Seit dem 1. Januar 2009 gilt das Wärmegesetz.

 

Besitzer von Neubauten müssen danach mindestens 15 Prozent ihrer Wärme aus erneuerbaren Energien beziehen. Die notwendigen Technologien sind vorhanden.

Warum gibt es ein Wärmegesetz?

Das Gesetz zur Förderung Erneuerbarer Energien im Wärmebereich (EEWärmeG) – kurz Wärmegesetz – trägt der politischen und wirtschaftlichen Entwicklung Rechnung. Zum einen hat der Europäische Rat im März 2007 beschlossen, den Anteil erneuerbarer Energien am gesamten Energieverbrauch der Europäischen Union auf mindestens 20 Prozent zu erhöhen. Dieser Beschluss verpflichtet alle Mitgliedstaaten zur Einhaltung der Quote. Hinzu kommt, dass Deutschland über keine nennenswerten eigenen Vorkommen an Primärenergie verfügt und deshalb Energie importieren muss. Da Öl und Gas zu einem großen Teil aus geopolitisch unsicheren Regionen kommen, entsteht eine politische Abhängigkeit zu anderen Staaten.

Für wen gilt das Gesetz?

Jeder Eigentümer eines selbstgenutzten oder vermieteten neuen Gebäudes mit einer Nutzfläche von mehr als 50 Quadratmetern muss seinen Wärmebedarf anteilig aus erneuerbaren Energien wie Solarthermie, Geothermie, Bioenergie oder Umweltwärme decken. In Frage kommen auch Ersatzmaßnahmen wie die Kraft-Wärme-Kopplung, Wärme aus dem Nah- oder Fernwärmenetz, die Nutzung von Abwärme oder eine besonders gute Wärmedämmung des Hauses. Mit Inkrafttreten des Gesetzes sind Länderregelungen wie das baden-württembergische Wärmegesetz für den Neubaubereich hinfällig. Für Eigentümer von Häusern im Bestand gilt das Gesetz nicht.

Wozu verpflichtet das Gesetz?

Es verpflichtet die Eigentümer, den Wärmeenergiebedarf anteilig aus erneuerbaren Energien zu decken. Dabei geht es um die Energie, die man zum Heizen, zur Erwärmung des Nutzwassers und zur Kühlung benötigt. Wird beispielsweise auf Solarenergie gesetzt, muss nach dem Gesetz die Kollektorfläche pro Quadratmeter beheizter Nutzfläche 0,04 Quadratmeter betragen, wenn es sich um ein Gebäude mit höchstens zwei Wohnungen handelt. Hat das Haus eine Wohnfläche von 100 Quadratmetern, muss der Kollektor demnach vier Quadratmeter groß sein. In Wohngebäuden ab drei Wohneinheiten ist ein Kollektor mit lediglich 0,03 Quadratmeter pro Quadratmeter beheizter Nutzfläche notwendig. Für alle anderen Gebäude gilt: Wird solare Strahlungsenergie genutzt, muss der Wärmebedarf zu mindestens 15 Prozent daraus gedeckt werden. Als Alternativen kommen eine Holzpellet- und Holzhackschnitzel-Heizung ebenso infrage wie die Wärmepumpe. Wer feste Biomasse, Erdwärme oder Umweltwärme nutzt, muss seinen Wärmebedarf zu mehr als 50 Prozent daraus decken. Darüber hinaus stellt das Gesetz ökologische und technische Anforderungen, zum Beispiel an die Leistung (Jahresarbeitszahl) einer Wärmepumpe.

Bestehen Übergangsfristen?

Die Pflicht besteht bei allen Neubauten, die ab 1. Januar 2009 errichtet wurden. Die Ausnahmeregelung gilt jedoch nicht, wenn der Bauantrag nach dem 1. Januar 2009 wesentlich geändert wird. Wesentlich könnte beispielsweise die erweiterte Nutzfläche des umbauten Raumes, eine Gebäudeaufstockung oder ein Dachgeschossausbau sein.

Wer kann befreit werden?

Bestehende Gebäude sind vom Gesetz nicht betroffen. Unter bestimmten Umständen können allerdings Um- und Anbauten sowie eine Kernsanierung oder Nutzungsänderungen darunter fallen. Niemand soll durch das Gesetz finanziell überfordert werden. Eine Befreiung ist möglich, wenn die Nutzung erneuerbarer Energien technisch unmöglich ist oder andere öffentlich-rechtliche Pflichten entgegenstehen. Auch wenn es für den Gebäudeeigentümer finanziell unzumutbar ist, auf regenerative Energiequellen zurückzugreifen kann er von seiner Pflicht befreit sein. Liegt eine solche besondere Härte vor, muss der Eigentümer des Gebäudes allerdings einenAntrag bei der zuständigen Behörde stellen. Zuständig ist nach Landesrecht in der Regel die untere Baubehörde.

Was kostet die Nutzung erneuerbarer Energien?

Die tatsächlichen Kosten hängen von der Variante und auch vom individuellen Energieverbrauch ab. Sie setzen sich aus den Investitions-, Unterhaltungs-, Wartungs- und Brennstoffkosten zusammen. Die Investitionskosten bei einer thermischen Solaranlage für ein Einfamilienhaus liegen zwischen 3.000 und 4.000 Euro. Bei einem Mehrfamilienhaus mit acht Wohnungen betragen sie etwa 11.200 Euro, das entspricht rund 1.400 Euro pro Wohneinheit.

Wie zahlt sich der Einsatz von erneuerbaren Energien aus?

Den Investitionskosten stehen Einsparungen bei den Brennstoffkosten von bis zu 900 Euro pro Jahr gegenüber. Während Investitionskosten einmalig anfallen, reduziert sich die Brennstoffkostenrechnung, solange die Anlage läuft. Die durchschnittliche Lebensdauer moderner Anlagen liegt deutlich über 20 Jahre. Bei Pellets, Umgebungswärme und Wärmenetzen spart der Gebäudeeigentümer darüber hinaus die Investitionskosten für eine herkömmliche Heizungsanlage. Das größte Einsparpotenzial im Neubaubereich besteht derzeit immer noch bei der Nutzung von Geothermie und Umweltwärme mittels einer Wärmepumpe.

Besteht eine Nachweispflicht?

Der Gesetzgeber verlangt, Nachweise zu erbringen. So hat der Eigentümer eines Neubaus innerhalb von drei Monaten ab Inbetriebnahme der Heizungsanlage der zuständigen Behörde die Erfüllung der gesetzlich vorgeschriebenen Auflagen nachzuweisen. Eine Ausnahme gilt für Eigentümer, die flüssige oder gasförmige Biomasse nutzen. In diesem Fall müssen sie 15 Jahre lang nachweisen, dass der gelieferte Brennstoff im geforderten Umfang genutzt wird.

Wer kann Nachweise ausstellen?

In erster Linie sind Sachkundige berechtigt, die nach der Energieeinsparverordnung (EnEV) Energieausweise ausstellen. Beim Einsatz bestimmter Energieformen sind auch Nachweise durch denAnlagenhersteller oder durch den Fachunternehmer zulässig, der die Anlage eingebaut hat.

Wer muss ein Bußgeld zahlen?

Wer gegen das Wärmegesetz verstößt. Dazu zählen die Pflicht, erneuerbare Energien zu nutzen sowie Nachweispflichten. Wer auf Nachweisen unrichtige oder unvollständige Angaben macht, begeht eine Ordnungswidrigkeit. Das betrifft Gebäudeeigentümer oder Berechtigte zum Ausstellen von Nachweisen, wie Anlagenhersteller, Energieberater oder Brennstofflieferanten.

Wie hoch kann ein Bußgeld ausfallen?

Bis zu 50.000 Euro Bußgeld können fällig werden, je nach Schwere des Verstoßes und ob der Verstoß vorsätzlich oder grob fahrlässig erfolgte. Handelt ein Gebäudeeigentümer leicht fahrlässig,muss er die Nutzungspflicht „nacherfüllen“, ein Bußgeld muss er jedoch nicht befürchten. Bei Einfamilienhäusern sind geringere Bußgelder vorgesehen.

Wer und was wird gefördert?

Belohnt wird jeder, der freiwillig erneuerbare Energien nutzt. Fördergelder kann auch beantragen, wer über die Nutzungspflicht hinausgehend erneuerbare Energien oder innovative Technologien einsetzt.Mehr über alle Fördergelder und -Anträge enthält die entsprechende Förder-Richtlinie, über die das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) oder die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) informieren.

3 KOMMENTARE

  1. Endlich! Seit Jahren wurde über Umweltschutz geredet und jetzt trägt endlich auch die Politik dem praktisch Rechnung. Ich hoffe sehr, dass es so weitergeht und in Zukunft jeder mehr Verantwortung für unsere Erde übernimmt.
    Ein Dankeschön auch an die Redaktion für den informativen und leicht verständlichen Beitrag!
    Beste Grüße, Sabine

  2. warum hört man eigentlich nichts mehr über holzpellets? bis vor 2 jahren waren die doch DER große trend? weiß da einer mehr?

  3. Hey hallo Paul und die anderen,

    hab da nen interessanten Link zum Thema Holzpelletheizungen gefunden. Ich nehme mal an, dass vor zwei Jahren die Förderungen einfach noch so gut war, dass es zum Trend wurde. Jetzt müsste man privat mehr investieren. Wer mehr lesen will über die Vor- und Nachteile von Holzpellets, schaut einfach mal hier

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