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Beim Hausbau auf der sicheren Seite

Sind sich Bauherren der Risiken am Bau bewusst?

Als bundesweit agierende Verbraucherschutzorganisation hat sich der BSB zur Aufgabe gestellt, private Bauherren bei ihrem Hausbauprojekt zu unterstützen. Peter Mauel, 1. Vorsitzender des Bauherren-Schutzbundes e.V., zu Risiken am Bau und dem Umgang mit Baumängeln.

Welche Risiken werden als besonders gravierend gesehen?

90 Prozent der Befragten äußerten in einer Umfrage, dass sie in Baumängeln die größte Gefahr für ihr Bauvorhaben sehen. Aber auch eine Überschreitung von Baukosten, die Nichteinhaltung der Bauzeit und die Folgen von Firmeninsolvenzen beschäftigen private Bauherren. Die überwiegende Zahl unserer Mitglieder wünscht sich bereits Beratung bei Auswahl von Hausangeboten und der Vertragsprüfung. Während der Bauphase entscheiden sich die meisten für eine baubegleitende Qualitätskontrolle durch unsere unabhängigen Bauherrenberater oder zumindest für gezielte Kontrolltermine, beispielsweise zur Fertigstellung des Rohbaus oder zur Abnahme.

Woraus erwachsen Gefahren für Baumängel?

Die Gründe sind vielfältig. Sie liegen in der Ausgestaltung der Bau- und Leistungsbeschreibungen, dem Herzstück des Bauvertrages. Wie unsere Analysen zeigen, sind diese leider oft unvollständig, Leistungen sind nur allgemein festgehalten. Das gilt besonders für Planung und Bauleitung, Erdarbeiten, Baukonstruktion, Ausbauarbeiten und Haustechnik. Durch mangelnde Transparenz bei Bau- und Leistungsbeschreibungen wissen private Bauherren nicht genau, welche Leistungen und welche Qualität sie für ihr Geld bekommen und was sie fordern können. Unsere Organisation hat deshalb schon vor einigen Jahren zusammen mit dem Bundesbauministerium Mindestanforderungen für Bau- und Leistungsbeschreibungen erarbeitet, die als Broschüre vorliegen. Auf der Baustelle selbst, so die Erfahrung unserer unabhängigen Bauherrenberater, werden nicht selten anerkannte Regeln der Technik außer Acht gelassen, bei der Qualität wird „improvisiert“. Noch immer ist die Mängelhäufigkeit bei Planung und Bauausführung in allen Gewerken hoch.

Wo entstehen die größten Schwachstellen?

Rohbau, Dachkonstruktion und Statik, dazu Wärmedämmung, Schall- und Brandschutz liegen in der Mängelhäufigkeit vorn. Auch bei der Gebäudeabdichtung oder dem Einbau von Türen und Fenstern werden viele Fehler gemacht. Diese Schäden verursachen hohe Folgekosten, werden sie nicht rechtzeitig entdeckt und beseitigt.

Was hilft dabei?

Am sichersten die von unserer Verbraucherschutzorganisation entwickelte baubegleitende Qualitätskontrolle. Durch fortlaufende Begleitung der Bauvorhaben – im Durchschnitt sind es zehn bis zwölf Kontrolltermine in den für das Bauwerk entscheidenden Bauphasen – Auflistung der Mängel und sofortige Beseitigung bleiben Folgeschäden und Bauverzögerungen erspart. Teure Nacharbeiten sowohl für die Bauunternehmen als auch für die privaten Bauherren entfallen.

Lässt sich der wirtschaftliche Nutzen in Zahlen belegen?


Wir wollten das vor einiger Zeit genauer wissen und haben dazu mit dem Institut für Bauforschung Hannover eine Studie erarbeitet, in der 25 Bauvorhaben im Hinblick auf vermiedene Bauschadenskosten analysiert wurden. Durch baubegleitende Qualitätskontrollen wurden bei diesen 25 Projekten mögliche Bauschadenskosten von 285.000 Euro vermieden. Anders gesagt, sparen private Bauherren durchschnittlich zwischen 12.000 Euro an Kosten für Schäden und deren Beseitigung, wenn sie eine unabhängige baubegleitende Qualitätskontrolle beauftragen. Solcherart Prävention ist für Verbraucher wirtschaftlich von beträchtlichem Vorteil.

Wie sollten Bauherren reagieren, wenn dennoch Mängel vorhanden sind?


Sie sollten Mängel sofort schriftlich anzeigen und den Unternehmer unter Setzung einer angemessenen Frist auffordern, die Mängel zu beseitigen. Gleichzeitig sollten diese dokumentiert und gegebenenfalls Beweise gesichert werden. Rührt sich der Unternehmer nicht, sollten Bauherren wegen der verschiedenen sich daraus ergebenden Möglichkeiten einen Vertrauensanwalt konsultieren. Auf keinen Fall sollten die Mängel auf eigene Faust ohne weitere Beweissicherung beseitigt werden. Zu empfehlen ist auch, wegen der Mängel bei weiteren Zahlungsansprüchen des Bauunternehmers vom Zurückbehaltungsrecht Gebrauch zu machen. Nach den jetzigen gesetzlichen Bestimmungen kann dieses in Höhe des Zweifachen des voraussichtlichen Aufwandes für die Beseitigung der Mängel gegenüber dem Unternehmer geltend gemacht werden.

Wie können sich Bauherren generell besser absichern?

Das Forderungssicherungsgesetz öffnet Verbrauchern neue Sicherheitsmöglichkeiten, die am wirkungsvollsten gleich bei Vertragsunterzeichnung mit dem Bauunternehmen vereinbart werden. Danach ist Bauherren bei der ersten Abschlagzahlung für die rechtzeitige mängelfreie Realisierung des Bauvorhabens fünf Prozent des Vergütungsanspruches einzuräumen. Bei Vertragsänderung um mehr als zehn Prozent müssen mit der nächsten Abschlagzahlung weitere fünf Prozent Sicherheit gewährt werden. Bauherren sollten nach Fertigstellungsbürgschaften oder Fertigstellungsgarantieversicherungen fragen oder den Einbehalt von Abschlagszahlungen in Höhe der geschuldeten Sicherheit vereinbaren. (Fragen: bb)


 

Kommentare

19.04.2010 11:55
Interessantes Interview mit vielen guten Hinweisen, worauf man achten muss : ) Leider erfährt man nicht, ob eine Mitgliedschaft beim BSB erforderlich ist oder ob die Preise für eine Beratung beim Bau auch für Nicht-Mitglieder gelten : (

Aber der Anfang ist gemacht! LG, Jutta

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