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Wärmelecks auf der Spur

Viele Hauseigentümer wollen ihre Immobilie energetisch sanieren. Aber wo sollen sie ansetzen? Ein Luftdichtigkeitstest – bekannt geworden als „Blower-Door“-Test – ist eine Methode, energetische Missstände an der Gebäudehülle aufzuspüren.

Nicht nur schwankende Energiepreise stellen viele Hauseigentümer vor die Frage, wie sie ihre Immobilie energetisch sinnvoll verbessern können. Auch Behaglichkeit, ein erhöhter Wohnkomfort, höhere gesetzliche Anforderungen nach der Energieeinsparverordnung (EnEV), staatliche Förderungen und der Klimaschutz rücken die Energieeffizienz des Eigenheims in den Mittelpunkt. Bevor Sie also ans Bauen und Sanieren gehen, sollten Sie die energetischen Schwachstellen orten! Das unter dem amerikanischen Produktnamen „Blower-Door“ bekannte Differenzdruckmessverfahren hilft, Energieverluste an der Haushülle vorab zu entdecken und fungiert als wirksames Planungswerkzeug für eine energetische Modernisierung oder als Kontrolle beim Neubau. Denn Wärmeverluste sind schwer zu lokalisieren. Sie entstehen nicht nur bei schlecht gedämmten Außenbauteilen.

Auch beim täglich notwendigen Lüften, bei dem Luftfeuchte und Schadstoffe entweichen, geht Wärme verloren. Vor allem in der Heizperiode wird warme Raumluft gegen kältere und trockenere Außenluft ausgetauscht. Treffen beide zusammen, kann Feuchtigkeit ausfallen und zu Feuchteschäden und Schimmelpilzen führen, die meist im Verborgenen blühen und erst spät erkennbar sind. Weitere Wärmeverluste entstehen durch fehlerhafte Außenbauteile, an undichten Anschlussfugen, Bauteilübergängen und Durchdringungen. Deren Anzahl und Größe ist zumeist nicht bekannt. Doch sie verschlechtern Schallschutz und Raumluft. Spätestens, wenn es zieht, wird es ungemütlich – und der Wohnungsnutzer sollte die Ursache finden und handeln.

Luftdicht, aber nicht dicht

Untersuchungen in gut gedämmten Häusern belegen, dass allein durch nicht erkannte Undichtigkeitsstellen in der Gebäudehülle, Energieverluste bis zu 30 Prozent entstehen können. Doch eine luftdichte Gebäudehülle ist nicht gleichzeitig wasserdampfdicht – Wasserdampf kann in begrenztem Maß bis zur Lüftung in der Wand zwischengespeichert werden. Wird allerdings nicht regelmäßig gelüftet, sind Feuchteschäden möglich. Weil ein hygienischer Mindestluftwechsel für die Gesundheit der Bewohner und ein wirkungsvolles Heizen unerlässlich sind, fordert der Gesetzgeber luftdichte Gebäudehüllen, doch keine luftdichten Häuser.

Schwachstellen orten

Es empfiehlt sich, die Gebäudehülle zu überprüfen und dabei verschiedene messtechnische Methoden zu kombinieren. Neben dem seit Jahren erfolgreich angewandten „Blower-Door“-Messverfahren mit einem im Fenster- oder Außentürrahmen eingebauten regelbaren Ventilator sollte auch ein Luftgeschwindigkeitsmessgerät eingesetzt werden – das so genannte Anemometer – um alle undichten Stellen zu erfassen. Eine Thermografiekamera kann eben diese Stellen dann unter bestimmten Bedingungen als Wärmebilder sichtbar machen. Je nach Bauwerk Mit der Blower-Door-Messtechnik wird in der Regel die Luftwechselrate bei 50 Pascal (Pa) bestimmt – das entspricht etwa den Verhältnissen am Gebäude bei Windstärke 5.

Die Ventilatorgeschwindigkeit wird so lange geregelt, bis der gewünschte stabile Druckunterschied erreicht ist. Durch den Ventilator wird innerhalb des Gebäudes ein konstanter Überdruck und Unterdruck erzeugt und gehalten. Die durch Gebäudeundichtigkeiten ausströmende Luftmenge wird durch den Ventilator in das Gebäude hereingedrückt und gemessen. Die Luftwechselrate (der sogenannte n50-Wert, Einheit: 1/h) sagt aus, wie oft das Gebäudeluftvolumen pro Stunde ausgetauscht wird. Für Häuser mit der üblichen Fensterlüftung wird eine Leckage-Luftwechselrate bis 3,0 pro Stunde (1/h) toleriert. Das bedeutet, dass bei geschlossenen Türen und Fenstern das dreifache Gebäudeluftvolumen pro Stunde über undichte Stellen ausgetauscht werden darf. Bei Gebäuden mit Lüftungstechnik wird wegen deren Effizienz eine deutlich geringere Luftwechselzahl gefordert. Aus ingenieurtechnischer Sicht sollte sie höchstens 1,0 pro Stunde betragen. In Passivhäusern sind sogar nur maximal 0,6 pro Stunde zulässig.

Ergebnisse richtig werten

Das Ergebnis muss richtig betrachtet werden. Da es alle auf der gesamten Gebäudehülle vorhandenen Fehlstellen einbezieht, lassen sich zunächst keine verlässlichen Aussagen über deren Lage, Größe und Schadensanfälligkeit treffen. Ein und derselbe Messwert kann durch viele kleine Undichtigkeitsstellen mit geringer Wirkung oder durch wenige, jedoch große und deutlich kritischere Leckagen zustande gekommen sein. Deshalb sollten im Protokoll unbedingt alle gefundenen Leckagen aufgeführt und bewertet werden.

Während des Rohbaus

Die Luftdichtigkeitsuntersuchungen führt man beim Neubau am wirksamsten im Rohbaustadium aus – wenn die luftdichte Bauteilebene, zum Beispiel ein vollflächig aufgetragener Nassputz, verklebte Bauplatten und -folien an Fugen, Anschlüssen und Durchdringungen und die abgedichteten Fensteranschlussfugen, schon vollständig eingebaut, jedoch noch nicht verkleidet sind. Nur in diesem Bauzustand lassen sich die Fehlstellen genau einkreisen, wirksam und kostengünstig beseitigen. In späteren Bauphasen können die ungewünschten Luftpfade sehr weit auseinander liegende Ein- und Austrittsstellen haben. Das kann die Ursachensuche erheblich erschweren und deren Beseitigung unmöglich machen. Wichtig: Spätere Feuchteschäden entstehen meist, wenn noch Baufeuchte vorhanden ist. Diese kann sich bei einem Massivbau bis zu zwei Heizperioden nach Fertigstellung im Bauwerk halten.

Sinnvolle Schritte

Im Zuge der Energieberatung wird die Differenzdruckmesstechnik im Zusammenspiel mit der Infrarot-Aufnahmetechnik eingesetzt, um nach aufgespürten Wärmebrücken und undichten Stellen eine Sanierungsstrategie zu entwickeln. Während durch das Thermografieren einzelner Außenbauteile mit der Kamera oft nur geometrische und materialbedingte Wärmebrücken aufgespürt werden, lassen sich bei laufendem Blower-Door-Gerät auch (konvektive) Wärmebrücken in undichten Bauteilen und Anschlussfugen erfassen, die durch abgekühlten und zu Tauwasser kondensierten Wasserdampf entstehen und das Bauteil durchfeuchten. Folge: eine reduzierte Wärmedämmung, Pilzbefall oder Frostschäden.

Für ein Einfamilienhaus belaufen sich die Kosten für einen „Blower-Door“-Test auf 300 Euro bis 450 Euro pro Messung, je nach Volumen des Gebäudes und Vorbereitungsaufwand. Energetisch sinnvolle Lösungen zu finden, ist liegt im Interesse von Bauherren und Hausbesitzern. Wichtig sind der Zeitpunkt für die Untersuchungen und ausgewiesene Fachleute, die die richtigen Schlussfolgerungen für die energetische Ausstattung oder Modernisierung des Hauses ziehen.

 


 

Kommentare

20.02.2012 13:37
Wir sind ganz der selben Meinung, wir werden auch eine solche Messung veranlassen.

gruß Lukas
19.04.2010 11:33
Das ist wirklich mal ein guter Tipp, den man noch nicht überall gelesen hat. Danke dafür! Die Kosten sind in Anbetracht der möglichen negativen Folgen tragbar. Ich denke, ich werde auf jeden Fall auf eine solche Messung bestehen.

Viele Grüße, Ute