Ölheizung – ist der Klassiker noch zeitgemäß?

Neben Gasheizungen sind Ölheizungen in Deutschland immer noch die beliebteste Heizungsart. Ölheizungen sind nicht so teuer in der Anschaffung, der Brennstoff Öl kann von einem Anbieter nach Wahl selbst beschafft werden, man braucht keine Infrastruktur wie bei einer Gasheizung und die Technik ist inzwischen auch so ausgereift, dass der Verbrauch relativ niedrig ist. Auf der anderen Seite ist Öl ein fossiler Brennstoff und damit begrenzt erhältlich und wenig umweltfreundlich. Lohnt es sich heute trotzdem noch, in eine Ölheizung zu investieren? Was spricht für und was gegen den Kauf einer Ölheizung? Lesen Sie hier alle wichtigen Infos zu Funktionsweise, Vor- und Nachteilen sowie Kosten, um sich selbst ein Bild zu machen.

Wie funktioniert eine Ölheizung?

Das Prinzip einer Ölheizung ist simpel: Heizöl wird in einem Öltank gelagert und über eine Pumpe und entsprechende Leitungen zum Ölbrenner transportiert. Durch eine spezielle Vorwärmeeinrichtung wird das Öl erwärmt, um eine optimale Zündung zu ermöglichen. Nachdem sich ein Magnetventil geöffnet hat, wird das Heizöl in den Brennraum gesprüht, wobei bei modernen Blaubrennern durch Rezirkulation dafür gesorgt wird, dass das Heizöl bereits vor der Verbrennung verdampft und dann wie Gas verbrennt.  Die entstehende Wärme wird über einen Wärmetauscher an das Wasser für den Heizkreislauf abgegeben.

Im Laufe der letzten Jahre hat sich bei der Technik von Ölheizungen viel getan. Sogenannte Konstantkessel, die über Thermostate an den Heizkörpern geregelt wurden und lange Zeit üblich waren, aber nur wenig energieeffizient arbeiten, werden heute nicht mehr neu gebaut. Stattdessen haben sich im Laufe der Zeit nacheinander zwei andere Ölheizungsarten etabliert.

Bei Niedertemperaturheizungen wird mit wechselnden Temperaturen des Heizwassers gearbeitet, die vom Wärmebedarf und/oder der Außentemperatur anhängig sind. Dadurch arbeiten sie viel umweltfreundlicher und effizienter als Konstantkessel-Ölheizungen. Allerdings wird bei Niedertemperaturheizungen nur 85 % des Brennwerts genutzt.

Öl-Brennwertheizungen sind eine moderne Weiterentwicklung der Niedertemperaturkessel, um den Brennwerts des Heizöls besser ausnutzen zu können. Dazu wird zunächst das Öl in den Brennraum gesprüht und entzündet und anschließend das Heizwasser mit der entstehenden Wärme aufgewärmt. Anders als bei Niedertemperaturheizungen wird bei Brennwertheizungen anschließend aber durch spezielle Technik zusätzlich die Wärme der Abgase ausgenutzt, wodurch ein Effizienzgewinn von rund 6 % erreicht und entsprechend Heizöl eingespart werden kann.

  • Vorteile und Nachteile einer Ölheizung

    Die Vorteile der Ölheizung liegen in der bewährten Tradition: Ölheizungen gibt es schon lange, entsprechend ist die Technik nicht nur sehr ausgereift, sondern sie wurde auch stetig weiterentwickelt, sodass moderne Ölheizungen inzwischen sehr energieeffizient arbeiten, besonders Öl-Brennwertheizungen. Zudem ist die Technik weithin bekannt, sodass Reparaturen und Wartungen von nahezu jedem Heizungsfachbetrieb durchgeführt werden können. Zu guter Letzt kann als weiterer Vorteil genannt werden, dass Ölheizungen relativ günstig in der Anschaffung sind, keine Infrastruktur wie Gasheizungen brauchen und den Nutzer unabhängig in der Wahl des Lieferanten machen. Bei einer Ölheizung kann das Öl zu dem Zeitpunkt und in der Menge gekauft werden, wann es dem Hausbesitzer am besten passt.

    Doch den Vorteilen stehen auch viele Nachteile gegenüber. Heizöl ist ein fossiler Brennstoff und damit endlich. Wird Heizöl irgendwann knapp, werden die Preise unweigerlich steigen, weshalb eine Ölheizung nicht unbedingt zukunftssicher ist. Zudem sind zwar die Emissionen gesenkt und die Energieeffizienz gesteigert worden, im Vergleich zu Solaranlagen schneiden selbst modernste Ölheizungen immer noch schlecht ab. Ein letzter negativer Punkt ist, dass Heizungsanlage und Öltank viel Platz im Haus einnehmen, wobei neuere Modelle bereits viel kompakter sind als Ölheizungen der Vergangenheit.

  • Wie hoch sind die Kosten für eine Ölheizung?

    Die Kosten für eine Ölheizung setzen sich aus verschiedenen Posten zusammen:

    • Die Anschaffungskosten liegen bei ca. 5.000–7.000 € für eine Niedertemperaturheizung und bei ca. 6.000–9.000 € für eine Brennwertheizung.
    • Bei den Wartungskosten, in denen Kleinstreparaturen oft schon enthalten sind, ist mit rund 200 € jährlich zu rechnen.
    • Die Schornsteinfegerkosten für Abgaswegüberprüfung, Feuerstättenschau und Bundesimmissionsschutzmessung schlagen mit etwa 50–80 € pro Jahr zu Buche.
    • Die Kosten für das Heizöl sind den üblichen Preisschwankungen auf dem Ölmarkt unterlegen und hängen zudem direkt mit dem Verbrauch zusammen, der wiederum abhängig von der Wohnungsgröße, der Dämmung des Gebäudes und dem individuellen Heizverhalten ist. Dabei haben Niedertemperaturheizungen einen höheren Verbrauch als Brennwertheizungen. Allerdings muss bei Brennwertheizungen ohne Neutralisationseinrichtung schwefelarmes Heizöl verwendet werden, welches teurer ist als normales Heizöl.Da die Heizkosten von so vielen Faktoren abhängig sind, können die Heizölkosten hier nicht allgemein benannt werden.
  • Gibt es Fördermittelfür Ölheizungen?

    Auch wenn Ölheizungen nicht zu den energieeffizientesten Heizungsarten gehören, kann man bei der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) Zuschüsse oder zinsgünstige Kredite beantragen (Stand März 2018), die als Ziel eine höhere Energieeffizienz und die Senkung der Energiekosten haben. Dazu kann auch einfach der Austausch einer alten Heizung gegen eine moderne Öl-Brennwertheizung gehören, wenn ein Sachverständiger bestätigt, dass die Einzelmaßnahme angemessen ist und den Richtlinien der Fördermaßnahe entspricht. Auch der Einbau einer Zirkulationspumpe und einer Umwälzpumpe kann durch die KfW gefördert werden. Bei den Zinsgünstigen Krediten sind 100 % der Investitionskosten, inklusive aller Kosten für Mehrwertsteuer, Installation, Thermostate, Umbauarbeiten und Umstellung des Warmwassersystems. Der Investitionszuschuss kann 10 % der förderfähigen Kosten betragen, ist aber auf eine Maximalhöhe begrenzt.

    Auch beim Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) können Fördergelder beantragt werden. Wer beispielsweise eine Solaranlage installiert, kann je nach Anlage aktuell (Stand 2018) mit Beträgen zwischen 500–2000 € gefördert werden. Wird gleichzeitig eine neue Ölheizung mit Brennwerttechnik installiert und eine effiziente Umwälzpumpe (Effizienzklasse A) laut BAFA-Liste eingebaut, gibt es zusätzlich einen sogenannten Kesseltauschbonus in Höhe von 500 €.

    Achtung: Förderungen der KfW und der BAFA können oft nicht immer miteinander kombiniert werden. Deshalb sollte man sich vor der Beantragung ausrechnen, welche der Fördermaßnahmen für das eigene Projekt am sinnvollsten ist. Zudem können sich die Fördermaßnahmen und ihre Konditionen jederzeit ändern. Ein Blick auf die Websites von BAFA und KfW schafft da Klarheit.

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Ölheizungen sinnvoll kombinieren

Moderne Ölheizungen lassen sich sehr gut mit anderen Heizungsarten kombinieren, um die Heizkosten zu senken und die Umwelt zu schonen. Beispiele dafür sind die Kombination mit Solarthermie oder mit einer Wärmepumpe.

Kombination einer Ölheizung mit Solarthermie

Bei der Solarthermie wird durch Sonnenenergie Wärme gewonnen. Durch die Kombination einer Ölheizung mit einer Solarthermieanlage kann gegenüber dem Verbrauch eines schon sehr sparsamen Brennwertkessels noch mal zusätzlich Heizöl gespart werden. Für die Kombination von Ölheizung und Solarthermie gibt es zwei Möglichkeiten:

  1. Solarthermie für die Warmwasserbereitung:
    Wird die Solarthermie für die Warmwasserbereitung eingesetzt, ergänzen sich Solarthermie und Ölheizung perfekt. Im Winter, wenn wenig Sonne scheint, übernimmt die Ölheizung die Warmwasserversorgung. Im Sommer oder auch in der Übergangszeit, wenn die Sonne mehr scheint und die Heizung ausgeschaltet ist, wird die Warmwasserversorgung durch die Solarthermie gewährleistet. Ob die Ölheizung ein- oder ausgeschaltet wird, wird automatisch über eine spezielle Heizungs- und Solarregelung geregelt.Durch die Solarthermie kann der Bedarf an Heizöl – je nach Anlage – um bis zu 40 % gesenkt werden. Zusätzlich verlängert sich die Lebensdauer der Heizung, weil sie im Sommer nicht mehr zur Warmwasserversorgung anspringen muss.
  2. Solarthermie für Warmwasserbereitung und Heizungsunterstützung:
    Soll die Solarthermieanlagefür die Warmwasserbereitung und die Heizungsunterstützungeingesetzt werden, muss die Anlage deutlich größer ausfallen. Allerdings gibt es für solche Kombianlagen im Gegensatz zu Anlagen nur für die Warmwasserbereitung Zuschüsse vom Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA). Die Vorteile sind ansonsten ähnlich für die Solarthermie nur für die Warmwasserbereitung, wobei insgesamt aber noch mehr Heizöl gespart werden kann.

 

Kombination einer Ölheizung mit einer Wärmepumpe

Auch viele Wärmepumpen lassen sich mit einer Ölheizung kombinieren, wie zum Beispiel Luft-Wärmepumpen, Grundwasser- und Erdwärmepumpen. Dabei kann dieKopplung von Wärmepumpe und Ölheizung so vonstattengehen, dass die Ölheizung die hauptsächliche Wärmequelle bleibt und die Wärmepumpe einfach nur zuheizt. Oder dieWärmepumpe ist die Hauptheizung und die Ölheizung ist die Reserveheizung, die nur anspringt, wenn die Wärmepumpe nicht ausreichend Wärme zur Verfügung stellen kann.

Vor allem als eine Alternative zum Kesseltausch bietet sich die Ergänzung einer bestehenden Ölheizung mit einer Luftwärmepumpe an. Denn durch den Einsatz der Umweltwärme lässt sich der Ölverbrauch um bis zu 60 % senken. Allerdings sind Wärmepumpen sehr teuer, sodass man sich nach Fördermitteln umsehen sollte, um die Investitionskosten im erträglichen Rahmen zu halten.

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Foto: Fotolia/Aleksey Sergeychik

FAZIT

Ölheizungen sind neben Gasheizungen die Klassiker in Deutschland.Dabei ist die Technik ausgereift und wurde in den letzten Jahren zunehmend verbessert, sodass moderne Öl-Brennwertheizungen viel energieeffizienter sind als ältere Modelle. Trotzdem schneidet eine Ölheizung in der Ökobilanz deutlich schlechter ab als Heizungsarten mit erneuerbarer Energie. Zudem darf nicht vergessen werden, dass Heizöl ein fossiler Brennstoff ist und damit nicht unbegrenzt verfügbar. Deshalb sind die Heizölpreise nicht vorhersehbar, was eine Ölheizung nicht sehr zukunftssicher macht. Für mehr Energieeffizient und Umweltschutz kann man eine Ölheizung auch mit einer Solarthermieanlage oder einer Wärmepumpe kombinieren. Im Anschaffungspreis ist eine Ölheizung wiederum relativ günstig, wobei man unter gewissen Voraussetzungen sogar Fördergelder beantragen kann, wenn man eine neue Ölheizung installiert. Dazu sollte man sich bei der KfW und der BAFA beraten lassen, bevor man eine Fördermaßnahme beantragt. Denn manche Fördermaßnahmen können nicht miteinander kombiniert werden und man sollte sich im Vorfeld erkundigen, welche Maßnahme für das eigene Projekt am sinnvollsten ist.

Vorteile einer Ölheizung:

  • bewährte Technik
  • relativ geringe Anschaffungskosten
  • keine Infrastruktur wie Gasleitungen nötig
  • unter gewissen Voraussetzungen Förderung möglich
  • mit Solarthermie oder Wärmepumpe kombinierbar
  • Öllieferant und Lieferzeitpunkt können frei gewählt werden

Nachteile einer Ölheizung:

  • Heizöl ist ein fossiler Brennstoff und damit endlich
  • Preisentwicklung von Öl nicht absehbar
  • in Sachen Energieeffizienz schlechter als z. B. eine Solaranlage
  • Heizungsanlage und Öltank brauchen viel Platz im Haus

 

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