bsb_ruine_270px_72dpi.jpgDie Berliner Bauherrenfamilie plant ihr persönliches Wunschhaus: Licht durchflutet, mit Keller, schöner Terrasse und Gründach. Doch ihr Traum wird zunächst zum Albtraum.
Das Fazit der Bauherrin lässt an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig: „Der Entwurf sagte uns auf Anhieb zu. Ebenso waren wir davon angetan, alles aus einer Hand zu bekommen. Um Geld zu sparen, glaubten wir, auf einen unabhängigen Bauberater verzichten zu können. Heute wissen wir es besser, denn die Probleme ließen nicht lange auf sich warten.“

Die BaugeschichteEine Architektin spielt Baufirma und Bauleiterin in einer Person. Die Bauherren bringen anfangs ihr volles Vertrauen entgegen und die Kellerfirma, die sie empfiehlt, verspricht den Einbau einer energiesparenden Fußbodenheizung in die Kellerdecke – ein sogenanntes Hypokaustensystem. Das ist eine Warmluftheizung mit Ursprung im Altertum. Doch schon beim Rohbau tritt im Keller Nässe auf. „Auch die Funktion der Heizung ließ zu wünschen übrig. Die wenigen Rohre verliefen genau dort, wo wir die Wärme nicht benötigen, unter den Küchenschränken, dem Kühlschrank oder unter dem Bett. Die Bereiche, wo man läuft und sitzt, blieben kalt. Das Kinderzimmer bekamen wir nur mit Hilfe eines Ölradiators warm“, so die genervte Bauherrin im Rückblick. Die Familie beauftragte einen Gutachter. Er empfiehlt, die Außenabdichtung zu erneuern, weil unter anderem Hohlkehle und Horizontalsperre fehlen. Doch auch die nachträgliche Außenabdichtung wird nicht fachgerecht ausgeführt. Als zweite Maßnahme legt der Gutachter ein chemisches Injektionsverfahren von innen, eine Epoxidharz-Injektion nahe: Bohrlöcher im Mauerwerk werden mit porenverengender und wasserabweisender Substanz gefüllt. Auch das hilft nicht.Wasser im Haus„Das Wasser sollte uns weiterhin beschäftigen“, erklärt die Bauherrin. „Bereits in der Bauphase fiel uns auf, dass die Dachterrasse kein Gefälle hatte.“ Das bestätigt auch die Subunternehmerfirma, was diese aber nicht abhält, „auf Weisung“ weiter zubauen und sich gegenüber den Bauherren in Schweigen zu hüllen. Zu diesem Zeitpunkt wäre eine Korrektur ohne weiteres möglich gewesen. Die Architektin besteht jedoch darauf, ohne Gefälle weiter zu bauen, weil sie das bei all ihren Häusern so mache. „Wir studierten daraufhin Fachliteratur und kamen immer wieder zu dem Schluss, dass nach den anerkannten Regeln der Technik Balkone und Terrassen mit Gefälle oder mit entsprechenden Rinnen versehen werden müssen.“Da die Familie verständlicherweise das Vertrauen zum Gutachter verloren haben, suchen sie einen Bausachverständigen. Er besichtigt den Bau, schlägt angesichts der Ausführung die Hände über dem Kopf zusammen und verspricht, die Sache in Ordnung bringen zu lassen, da er die Architektin gut kennt. Es gibt einen Vor-Ort-Termin, der jedoch zur Farce wird: Der Sachverständige hat zwischenzeitlich seine Meinung geändert und befindet, dass die Dachterrasse doch in Ordnung sei. Die Geduld der Hausbauer ist erschöpft und das Budget durch die Zusatzkosten weit über das vorgesehene Maß hinaus in Anspruch genommen. So wenden sich die Bauherren an die gemeinnützige Verbraucherschutzorganisation Bauherren-Schutzbund.BSB-Bauherrenberater Ludger Weidemüller begutachtet den Bau und dokumentiert die Mängel. Um an der Dachterrasse zu retten, was noch zu retten ist, empfiehlt er einen sofortigen Zahlungsstopp, was prompt einen Baustopp zur Folge hat. Da die Wohnung bereits gekündigt ist und der Auszugstermin zweimal verschoben werden musste, stehen die Bauherren unter Zugzwang. „Wir erhoben Klage, ließen uns aber auf einen Vergleich ein“. Die Folge: Die Architektin haftet nicht mehr für die Terrasse, die Verantwortung für die sachgemäße Sanierung liegt nun bei den Bauherren. „Nur ein paar Wochen später trat ein, was wir befürchtet hatten. Nach einem heftigen Gewitterguss lief das Wasser von unserer Terrasse, die sich zum Swimmingpool verwandelt hatte, ins darunter liegende Wohnzimmer“.Undichtes GründachAuch beim Gründach gibt es Probleme: Weil eine Abdeckung fehlt, dringt Wasser über die Lüftungsklappe in die Wohnung und beschädigt Mobiliar und Dielen. Das Dachsubstrat auf dem Dach ist so ungleichmäßig verteilt, dass stellenweise die Folie zutage tritt. „Als Krönung erhielten wir von der empfohlenen Firma eine Schlussrechnung, die deutlich über dem Kostenvoranschlag lag. Da Abrechnung nach Aufmaß vereinbart war, bezahlten wir nur die entsprechende Summe.“ Die Firma zieht vor Gericht und bekommt Recht, weil der Auftraggeber mit der Zahlung die komplette Rechnung anerkennt.Nach soviel Pleiten, Pech und Pannen fehlen den Bauherren die Nerven für eine weitere Klage. Doch die Argumente von BSB-Bauherrenberater Weidemüller, der ihnen das Ausmaß der Fehler und Mängel im Keller und an der Fußbodenheizung klar macht, bleiben nicht ohne Wirkung. Sie entschließen sich zur erneuten Klage, mit der sie BSB-Vertrauensanwalt Olaf Lenkeit betrauen. „Wir mussten uns das Geld für Anwalt und Gericht borgen. Ohne unsere Eltern hätten wir das nie durchgehalten. Aber es hat sich gelohnt. Wir haben Recht bekommen“, resümieren sie. Nicht alle Mängel sind behoben, aber durch eine Gelverpressung ist erst einmal der Keller trocken. „Die Risse in der Kellerbodenplatte sind wegen der beträchtlichen Kosten noch nicht behoben. Aber da der Keller bislang trocken geblieben ist, hoffen wir, dass wir uns die Instandsetzung vielleicht sparen können.
 
 

4 KOMMENTARE

  1. Wie frustrierend! Überall hört man von irgendwelchen Baukatastrophen. Schimmel, feuchte Keller, undichte Fenster, Risse in den Wänden… Das lässt ja hoffen!

    Ich finde es sollte einen Zulassungs- und Qualitätstest für Hausbaufirmen geben!

    MFG, R.

  2. HAllo an alle,

    es ist wirklich verschreckend immer wieder diese Horrormeldungen von irgendwelchen Baustellen und mit Sicherheit sind diese hier nicht die letzten gewesen, die übers Ohr gehauen wurden. Aber ich kann für uns nur sagen, dass wir sehr zufrieden sind mit unserer Baubetreuung.
    Wer wirklich so unsicher ist, sollte sich einfach von Anfang an fragen, wie realistisch der versprochene Preis für sein Haus ist und ggf. einen unabhängiger Gutachter einsetzen!

    Na dann, Glück auf : ) UDO

  3. hallo,

    das ist ja eine schreckliche geschichte! bei unserem hausbau ging ja auch so einiges drunter und drüber, aber das hält sich ja noch in grenzen, im vergleich zu dieser sache hier!

    ich bin auch der meinung es sollte einen zulassungs- und qualitätstest für hausbaufirmen geben sollte!!

    LG Maria

  4. Oh mein Gott! Das ist ja echt der Albtraum aller Bauherren! Da kann man ja echt froh sein, dass man nur mit den üblichen kleinen Problemen beim Hausbau zu kämpfen hat!

    viel Glück für die Zukunft!!!
    Nina

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