Birgitt Strittmatter, Energieberaterin und Servicepartner des Bauherren-Schutzbund e.V. (BSB), informiert Bauherren zu den Themen Solarthermie und Photovoltaik.

Wer hat sich nicht über die letzte Heizkostenrechnung geärgert? Besonders der mehrjährige Vergleich zeigt die Preissteigerung. Und diese Rallye ist noch lange nicht zu Ende. Zeit, sich effizienten Heizsystemen und regenerativen Energieträgern zuzuwenden – wie der Sonnenenergie. Mit der Wärmestrahlung der Sonne lässt sich noch kein Haus das ganze Jahr über vollständig beheizen, auch wenn es über einen sehr guten Dämmstandard verfügt.

 

Für die Trinkwassererwärmung allein reicht die Energie der Sonne in der Periode von Mai bis September bereits vollständig aus. Über das Jahr gesehen, liefert die Sonnenenergie damit einen Energiebeitrag von bis zu 60 Prozent. In den Übergangszeiten sowie im Winter können die Solarmodule die Heizungsanlage bis zu 30 Prozent unterstützen und damit weiterhin die Energiekosten senken.

Anlagengröße

Wie hoch der solare Deckungsanteil am gesamten Wärmebedarf ist, hängt von verschiedenen Einflussfaktoren ab: der regionalen Lage des Gebäudes, Dachneigung und der -ausrichtung sowie vom jährlichen Wärmebedarf. Freistehende unverschattete Häuser, eignen sich am besten. Aber auch wenn die Ausrichtung des Daches nicht vollständig nach Süden weist, sind mit einer Solaranlage noch immer gute Energiewerte zu erzielen. Eine Abweichungen von den Idealwerten beeinträchtigen den Wirkungsgrad nur geringfügig und können mit einer größeren Kollektorfläche kompensiert werden.

Wesentlich entscheidender ist die Auslegung nach den jeweiligen Nutzungs- und Energiebedarfskennwerten. Wird aufgrund eines guten Dämmstandards nur ein geringer Heizwärmebedarf mit geringen Vorlauftemperaturen in der Anlagentechnik benötigt, wie er bei Brennwertkesseln oder Pelletanlagen in Kombination mit Flächenheizungen möglich ist, vergrößert sich der solare Deckungsanteil. Für die Nutzung der Solarenergie zur eigenen Trinkwassererwärmung ist für einen Vier-Personen-Haushalt von einer Kollektorfläche von sechs Quadratmetern (Flachkollektoren) oder vier Quadratmetern (Vakuum-Röhrenkollektoren) auszugehen.

Die Investitionskosten inklusive Warmwasserspeicher mit einem Fassungsvermögen von zirka 300 Litern betragen je nach Kollektorart zwischen 4.000 und 6.000 Euro. Soll die Anlage nicht nur für die Trinkwassererwärmung genutzt werden, sondern auch in den Übergangs- und Winterperioden der Heizungsanlage zur Verfügung stehen, ist für einen vergleichbaren Haushalt eine Kollektorfläche von 16 (Flachkollektoren) beziehungsweise 12 Quadratmetern (Vakuum-Röhrenkollektoren) einzuplanen. Die Investitionskosten liegen hier mit Berücksichtigung eines größeren Pufferspeichers von etwa 1.000 Litern Fassungsvermögen um die 10.000 Euro. Bereits nach zwei Jahren liefert die Anlage mehr Energie, als für ihre Herstellung aufgewendet wurde.

Installation

Weiterhin kann bei der Kostenbetrachtung zwischen Indach- und Aufdachmontage unterschieden werden. Wird generell über eine Dacherneuerung nachgedacht, lohnt es, die Solaranlage in die Dachhaut zu integrieren und zusätzlich Ziegelmaterial zu sparen. Andernfalls lassen sich die Solarmodule gut auf die bestehende Dacheindeckung montieren und mit geringem Aufwand erweitern. Soll die alte Heizung bestehen bleiben, sind inzwischen Lösungen erhältlich, die bestehende Heizungssysteme mit einer Solaranlage kombinieren.

Wenn der Heizungstausch und die Kombination mit einer Solaranlage erwägt wird, sollte die solare Trinkwassererwärmung und gegebenenfalls die solare Heizungsunterstützung bei der Dimensionierung der Heizungsanlage berücksichtigt werden. Besteht bei Austausch der Heizungsanlage noch Unklarheit darüber, ob Solarmodule genutzt werden, so sollte beim Kesseltausch darauf geachtet werden, dass zumindest ein Solarwarmwasserspeicher mit Anschlussmöglichkeiten für Sonnenkollektoren gleich mit installiert werden.

Wen die Investitionshöhe noch von der solaren Nutzung abhält, dem sei ein Blick in die Fördermöglichkeiten der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) sowie des Bundesamtes für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) angeraten, die zinsgünstige Kredite in Kombination mit Sanierungsmaßnahmen im Altbau oder beim Neubau anbieten beziehungsweise die Erneuerung der Heizungsanlage in Verbindung mit einer Solaranlage fördern und einen Bonus für den Kesseltausch bereithalten.

 

7 KOMMENTARE

  1. Den Ratgeber des BSB kann ich nur empfehlen. Aber auch der Artikel zeigt schon, dass sich eine Investition in SOnnenenergie lohnt!

    Gruß, N.Widt

  2. Hallo! Der Artikel ist wirklich interessant und gut auf den Punkt gebracht. Obwohl Solarstrom ja auch schon in der Kritik steht, halte ich es für eine sinnvolle Investition, die den geringsten Schaden anrichtet.

    Ich bin jetzt überzeugt, dass wir für unser zukünftiges Haus auf hauptsächlich regenerative Energien setzen werden.
    MfG, H. Stolberg

  3. hey alle miteinander!

    ich finde es toll, dass photovoltaikanlagen so einen aufschwung erleben. was kann heutzutage eine sicherere geldanlage sein als eine unabhängige energieversorgung. ich glaube, dass wird in den nächsten jahren noch weiter zu nehmen. dann gibts ja vielleicht doch noch hoffnung, dass die klimakatastrophe abgewendet werden kann : )

    machts gut, steve

  4. ein wenig mehr kritik scheint mir angebracht, so sehr auch ich die abkehr von fossilen brennstoffen begrüße, den solarboom bezahlen wir alle. es ist doch ökonomischer irrsinn, wenn in deutschland die weltweit größte zahl an neuen solaranlagen errichtet wird wir haben 1600 weniger sonnenstunden als spanien! das geld sollte in projekte wie desertec gehen, in der sahara lässt sich mehr energie „ernten“ als die ganze welt braucht. was sind da 6 qm in oer-erkenschwick?

  5. Hallo Paul,

    auch ich finde, dass man den Solarboom kritisch betrachten muss. Allerdings ist ein klarer Vorteil, dass die „6 qm in oer-erkenschwick“ eine unabhängige, individuelle Energiequelle darstellen. Dahingegen nutzen Projekte wie Desertec zwar der großen Industrie, doch die wird dann auch die Strompreise wieder setzen. Abgesehen davon bezweifle ich, dass es unbedingt einfacher ist, sehr kostspielige Solarfelder in einer Krisenregion wie Nordafrika zu bauen. Nicht mal auf die dortige Politik ist Verlass. Wie sicher wäre dieser Strom, wenn es zu neuen politischen Konflikten kommt? Ich denke, wenn Sonne gewonnen wird in der Sahara, dann von den Afrikanern zum Eigenbedarf. Die Abhängigkeit von ausländischen Energiequellen hat sich bisher nie als besonders vorteilhaft erwiesen.

    Beste Grüße, Sebastian

  6. hallo sebastian,

    du hast natürlich recht, was die versorgungssicherheit angeht, abhängigkeiten sollten vermieden werden. aber was tun wir den in bezug auf öl & gas anderes?

    sicherlich wäre auch spanien geeignet, um strommengen zu produzieren, die ihren eigenbedarf überschreiten. andasol 1 & 2 liefern ja sehr gute ergebnisse.

    leider bist du mit der unabhängigen energiequelle sonne im irrtum. zumindest in deutschland gibt es keine region, die ganzjährig ausreichend solare energie produziert. mehr als 60 % der versorgung sind nicht mal im sommer drin. und die ist nicht mal ausreichend für die grundlast.

    zudem wäre es doch endlich mal sinnvolle entwicklungshilfe, wenn die nordsahara etwas produzieren & exportieren könnte, was alle wollen und brauchen: saubere engergie im überfluss. für die struktur müssen sich die regierungen endlich gegen big business durchsetzen

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