechtem Wohnen, für das es Angebote zu schaffen gilt, müssen sich die Rentner von morgen auch mit der finanziellen Absicherung im Alter beschäftigen. Dabei stellen wir fest, dass es in der Bevölkerung eine Unsicherheit über die Wertstabilität von Währungen gibt. Wir registrieren einen Trend, Geld in eine vermeintlich inflationssichere Immobilie zu investieren. Damit dies erfolgreich sein kann, bedarf es einer genauen Analyse durch einen IVD-Makler. Die Frage ist: Welche Möglichkeiten bringt der Kunde mit, wo möchte er wohnen? Eine Immobilie als Vorsorgeleistung für das Alter muss aus unserer Sicht politisch stärker in den Vordergrund rücken. Wohn-Riester ist bereits ein Anfang – der aber nicht ausreicht. Wenn wir die demographische Entwicklung ernst nehmen, dann werden die Renten in ein paar Jahren nicht mehr das heutige Niveau haben. Wohnen im Alter muss aber heißen, kreditfrei zu leben. Die Politik muss deshalb den Erwerb einer Immobilie deutlich stärker fördern.

www.bauratgeber-deutschland.de: Deutschland befindet sich mitten in der Energiewende. Das hat auch Auswirkungen auf die Immobilienbranche. Gebäude werden energetisch saniert – das spart auf Dauer Geld.

Karl-Heinz Weiss: In erster Linie haben davon aber nur die Mieter eines Mehrfamilienhauses etwas. Der Eigentümer geht weitestgehend leer aus. Er muss die Mittel für energetische Sanierungsmaßnahmen vorstrecken, ohne das im Gegenzug die entsprechenden Mehreinnahmen fließen. Wir sagen: Diese Investitionskosten dürfen nicht alleinige Sache der Eigentümer sein! Hier wäre es wünschenswert, wenn ein Eigentümer mit seinen Mietern individuelle Vereinbarungen treffen könnte.

www.bauratgeber-deutschland.de: Am 3. und 4. Mai steht der nächste große Termin an. Dann lädt der IVD zum Deutschen Immobilientag nach Stuttgart ein. Was erwartet Sie da?

Karl-Heinz Weiss: In erster Linie interessante Fachgespräche und der gemeinsame Erfahrungsaustausch. Auch in Stuttgart geht es um die energiepolitische Wende, um die Landflucht und um den demographischen Wandel. Wir sind gespannt, welche Einschätzungen und Erfahrungen die Kollegen der anderen Bundesländer mitbringen.

Herr Weiss, wir danken Ihnen für das Gespräch.

Zur Person: Karl-Heinz Weiß

Karl-Heinz Weiss ist Dipl.-Immobilienwirt (VWA) und Master of Science Real Estate. Der gebürtige Thüringer ist seit 1993 Geschäftsführer des inhabergeführten Unternehmens Karl-Heinz Weiss Immobilien & Wirtschaftsberatung & Handel in Dresden. Seit acht Jahren ist Weiss im Vorstand des IVD Mitte Ost tätig, seit 2010 dessen Regionalvorsitzender. Der verheiratete Vater dreier Kinder verbringt seine knapp bemessene Freizeit gerne auf dem Motorrad oder fährt im Winter Ski.

Kontaktinformationen:

Immobilienverband Deutschland IVD
Verband der Immobilienberater, Makler,
Verwalter und Sachverständigen
Region Mitte-Ost e.V.
Regionalgeschäftsstelle:
“Businesspark Leipzig”
Maximilianallee 4
04129 Leipzig

Telefon (0341) 601 94 95

E-Mail: ivd.mitte_ost@ivd.net

Der IVD Mitte-Ost im Internet

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